08. Juni 2020

Schon vor Corona: Top-Unternehmen überdurchschnittlich stark digitalisiert

Sonderauswertung der TOP 100-Studie / Firmen besonders gut bei Cloud-Anwendungen, Big-Data-Analyse und künstlicher Intelligenz

Überlingen – Die Coronaviruskrise hat noch einmal unmissverständlich klargemacht: An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei. Die Unternehmen, die am 19. Juni wegen ihres vorbildlichen Innovationsmanagements und ihrer Innovationserfolge als neue TOP 100-Unternehmen bekannt gegeben werden, waren bereits vor der Corona-Krise stark digitalisiert, wie eine Sonderauswertung der TOP 100-Studie zeigt. Und die fortgeschrittene Digitalisierung ist wiederum eng mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Top-Innovatoren verbunden.

Das Firmengebäude ist nahezu verwaist, allein streift der Chef oder die Chefin durch die leeren Flure, viele Mitarbeiter sind im Homeoffice: Dieses Szenario aus den vergangenen Wochen dürfte vielen Mittelständlern bekannt vorkommen. Wohl dem, der vorgesorgt hat und sich schon vorher aktiv mit der Digitalisierung beschäftigt hat – so wie die insgesamt 257 TOP 100-Unternehmen (maximal je 100 in drei Größenklassen), die ab dem 19. Juni das TOP 100-Siegel 2020 tragen werden.

Eine Sonderauswertung der wissenschaftlichen Leitung von TOP 100 zum Thema Digitalisierung – noch basierend auf der Zeit vor der Coronakrise – zeigt, dass dieses Thema bei den frischgebackenen Innovationschampions einen sehr hohen Stellenwert genießt: Bei 94 Prozent von ihnen beschäftigt sich die Geschäftsführung seit langem mit Themen der Digitalisierung – und drängt auf die Umsetzung derselben. Dies ist im Mittelstand alles andere als selbstverständlich: So untersuchte die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Jahr 2017, wie es um die Digitalisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen im Bundesland Nordrhein-Westfalen bestellt ist. Demnach beschäftigten sich nur 13,3 Prozent der Mittelständler aus dieser Studie mit der Digitalisierung – bei den neuen Top-Innovatoren ist der Wert also sieben Mal so hoch.

Weitere Punkte spiegeln die Digital-Affinität der TOP 100-Unternehmen wider: 84 Prozent sagen, dass die Digitalisierung der entscheidende Faktor für die Weiterentwicklung ihrer Produkte und Leistungen sei – neun Mal so viele Unternehmen wie bei den Mittelständlern aus der FHM-Studie (9,5 Prozent). 78 Prozent der TOP 100-Unternehmen steuern alle ihre Aufgaben und Prozesse über eine Software – ob für den Einkauf, die Entwicklung, die Auftragsabwicklung oder beispielsweise die Verwaltung (Mittelständler der FHM-Studie: 50,8 Prozent). 55 Prozent haben den Prozess des Kundenkontaktes vollumfänglich über ein IT-System digitalisiert – von der ersten Kontaktaufnahme bis hin zur Auftragsabwicklung.

Im Arbeitsalltag nutzen viele der neuen Top-Innovatoren digitale Anwendungen: 64 Prozent kommunizieren im eigenen Unternehmen intensiv mit softwarebasierter Kommunikation, beispielsweise Skype oder Messenger-Diensten. „Für die Vor-Corona-Zeit ist das ein guter Wert“, sagt Prof. Dr. Nikolaus Franke, der zusammen mit Dr. Rudolf Dömötör den Wettbewerb TOP 100 im Auftrag von compamedia wissenschaftlich verantwortet. „Mittlerweile sollte er aber weiter gestiegen sein“, ergänzt er mit Blick auf die Tatsache, dass viele Unternehmen in Corona-Zeiten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben. Ähnlich bei der Nutzung von Teleworking – also Homeoffice und Arbeiten von unterwegs: Hier gaben vor Corona 36 Prozent der neuen Top-Innovatoren an, dass ihre Mitarbeiter Teleworking intensiv nutzen würden. „Das ist ebenfalls schon ein guter Wert“, sagt Franke. „Auch dieser dürfte inzwischen höher liegen.“

Die Analyse von Big Data, Cloud-Anwendungen und künstliche Intelligenz – diese digitalen Praktiken nutzen die TOP 100-Unternehmen überdurchschnittlich oft, wie ein vergleichender Blick auf eine Studie der WHU Otto Beisheim School of Management zeigt. Diese Studie untersuchte unter anderem, wie stark mittelständische Familienunternehmen digitale Technologien im Alltagsgeschäft verwenden. Während 38 Prozent der befragten Unternehmen laut dieser Studie Cloud-Anwendungen einsetzen, sind es bei den Top-Innovatoren 56 Prozent. Der Analyse von Big Data wenden sich 23 Prozent der Innovationschampions zu, bei den befragten Familienunternehmen sind es nur 18,7 Prozent. Künstliche Intelligenz setzen 10 Prozent der TOP 100-Unternehmen ein, während es bei den Firmen aus der Beisheim-Studie 4,9 Prozent sind. „Mehr denn je sollten mittelständische Unternehmen auf Digitalisierung setzen“, resümiert Nikolaus Franke. „Die TOP 100-Unternehmen schreiten hier voran.“

Die neuen TOP 100 gibt compamedia am 19. Juni unter www.top100.de bekannt. Hinweise zu den Prüfkriterien des Wettbewerbs finden sich unter www.top100.de/pruefkriterien.