Innovationsaward TOP 100-Sieger 2026

Unternehmensporträt

SD GmbH Klaus Hirsch

Unternehmensporträt

Weshalb im eigenen Maschinenbau weniger mehr ist

Wer besonders lange Wörter sammelt, sollte einmal ins bayrische Türkheim fahren. Bei der SD GmbH Klaus Hirsch wird er ein wunderbares Exemplar finden: die Parksperrenbetätigungsleitung. Die Anforderung an Stabilität und Genauigkeit ist herausfordernd. Sie zeigt exemplarisch die Superkraft des Serienlieferanten: Er kann komplexe technische Aufgaben schnell lösen — dank eigener Prozessentwicklungsabteilung besonders kosteneffizient.

Etwa 1,2 Millionen Parksperrenbetätigungsleitungen liefert die SD GmbH Klaus Hirsch jährlich aus. Sie sind in vielen Fahrzeugmodellen verbaut. Der Kunde stellte die Anforderung, dass das Aluminiumbauteil mit Haltern verlötet werden sollte. Geschäftsführerin Alexandra Rosenberg erläutert: „Schnell zeigte sich, dass das verwendete Aluminium unter den gegebenen geometrischen und thermischen Randbedingungen kaum prozesssicher lötbar war.“ Das interne Ingenieurteam entwickelte ein induktionsbasiertes Lötverfahren und schuf die gesamte Produktionsumgebung, um das Teil in Großserien zu liefern.

Alexandra Rosenberg, Geschäftsführerin

Prozessentwicklung im Haus

„Wir wagen etwas“, sagt Alexandra Rosenberg. Dafür ist das Unternehmen bei seinen Partnern bekannt. Regelmäßig erhält es Forschungszulagen vom Bundesfinanzministerium, kooperiert mit Forschungseinrichtungen und tauscht sich mit Prüfinstituten aus. Um den Markt mit Innovationen anzuführen, „gönnt“ sich das Unternehmen mit circa 170 Mitarbeitern eine 6-köpfige Prozessentwicklungsabteilung. Damit neben technischem und Verfahrens-Know-how auch die Steuerungs-und Regelungsseite abgedeckt ist, stellte Alexandra Rosenberg vor drei Jahren einen eigenen Spezialisten ein.

Dreh- und Angelpunkt Kosteneffizienz

Die Unternehmerin weiß, dass ihr als Serienlieferantin nicht ein Cent geschenkt wird. Alle Forschungsinitiativen zielen daher darauf ab, in aggressiven Märkten den Maschinenstundensatz des Wettbewerbs zu unterbieten. Häufig gelingt das besser mit selbst konstruierten als mit Standard-Maschinen. Alexandra Rosenberg vergleicht letztere gern mit der Microsoftanwendung „Excel“: Das Programm ist für hochkomplexe Finanz- und Simulationsmodelle geeignet, aber in der Regel benötigen Nutzer nur einen Bruchteil der Möglichkeiten. Die Roboter, Laserschneider oder -schweißer der SD GmbH Klaus Hirsch beherrschen eben diesen Bruchteil perfekt und zu minimalen Kosten.

SD GmbH Klaus Hirsch

2026

Autozulieferer/Fahrzeugbau

Anlagen-/Maschinenbau

Größenklasse B

1 Auszeichnung

Kontakt

Unterfeldstraße 7
86842 Türkheim

08245 96750-0
info@sdhirsch.de
https://sdhirsch.de

Interview mit Alexandra Rosenberg

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Interview mit Alexandra Rosenberg

Weniger Automobilindustrie, mehr Diversifikation: Alexandra Rosenberg sieht die SD GmbH auf einem guten Weg.

Frau Rosenberg, Klaus Hirsch aus dem Unternehmensnamen ist Ihr Vater. Was macht die Kontinuität über die Generationen aus?

Schon unter meinem Vater gab es eine Entwicklungsabteilung, allerdings eine kleinere. Er sagte immer: „Wenn der Kunde das braucht, müssen wir uns etwas einfallen lassen.“ Diese Haltung prägt das Unternehmen. Gerade erst ist ein Mitarbeiter der ersten Jahre in Rente gegangen. Ein unheimlich kreativer Kopf aus unserer Werkstatt. Er überlegte sich immer, wie sich Kundenwünsche am besten realisieren ließen. Das ist unsere DNA.

Apropos DNA und Gene. Wurde Ihnen die Leitung der Firma in die Wiege gelegt?

Nein, absolut nicht. Anfangs habe ich Mathe und Sport auf Lehramt studiert. Dann wurde ich Wirtschaftsingenieurin. Als mein Vater für ein Kundenprojekt eine kleine Niederlassung in den USA gründen musste, bin ich zu ihm gewechselt, um mich darum zu kümmern. Im Jahr 2007 trat ich in die Geschäftsführung ein. Er hat mir erstaunlich freie Hand gelassen. Im Nachhinein bewundere ich, mit welcher Gelassenheit er mich meine Entscheidungen treffen ließ. Seit 2012 leite ich das Unternehmen gemeinsam mit zwei hervorragenden Prokuristen.

„Unsere DNA: Entwickeln, bis der Kunde zufrieden ist.“

Alexandra Rosenberg, Geschäftsführerin

Damals haben Sie sich fast ausschließlich auf die Automobilindustrie konzentriert. Wie sieht es heute aus?

Ja, unsere Rohre und Rohrbaugruppen wurden und werden an vielen Stellen im Fahrzeug eingesetzt — vom Antriebsstrang und Getriebe bis zum Schiebedach des Cabrios. Außerdem sind wir Marktführer als Lieferant von Brennstoffrohren für Standheizungen — eine fossile Technologie, die aus meiner Sicht wenig Zukunft hat. Insgesamt wäre es naiv und verantwortungslos, sich zu sehr auf die Automobilindustrie zu verlassen. Wir müssen handeln, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Von 93 Prozent vor drei Jahren konnten wir den Marktanteil mittlerweile auf 85 Prozent senken. Wir planen, im Jahr 2030 nur noch etwa die Hälfte unseres Umsatzes mit Herstellern und Zuliefern zu machen. Wir glauben an die Wärmepumpe, wenn da auch gerade die Stückzahlen nicht berauschend sind. Gute Chancen sehen wir außerdem in der Rüstungsindustrie. Der Markt wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren wachsen.

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