Unternehmens­portrait
Interview Luca und Frank Elsässer

Elsässer Filtertechnik GmbH

Handel

Agrar

Größenklasse B

1 Teilnahme

Wir wollen Innovationsideen in die richtige Richtung lenken.“

Luca und Frank Elsässer, Geschäftsführer

Gute Ideen filtern

Wenn sich jemand mit Filtern auskennt, dann sind es die Experten der Elsässer Filtertechnik GmbH: Sie kennen sich zum Beispiel aus mit Luft-, Kraftstoff-, Öl- und Hydraulikfiltern für Kunden aus dem Agrar- und Baumaschinensektor. Das im baden-württembergischen Nufringen ansässige Familienunternehmen wurde 1979 als kleines Ingenieurbüro gegründet. Dank wertvoller Kontakte nach außen und zahlreicher Innovationserfolge hat man sich inzwischen zum führenden Filterhändler Europas entwickelt.

Die 66 Mitarbeiter starke Firma hat eine kleine Entwicklungsabteilung, die ihren Ursprung in gemeinsamen Forschungsprojekten mit der Universität Stuttgart hat. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit: Die Filter können energieeffizienter und umweltschonender gebaut werden. Die Experten der Universität und die Filterspezialisten von Elsässer befinden sich in ständigem Austausch. „Die Hochschule profitiert von unserem Produktions-Know-how, und wir erhalten im Gegenzug wissenschaftlichen Support“, bringt es Geschäftsführer Frank Elsässer auf den Punkt, der das Unternehmen gemeinsam mit Sohn Luca leitet.

Auch mal gegen den Trend handeln

Aus der Kooperation mit der Universität konnte man nicht nur wertvolle Erkenntnisse gewinnen, es sind auch Patente entstanden. „Letztlich werden aus neuen Ideen Produkte, die wir an den Markt bringen“, sagt Frank Elsässer. So berichtet er, dass seine Firma einen besonderen Luftfilter entwickelt hat. In diesen ist eine patentierte Kunststoffdichtung integriert, weshalb der Filter nicht nachgebaut werden darf. Er wird in Stampfern beim Straßenbau eingesetzt. Wer der Konkurrenz voraus sein will, muss außerdem auch mal gegen den Trend handeln: Während viele Unternehmen nach dem Ausbruch der Coronapandemie ihre Lagerbestände herunterfuhren, stockte Elsässer seine Lager auf. Das macht sich nun bezahlt: Dank prall gefüllter Lager kann man jederzeit liefern und Neukunden gewinnen.

Simpler Einfall mit großem Erfolg

Bei der Logistik hatte man eine einfache, aber wirkungsvolle Idee: Früher waren bestimmte Produkte massenhaft auf jeweils nur eins der drei Warenhäuser am Standort Nufringen verteilt. Anstatt die Waren je nach Bestellung hin- und herzufahren, werden sie jetzt nach den drei Geschäftsfeldern Erstausrüster (OE), Original-Ersatzteile (OES) und Aftermarket (IAM) aufgeteilt gelagert. „Dadurch sparen wir in der Gesamtlogistik satte 25 % der Kosten ein“, sagt Geschäftsführer Luca Elsässer. Hier kann einem ein Zitat von Goethe in den Sinn kommen: „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“

Wie der Innovationsprozess bei der Elsässer Filtertechnik organisiert ist und wo die Herausforderungen der Zukunft liegen, berichten Luca und Frank Elsässer.

Können Sie uns ein typisches Beispiel dafür nennen, wie Sie in Ihrem Unternehmen Innovationen fördern?

Wir haben zwei Innovationsräume und verschiedene Branchenteams geschaffen. Die Teams kümmern sich jeweils um die Bereiche Landmaschinen, Baumaschinen, Drucklufttechnik und Hydraulik. So können wir effektiver auf die einzelnen Branchen zugreifen. Wir verstehen einerseits intern besser, welchen Bedarf es in den einzelnen Sparten gibt. Andererseits können wir so besser auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden eingehen.

Wie stellen Sie sicher, dass auf diese Weise tatsächlich Innovationen entstehen?

Wir haben bei uns die Richtlinie, dass in jedem Meeting mindestens eine Innovationsidee gefunden werden sollte. Die Idee kann die Administration betreffen, die Abwicklung, die Produktentwicklung oder auch die Gewinnung neuer Kunden.

In welchen Trends sehen Sie für Ihr Geschäftsmodell die größten Herausforderungen der Zukunft?

Ein Thema, mit dem wir uns intensiver beschäftigen müssen, ist der allmähliche Rückgang von Verbrennungsmotoren, etwa bei Landmaschinen. Der Trend geht hin zum Elektroantrieb, ähnlich wie auch in der Automobilindustrie. Die klassischen Filtrationen wie Luft-, Öl- und Kraftstofffilter fallen dann weg. Deshalb konzentrieren wir uns auch auf andere Bereiche der Filtration, etwa beim 3-D-Druck, bei der Hydraulik oder in der Medizin- und Pharmaindustrie. Wir müssen uns frühzeitig umorientieren, da Verbrennungsmotoren in den nächsten 20 bis 30 Jahren verschwinden werden. Kurzum: Wir wollen uns breiter aufstellen.

Wie kann man sich den Innovationsprozess bei Ihnen vorstellen? Gibt die Geschäftsleitung sozusagen die Marschroute vor, der die Mitarbeiter dann folgen?

Innovation soll bei uns nicht von „oben nach unten“ erfolgen. Deshalb ist es uns wichtig, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Mitarbeiter kreative und neue Ideen entwickeln und einbringen können. Dafür müssen wir ständig in engem Kontakt zu ihnen stehen. Wir möchten wissen, was sie bewegt. Sie sind täglich in Kontakt mit Kunden, Lieferanten und Partnern und wissen genau, was draußen am Markt passiert und wo es Bedarf für neue Dinge gibt. Die Aufgabe der Geschäftsführung ist es am Ende, die Ideen für Innovationen in die richtige Richtung zu lenken.

Anna Riedl-Strasser

Projektberatung

E  riedl-strasser@compamedia.de
T  07551 94986-44