Unternehmensporträt
WSCAD GmbH
Unternehmensporträt
Nicht schlauer, aber schneller
Computer-Aided-Design (kurz CAD) ist das rechnergestützte Entwickeln von Produkten wie zum Beispiel Maschinen, Autos, Häusern etc. Beim sogenannten E-CAD, also Elektro-CAD, geht es um die Frage: Wie fließt der Strom durch das Produkt, welche Komponenten werden wie verbunden? Die WSCAD GmbH entwickelt Elektro-CAD-Lösungen für Konstrukteure, Elektroplaner und Instandhalter, überwiegend im Bereich Maschinenbau und Gebäudeautomation, für Kunden in über 100 Ländern. Als erstem Unternehmen überhaupt ist es den Experten 2024 gelungen, KI in ihre Software zu integrieren.
Der Schaltplan der Maschine ist fertig geplant — sämtliche Komponenten, wie sie miteinander verbunden sind, wie sie interagieren. Nun braucht man eine Stückliste: für den Einkauf, damit die Teile bestellt werden, und für die Produktion, damit die Kollegen wissen was man wie montieren muss. „In den meisten Systemen muss man sich durch Menüs und Untermenüs klicken — und hoffentlich haben Sie nicht daneben geklickt”, erklärt Geschäftsführer Dr. Axel Zein. „Bei uns ist das anders. Ähnlich wie bei ChatGPT gibt man einen konkreten Auftrag ins System ein, etwa: ‚Generiere die Stückliste’ — und zack, ist die Aufgabe erledig. Das ist so einfach, dass es Gelegenheitsanwender leicht haben und man sogar den Lehrling mit dieser Aufgabe betrauen kann.”
Dr. Axel Zein, CEO
Enormer Produktivitätsschub
Die Entwickler des Mittelständlers waren schnell: Im August 2023 schlägt ChatGPT große Wellen, prompt starten sie ein Pilotprojekt zur KI-Einbindung in ihre Software. Nach zwei Monaten ist klar: Der Nutzen ist sensationell. Was sonst Stunden dauert, ist in Sekunden erledigt. „Ein Team von Entwicklern hat sich, inspiriert durch Open AI, an die Arbeit gemacht — und dies hat ein weiteres Team motiviert andere KI-Ansätze zu probieren“, erzählt Zein. „Das hat dazu geführt, dass wir heute zwei komplementäre KI-Lösungen haben, die unterschiedlich vorgehen und den Nutzen für den Kunden maximieren.“ Immer wieder wurden dabei Ansätze verworfen und verbessert. Fehler seien laut Zein erlaubt. Heute ist die WSCAD GmbH globaler Technologieführer bei KI-gestützter E-CAD-Software.
Sprühende Kreativität
Impulse bekommen die Spezialisten oft aus dynamischen Branchen und nur selten aus konservativen Umgebungen. „Beim Wort ‚Innovationsmanagement‘ muss ich lachen“, sagt der Geschäftsführer Dr. Zein. „Der ‚Patentweltmeister‘ Thomas Edison hatte zig patentierte Ideen aber kein Innovationsmanagement. Man kann nicht managen, ob jemand eine gute Idee hat.“ Ideen seien stattdessen eine Frage der Unternehmenskultur. Sind die Ideen da, ist der erste Schritt ein „Proof of Concept“, bei dem betroffene Abteilungen mitdiskutieren und ihre jeweiligen Perspektiven einbringen. Schritt zwei ist ein „Minimum Viable Product“ (kurz MVP) und der dritte Schritt die Iteration hin zu einem marktreifen Produkt. „Wir sind mit unseren Prozessen sehr schnell unterwegs und binden Kunden früh ein. Ihr Feedback hilft uns, ein wirklich erfolgreiches Produkt zu entwickeln.“
Interview mit Dr. Axel Zein
Warum branchenfremde Impulse und Brüche ein Booster für die Kreativität sein können, erklärt CEO Dr. Axel Zein.
Die Softwarebranche ist eine schnelle Branche — die Entwicklungen in der KI sind aber rasant. Wie entwickeln Sie Innovationsideen?
Wenn es um KI geht, ist die USA momentan der KI-Innovationspool. Wir schauen daher auf die Technologien, die dort entwickelt werden und kombinieren diese mit eigenen Ansätzen für maximale Wertschöpfung. Die Schwierigkeit bei dem hohen Tempo der KI-Entwicklung ist: Man muss sich dauernd hinterfragen, ob man den besten Ansatz gewählt hat und muss dann gegebenenfalls Dinge schnell anpassen. Was vor einem Jahr noch unmöglich schien, ist heute schon fast veraltet. Wenn wir uns andere Produktinnovationen anschauen, sind viele unserer neuen Ideen branchenfremd, also nicht aus der Branche, in der die meisten unserer Kunden sind: dem Maschinenbau. Nehmen wir zum Beispiel eine Verpackungsmaschine: Solange sie läuft, verdienen Sie Geld damit. Ihr Interesse als Betreiber ist also, dass die Maschine 24/7 läuft. Wenn im Fehlerfall der Wartungstechniker kommt, muss er möglichst schnell das defekte Teil finden, dazu die technischen Informationen ermitteln und ein Ersatzteil oder einen Nachfolger suchen? Wir haben eine App entwickelt, die dem Servicetechniker per QR-Code alle technische Informationen der verbauten Komponenten zur Verfügung stellt, sowie Daten zur Lieferbarkeit inklusive einer 3-D-Darstellung für den Aus- und Einbau. Aus der App kann der Techniker dem Einkäufer direkt schreiben, welches Teil für ihn bestellt werden soll. Falls er Komponenten vor Ort ersetzt hat, kann er dem Konstrukteur Bescheid geben, damit die Dokumentation angepasst wird. Die Idee dazu kam uns durch eine App, die Flugzeugdaten anzeigt, wenn man am Himmel einen Flieger sieht und seine Handykamera darauf richtet. Wir dachten uns: Das geht auch im Schaltschrank. Und es spart viel Zeit, denn Servicetechniker müssen nicht mehr nach dem Schaltplan oder den richtigen Datenblätter der Komponenten suchen — sie haben über das Smartphone alles sofort im Zugriff.
Welche digitalen Technologien nutzen Sie bei der Entwicklung von Innovationen?
Unser Backbone-System in der Entwicklung ist „Microsoft Team Foundation Server“. Damit verwalten wir unsere Aufgabenplanungen, Use Cases, die Zuweisung der Entwicklerressourcen, Auswertungen etc. Ergänzend dazu nutzen wir „GitHub“, einen Onlinedienst zur gemeinschaftlichen Softwareentwicklung und Versionsverwaltung für Softwareprojekte. Ähnlich wie bei ChatGPT können wir auch diesem Tool konkreten Aufgaben erteilen oder zum Beispiel fehlenden Code ergänzen lassen. Dadurch sparen wir eine Menge Zeit.
„Wir sind nicht schlauer als die Konkurrenz, nur schneller.“
Dr. Axel Zein, Geschäftsführer
Entstehen Ihre Innovationen schrittweise oder auf einen Schlag?
Kontinuierliche Verbesserung — Dinge schrittweise anzupacken — ist für mich „business as usual“. Eine Softwarefirma die sich nicht dauernd verbessert, überlebt nicht lange. Natürlich bergen große Innovationen auch große Risiken. Wir haben zum Beispiel 2021 unsere Software „Electrix“ mit einem komplett neuen Editor herausgebracht. Anfangs hatten wir mit Problemen zu kämpfen und das Projekt hat länger gedauert als erwartet. Aber wir mussten es einfach tun, um für unsere Kunden eine bessere Kompatibilität verbreiteten Formaten sicherzustellen.