Unternehmens­portrait
Interview Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach

MLL Münchner Leukämielabor GmbH

Gesundheitswesen

Medizintechnik Pharma/Labortechnik

Größenklasse B

4 Teilnahmen

Unsere Arbeit hat eine direkte therapeutische Konsequenz.“

Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach, Geschäftsführer

Mit KI und Big Data gegen den Krebs

In der medizinischen Diagnostik gilt Zeit als kritischer Faktor, vor allem bei Krebserkrankungen. Die MLL Münchner Leukämielabor GmbH verbessert die Versorgung von Patienten mit Leukämie und Lymphomen mithilfe eines interdisziplinären Ansatzes: Dank Automatisierung, Cloud-Computing, künstlicher Intelligenz und molekularer Analyse verarbeitet sie die von Ärzten und Kliniken eingeschickten Blutproben in Rekordgeschwindigkeit. Parallel dazu forschen die Wissenschaftler permanent zu innovativen Untersuchungsverfahren.

Die Hämatologen erstellen integrierte Laborberichte auf der Basis der sechs Disziplinen Zytomorphologie, Immunphänotypisierung, Chromosomenanalyse, Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung, Molekulargenetik und Bioinformatik. Dr. Torsten Haferlach, einer der drei Geschäftsführer, erläutert: „Um Leukämien und Lymphome besser zu klassifizieren, schlüsseln wir Morphologie und Genetik spezifisch auf. Das erleichtert gezielte Therapien. Wir definieren bösartige Befunde sehr schnell und immer detaillierter. Damit sind wir der Diagnostik für solide Tumore um fünf bis zehn Jahre voraus.“ 104.000 Blutproben haben das Labor im Jahr 2021 durchlaufen. „16 % mehr als 2020 – das war das stärkste Wachstum seit unserer 2005 erfolgten Gründung“, sagt Haferlach.

Manuelle Prozesse minimiert

Bei MLL eingetroffene Blutproben geraten in eine digitalisierte und automatisierte Welt: Drei Millionen Gigabyte Genomdaten lagern in der Cloud, ein gigantischer Wissensschatz. Komplexe molekulargenetische Berechnungen, die ebenfalls in der Cloud vorgenommen werden, verkürzen die Befundzeiten, weil sie in unbegrenzter Größenordnung zeitgleich stattfinden. Im Labor selbst sind Maschinen dort am Werk, wo früher Menschen hantierten – auch, um manuelle Fehler auszuschließen. Mit Kameras versehene Roboter pipettieren, zentrifugieren und messen Blut und Knochenmark, sie generieren individuelle Barcodes und lesen sie in Datenbanken ein. Aus selbst entwickelten KI-Algorithmen leitet das Labor seine Modelle für Machine-Learning ab.

In die Zukunft gerichtete Forschung

Keine für dieses automatisierte Laborsystem nötige Komponente gibt es von der Stange. Alle Maschinen entstehen unter wesentlicher Mitwirkung des MLL-Teams, seine Software programmiert es eigenständig. „Dies prägt auch das Innovationsklima“, erklärt Torsten Haferlach. „Jeder hier hinterfragt Workflows, denkt über neue Lösungen nach und macht dazu Vorschläge.“ Und im wissenschaftlichen Bereich arbeiten mehr als 10 % des Personals abseits der täglichen Wertschöpfung ausschließlich an Zukunftsthemen. „Unser Erfolg zeigt, dass sich das bezahlt macht“, resümiert Haferlach.

Über die internationale Reputation von MLL und ein neues Geschäftsfeld spricht Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach.

MLL baut seine wissenschaftlichen Aktivitäten stark aus. In welcher Weise?

Wir sind Marktführer in Deutschland, und international gelten unsere Verfahren als Blaupause für eine fortschrittliche Leukämiediagnostik. Unsere Innovationen im automatisierten Labor, bei KI-gestützten Auswertungsprozessen und in der Befunderstellung rufen Aufmerksamkeit und starken Widerhall bei Forschern hervor – unter anderem, weil wir viel publizieren und bei Kongressen und Tagungen mehr Präsenz denn je zeigen. Während der Coronapandemie haben wir diesbezüglich noch mehr Fahrt aufgenommen, indem wir den weltweiten Wissenstransfer mit digitalen Mitteln höchst effektiv gestalten. So lasse ich persönlich zum Beispiel meine Fachvorträge inzwischen oftmals als Videozuspieler produzieren. Die Filme werden an Ort und Stelle gezeigt, und ich selbst kann mich anschließend bei Live-Videokonferenzen an Diskussionen beteiligen, anstatt viel Zeit auf Reisen zu verbringen.

Welche wichtigen Impulse gehen im Zuge dessen von Ihnen aus?

Unser Datenpool einschließlich des in der Cloud vorgehaltenen großen Genomdatenbestands wächst stetig, unser Wissen wird somit immer wertvoller. Diese Daten auszuwerten bringt nicht nur die Diagnostik voran, wir liefern damit auch wichtige Erkenntnisse für Krebstherapien und unterstützen auf diese Weise massiv die moderne Präzisionsmedizin. Im Zuge dessen kooperieren wir mit der pharmazeutischen Industrie und mit führenden universitären Forschungsinstituten. In Sachen künstlicher Intelligenz arbeiten wir eng mit Amazon Web Services, MetaSystems, dem Johner Institut für IT im Gesundheitswesen und dem Helmholtz Zentrum zusammen.

Sie kündigen für dieses Jahr eine Ausweitung Ihres Geschäftsmodells an. Worum geht es dabei?

Das Stichwort lautet „Liquid Biopsy“. Bisher betrachten wir Blutzellen ausschließlich im Zusammenhang mit Leukämien und Lymphomen. Zukünftig werden wir Blutproben aber auch hinsichtlich der DNA solider Tumoren unter die Lupe nehmen, wie sie zum Beispiel bei Brust-, Darm- oder Prostatakrebs auftreten. Entsprechendes Erbgut lässt sich mit unseren Mitteln auf genetische Veränderungen untersuchen, ohne dass bei den Patienten Gewebeproben chirurgisch entnommen werden müssen.

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Anna Riedl-Strasser

Projektberatung

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