Fast zwei Stunden lang Hände schütteln, dazu immer lächeln: „Sagen Sie mal: Geht Ihnen das nicht auf den Wecker?“, sei er mehrere Male gefragt worden, berichtete Karl-Theodor zu Guttenberg zu Beginn seiner Rede auf dem Summit mit Humor. Zuvor hatte er als Mentor von TOP CONSULTANT allen Top-Consultants persönlich in einem Fotostudio zu ihrem Erfolg im Beraterwettbewerb gratuliert. Doch zu Guttenberg war dies keineswegs „auf den Wecker“ gegangen, wie er verdeutlichte. „Mir haben diese zwei Stunden wirklich Freude bereitet“, sagte er. Und erklärte auch, warum: „Weil ich eine Stimmung wahrnehmen durfte, die in unserem Land außerordentlich selten geworden ist.“ Es sei eine Stimmung, die geprägt sei von „wir wollen“ und von „wir können“. Und dies trotz der schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Lage des Landes, trotz der deutschen Eigenart, in allem immer gleich ein Problem zu sehen.
Summit: Wo Optimismus kein Fremdwort ist
Mag sein, dass Stagnation und Reformstau das Land lähmen – doch auf die Top-Innovatoren und Top-Consultants ist Verlass: Sie lassen sich von schlechter Stimmung und Widrigkeiten nicht beeindrucken und zeigen herausragende Leistungen. Das wurde auf dem Deutschen Mittelstands-Summit deutlich. Der Abend in Heidelberg war jedoch nicht nur eine Feier, sondern auch eine Staffelübergabe.
Karl-Theodor zu Guttenberg rief die versammelten Top-Innovatoren und Top-Consultants dazu auf, stolz auf die eigenen Leistungen und kein „Hidden Champion“ zu sein, also sich nicht zu verstecken. Denn auch dies sei eine Eigenart der Deutschen. „Wir legen den Deckmantel der Bescheidenheit über das Beste, das wir haben“, sagte er mit Blick auf den Mittelstand. Dass Fremd- und Eigenbild mitunter abweichen, erwähnte auch Christian Wulff in seiner Rede, Mentor des Innovationswettbewerbs TOP 100. Er berichtete, dass Deutschland im Ausland immer noch für seine Präzision und Gründlichkeit geschätzt werde.
Der ehemalige Bundespräsident redete wie zu Guttenberg über die schwierige weltpolitische Lage. „Für mich bleibt Europa unser Ass im Ärmel“, sagte Wulff. Und zählte auf, welche Bedeutung der Kontinent hat: beispielsweise ein Markt mit 500 Millionen Verbrauchern und eine unabhängige Zentralbank. Wir dürften „unser Europa“ nicht unter den Scheffel stellen, betonte er. Er glaube an die zentralen europäischen Tugenden, führte er weiter aus.
Die weltoffene liberale Demokratie in Gefahr
Christian Wulff sprach die Anwesenden im Raum direkt an, wies auf die Verantwortung eines jeden Einzelnen hin. „Es liegt an uns, ob die Rohen, die Dreisten gewinnen“, bemerkte er. Es gebe einen Kampf in dieser Welt. „Und jeder Europäer wird sich positionieren müssen.“ Es gelte, die weltoffene, liberale Demokratie zu verteidigen. Dazu gehöre, dass man Migranten und Bürgergeldempfänger nicht gegeneinander ausspiele – an dieser Stelle erhielt Wulff Szenenapplaus aus dem Publikum.
Ihren großen Auftritt hatten an diesem Abend die „Innovatoren des Jahres“ und die „Berater des Jahres“. Das sind die Unternehmen, die in ihrer jeweiligen Größenklasse bei TOP 100 und TOP CONSULTANT den ersten Platz belegten. Die beiden Mentoren sowie die beiden wissenschaftlichen Leiter der Wettbewerbe, Professor Nikolaus Franke und Professor Dietmar Fink, ehrten die Größenklassensieger. Auch die Zweit- und Drittplatzierten der verschiedenen Größenklassen wurden für ihre herausragende Leistung auf großer Bühne geehrt. Denn oft, wie Professor Franke bemerkte, gebe es zwischen den Unternehmen der Plätze eins bis drei nur sehr kleine Unterschiede, was die Innovationskraft angehe.
Professor Franke gibt wissenschaftliche Leitung ab
Mit dem Summit beendete Professor Nikolaus Franke seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Leiter von TOP 100. Fast ein Vierteljahrhundert, 24 Jahre lang, war er der wissenschaftliche Kopf von TOP 100 und hatte zusammen mit seinem Mitarbeiter Dr. Rudolf Dömötör TOP 100 entscheidend geprägt. Rund 10.000 Unternehmensanalysen nahmen die beiden in dieser Zeit vor.
„Es hat total Spaß gemacht“, sagte Franke im Gespräch mit Moderatorin Susanne Schöne. Es seien viele faszinierende Unternehmen dabei gewesen, berührende Gespräche habe es mitunter gegeben. Auch er selbst habe eine Menge gelernt. Er und Dr. Dömötör fassten kürzlich die Erkenntnisse aus 24 Jahren TOP 100 in einem Buch zusammen. Antrieb dafür sei gewesen, dass er immer wieder von den Unternehmen gefragt worden sei, ob er nicht noch etwas genauer sagen könne, was sie, die Unternehmen alles tun könnten, um noch innovativer zu werden, berichtete Franke. Das neue Buch mit dem Titel „Innovation ist kein Zufall“ soll nun genau darauf Antworten geben.
Sven Kamerar, Prokurist und Leiter Unternehmenskommunikation von compamedia, verabschiedete Professor Franke. Er wies nochmals auf die Bedeutung der Arbeit von Franke und Dömötör hin: „Man muss das noch einmal explizit sagen: Das sind 10.000 mittelständische Innovationsanalysen“, sagte Kamerar. Das sei weltweit einzigartig, da sich sonst solche Studien gemeinhin auf größere Unternehmen fokussierten.
Als wissenschaftliche Leiterin übernimmt Professorin Katharina Hölzle ab der neuen Runde die Entwicklung und Auswertung der TOP 100-Analyse. Sie ist geschäftsführende Institutsleiterin des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sowie Leiterin des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart.
Roboter bevölkern den Robo-Runway
Vor der abendlichen Bühnenveranstaltung hatten die Summit-Teilnehmer Gelegenheit, verschiedene Panels zu besuchen. So diskutierte man bei „ZEIT für Unternehmer“, ob die Krise den Fortschritt bremse. Innovationsexperte Güngör Kara ging in seinem Panel der Frage nach, wie sich der Mittelstand zwischen Trump, China und KI behaupten könne.
Wie Innovationskultur bei der Melitta Group entsteht, war in einem weiteren Panel zu erfahren. Von Videokommunikation in TV-Qualität konnte man sich bei den Unternehmen Canon und broadify ein Bild machen.
Das Unternehmen Trendone hatte einen „Robo-Runway“ aufgebaut: Roboter marschierten durch den Raum und brachten das Publikum zum Staunen. Dass die Zukunft darin liegen könnte, dass Mensch und Maschine kooperieren, war das Thema des Panels des Unternehmens SuitX.
All diese Panels kreisten um die großen Themen Innovation und Zukunft und boten reichlich Gelegenheit für die Teilnehmer, sich auszutauschen. Und das ist es, was den Summit so besonders macht: Er ist eine Plattform für Menschen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.