Unternehmensporträt
Reihsner PartG mbB
Unternehmensporträt
Es geht auch anders
Vor 55 Jahren gründete Leo Max in Wittlich in Rheinland-Pfalz ein Ingenieurbüro. Man plante kommunale Erschließungsmaßnahmen, übernahm auch die Bauleitung, befasste sich mit Bauleitplanung und statischen Berechnungen. Fünfzehn Jahre später trat ein Partner ins Büro ein: Udo Reihsner. Und weitere 30 Jahre später übernahm sein Sohn Sebastian Reihsner gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Christoph Weber. Mit ihnen ist das Büro stark gewachsen — und vieles, was bisher von Hand erhoben, berechnet oder gezeichnet wurde, funktioniert nun digital.
Als im Juli 2021 eine verhängnisvolle Flut durchs Ahrtal spülte, begannen Sebastian Reihsner und sein Team umgehend mit der Schadensdokumentation. „Unter diesen katastrophalen Umständen haben die üblichen Standards nicht funktioniert, darum haben wir ab Tag eins auf digitale Lösungen umgestellt“, erinnert er sich. „Wir sind die Flüsse entlanggelaufen, haben Hunderte Kilometer Schäden erfasst und alles als digitales Kataster aufbereitet.“ Statt Pläne auf Papier übergaben die Ingenieure Schadensberichte mit GPS-Daten in einem GIS-System — zu der Zeit eine Innovation, heute selbstverständlich.
links: Sebastian Reihsner (Geschäftsführer / Gesellschafter); rechts: Christoph Weber (Geschäftsführer / Gesellschafter)
Vorsprung durch Digitalisierung
Aktuell arbeiten die Experten an GIS-Lösungen: „Geoinfomationssysteme sind Datenbanken, in der alle Daten, die eine Kommune benötigt, von Baumpflege bis Katastrophenschutz, in Echtzeit verfügbar sind“, erklärt Reihsner. „Für uns der nächste logische Schritt, denn die Software und die technischen Voraussetzungen dafür sind da.“ Leider ist die Öffentliche Hand etwas träge. Das bremst die Ingenieure. Obwohl sich die mehr als 40 Mitarbeiter — bei der Übernahme waren es noch 17 — ungern bremsen lassen. „Die meisten Kollegen sind jung, technikaffin, die wollen den Wandel vorantreiben“, sagt Reihsner. „Die feilen nach Feierabend noch an Lösungen, um Kunden einen Mehrwert zu bieten.“ Diese Vorreiterrolle spricht sich herum: Inzwischen bekommt das Ingenieurbüro auch Anfragen aus anderen Bundesländern. Der Anteil von Innovationen an Umsatz und Gewinn lag zuletzt bei
Freiräume fördern Ideen
Alle Mitarbeiter können jederzeit Ideen einbringen. „Wir probieren sie in speziellen Teams, sogenannten Pionieren, aus. Außerdem räumt unsere Betriebsordnung den Beschäftigten freie Zeiten ein, in denen sie eigene Verbesserungsvorschläge entwickeln können“, sagt Sebastian Reihsner. „Mit dieser Einbindung fahren wir gut, so waren wir bspw. mit Abstand das erste Büro, das eine eigene Vermessungsdrohne hatte.“ Mit der arbeiten die Spezialisten inzwischen so erfolgreich, dass ganz neue Kooperationen entstehen — zuletzt mit der Land- und Fortwirtschaft.
Interview mit Sebastian Reihsner
Warum Kommunikation, Bildung und Bindung echte Innovationstreiber sind, erläutert Sebastian Reihsner.
Wie entscheiden Sie, welche Innovationsideen Sie verfolgen und welche nicht?
Im Infrastrukturbereich haben wir viel mit dem Klimawandel zu tun. Ein Thema, das mich neben Starkregen und Hochwasser umtreibt, sind die Dürreperioden im Sommer, das Thema Trinkwasser. Wir sehen da einen Bedarf auf die Kommunen zukommen und überlegen: Welchen Mehrwert könnten wir bieten? Gibt es eine Marktsituation, aus der etwas Neues entstehen kann? Im direkten Austausch höre ich dann schnell heraus, ob wir eine Idee weiterentwickeln oder verwerfen sollten. In den vergangenen ein, zwei Jahren habe ich auch entdeckt, wie viel Spaß mir persönlich dieser Austausch mit Kunden macht. Rauszuhören, wo der Schuh drückt — und darauf zu reagieren. Viele Wettbewerber, das muss man sagen, machen das, was sie machen müssen, was von außen zu ihnen kommt. Wir versuchen vorauszudenken.
Welche Rolle spielt Weiterbildung in Ihrem Unternehmen?
Eine sehr große Rolle. Es vergeht kein Monat, in dem ich nicht mindestens ein Seminar besuche. Auch meine Mitarbeiter animiere ich und finanziere ihnen auch Lehrgänge und Qualifikationen. Weiterbildung ist so wichtig, der Nutzen immens, denn die technologische Entwicklung ist rasant. Berufsbilder verändern sich — Bauzeichner werden auch künftig gebraucht, aber sie werden durch KI anders arbeiten. Als Ingenieure müssen wir mehr über IT wissen, etwa beim Thema GIS. Leider fehlt vielen oft die nötige Zeit, denn wir sind mit Aufträgen absolut ausgelastet und jeder Weiterbildungstag fehlt eben bei der Arbeit am Projekt.
„Das Einzige, was uns bremst, ist die Trägheit der Behörden.“
Sebastian Reihsner, Geschäftsführer
Worin sehen Sie — neben Ihrem Tempo bei der Digitalisierung — Ihre Innovationskraft?
Darin, dass die jungen Mitarbeiter sich total mit ihrem Job und dem Büro identifizieren. Und mit der Region, der ländlichen Struktur. Viele spannende Projekte, die wir für Kommunen umsetzen, nutzen sie ja auch selbst, weil sie in der Gegend leben. Die Infrastruktur, an der sie mitarbeiten, nutzen sie selbst, sei es eine Straße, eine Brücke, ein schönes Ufer an einem Gewässer oder die Platzgestaltung im Ort. Ich glaube, diese Verbundenheit — zum Unternehmen, zur Gegend, zum Beruf — ist eine ganz, ganz starke Innovationskraft.