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thyssenkrupp Carbon Components GmbH

Autozulieferer/Fahrzeugbau
Weitere Branchen: Zweiradbau
Alle Produktionsverfahren, die wir nutzen, haben wir selbst entwickelt.
Dr. Jens Werner, Geschäftsführer

Wie thyssenkrupp Carbon Components mittels eines innovativen Produktionsverfahrens Carbonräder automatisiert herstellt, erklärt Dr. Jens Werner.


Carbonräder galten bislang als zu teuer. Wie schaffen Sie es, diese Räder nun zu marktgängigen Preisen herstellen zu können? 

In der Luft- und Raumfahrttechnik wird Carbon schon seit Jahrzehnten eingesetzt. Allerdings ist die Fertigung meist deshalb sehr teuer, weil die Komponenten nicht automatisiert hergestellt werden. Unser Prozess hingegen ist voll automatisiert, wir nutzen dafür eine Radialflechtmaschine. Mit dieser großen Maschine, die weltweit einmalig ist, haben wir die Möglichkeit, die Fasern direkt abzulegen, ohne vorher Zwischenprodukte zu erzeugen. Das heißt, bei uns wird die Faser in der Herstellungsform auf einer Spule direkt in das Bauteil verwandelt. Die Kontur des Bauteils wird also direkt erzeugt, wir haben keine Zwischenschritte. Zudem können wir wesentlich größere Mengen des Materials in kürzerer Zeit ablegen, als das mit bisherigen Verfahren möglich ist.

Wer hat dieses Produktionsverfahren erfunden?

Dieses Verfahren, das sogenannte Flechten, wurde ursprünglich an der TU Dresden entwickelt – und zwar von mir selbst, in meiner Promotionszeit an der Universität. Ich habe dieses Verfahren mitgebracht, und wir haben es in der Firma dann erstmals industriell angewendet.

Warum nutzen andere Hersteller nicht die gleiche Technologie?

Das Flechten, vor allem die Verwendung von Rädern dafür, haben wir patentrechtlich schützen lassen. Das gilt auch für die weiteren Produktionsschritte. Insgesamt haben wir circa 30 Patentfamilien angemeldet.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der Universität heute?

Wir haben einen Kooperationsvertrag mit dem Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik und können die Erkenntnisse und die Maschinentechnik der Universität vollständig in unseren Arbeitsalltag einbinden. Praktisch lassen wir alle Materialuntersuchungen, zerstörungsfreie Prüfungen und Rädertests an der Uni durchführen, beispielsweise Computertomografie, Fallturmversuche, spezielle Korrosionsprüftests und Untersuchungen mit dem Rasterelektronenmikroskop. Dadurch sind wir extrem schnell in der Entwicklung und können stets auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zurückgreifen.