Unternehmens­portrait
Interview David Reger

Neura Robotics GmbH

Automatisierungs-/Verfahrenstechnik

Größenklasse A

1 Teilnahme

Wir haben die komplette Robotik noch einmal revolutioniert.“

David Reger, Geschäftsführer

MAiRA machts möglich

PLATZ 2

Roboter, die mit Menschen reibungslos zusammenarbeiten können – das ist, zumindest seit dem Industriezeitalter, eine Art Menschheitstraum. Ein Ziel, dem Forscher und Ingenieure zunehmend näher kommen. Sie sprechen dann nicht mehr von „Robotern“, sondern von „Cobots“, von kollaborierenden Robotern. Auf diesem Gebiet, das zahlreiche Einsatzmöglichkeiten verspricht, ist die Neura Robotics GmbH führend. Wenn es um Innovationserfolge und Open Innovation geht, macht ihr so schnell niemand etwas vor.

Das junge, kreative Start-up mit Sitz in Metzingen ist von David Reger gegründet worden. Es hat aber zusätzlich einen chinesischen Automatisierungsspezialisten, die Han‘s Group, als strategischen Investor. Auf dieser Basis denkt man groß: Die im Hause entwickelten „MAiRA“-Cobots können in der Automobilproduktion ebenso eingesetzt werden wie im Medizin- und Laborbereich. Ein anderes Produkt schafft neue Möglichkeiten für das autonome Fahren, vorerst hauptsächlich in der Intralogistik, später vielleicht auch als Teil autonomer Straßenfahrzeuge.

Hören, fühlen und sehen

Was genau macht „MAiRA“, das derzeit innovativste Produkt des Unternehmens, so einzigartig? Eine wichtige Besonderheit ist, dass es nicht auf einer bestehenden technischen Plattform mitsamt ihren Begrenzungen aufgebaut wurde. Stattdessen hat man den Cobot von Grund auf neu entwickelt. Dies verschaffte den Konstrukteuren viel Freiraum und neue Möglichkeiten. Das Ergebnis: ein mit einer 3-D-Kamera versehener kognitiver Cobot, der hören, fühlen und sehen kann und deshalb äußerst vielseitig einsetzbar ist. Momentan entwickelt das Unternehmen zusammen mit Partnern unter anderem eine komplette Schweißanlage, in die „MAiRA“ mit integriert wird.

Viele Entwicklungspartnerschaften

Bei den zahlreichen und vielseitigen Entwicklungspartnerschaften der Neura Robotics GmbH geht es einerseits um Einsatzfelder für marktreife Produkte, beispielsweise um den Coboteinsatz beim automatisierten Brustkrebs-Screening. Andererseits werden auch Partnerschaften auf dem Gebiet der Grundlagenforschung gepflegt. Dabei kooperiert der Mittelständler unter anderem mit Fraunhofer-Instituten, der ETH Zürich und mit dem Deutschen Institut für Luft- und Raumfahrt. Schließlich sind in der Raumfahrttechnik schon lange ausgefeilte Robotersysteme gefragt. „Bei einem dieser Projekte geht es um die Entwicklung eines 5-Finger-Greifers und um seinen kommerziellen Einsatz“, berichtet David Reger. Wenn dies klappt, dann geben sich in Zukunft vielleicht sogar zwei „MAiRAs“ die Hand.

Angesichts der Innovationserfolge der Neura Robotics meint David Reger, dass Haushaltsroboter zukünftig das neue Smartphone sein werden.

Roboterhersteller gibt es viele. Was machen denn Sie anders als andere?

Bisher waren Roboter blind und taub und konnten auch nicht fühlen. Sie hatten keinerlei Intelligenz und waren nicht autonom. Wir haben nun einen Roboter entwickelt, der alles hat, was einen guten Assistenten des Menschen ausmacht. Einen neuronalen Roboter, der autonom entscheiden und auch dazulernen kann. Und wir sind die Ersten, die einen Sensor entwickelt haben, mit dem ein Roboter Menschen zuverlässig in drei Metern Entfernung erkennen kann. Dadurch ist unser Roboter viel schneller als andere, die aufgrund von Sicherheitsregulierungen oft nur gebremst agieren können.

Wo genau sollen Ihre Roboter in Zukunft eingesetzt werden?

Die ersten Einsatzgebiete sind in der Industrie, etwa beim Schweißen. Ganz neu haben wir nun eine kleinere und leichtere Roboterversion entwickelt, die als Haushaltshilfe eingesetzt werden kann. Das ist der allererste Haushaltsroboter der Welt, der auf neue Situationen reagieren kann – er kann beispielsweise im Haushalt aufräumen, die Blumen gießen oder das Katzenklo säubern. Er kann praktische Tätigkeiten aller Art verrichten, selbstständig Entscheidungen treffen und auch dazulernen. Wenn die Roboter in der Cloud vernetzt werden, lernen nicht nur einzelne Roboter aus ihrer eigenen Erfahrung, sondern alle lernen mit. Das Marktpotenzial für diese Technologie dürfte mindestens so groß sein wie der Markt für Smartphones, vermutlich sogar deutlich größer. Denn wir bauen Roboter, die alle erdenklichen Felder abdecken: Sie können persönlicher Butler sein, in Hotels und Restaurants eingesetzt werden oder am Arbeitsplatz unterstützen.

Wie wollen Sie bei der Vermarktung vorgehen?

Im Grunde genommen verstehen wir uns als eine Art Plattformanbieter. Ähnlich wie Apple das Smartphone liefert, liefern wir die kognitiven Roboter – und unsere Partner bauen die Apps dazu, mit denen die Roboter in den jeweiligen Spezialgebieten zum Einsatz gebracht werden. Die Technologie allein wird uns nichts bringen, wenn wir nicht das richtige Ökosystem, die richtigen Partner haben, um sie auf den Markt zu bringen. Um uns dabei nicht zu verzetteln, arbeiten wir in der Regel mit den Marktführern der jeweiligen Branche zusammen.

Anna Riedl-Strasser

Projektberatung

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