01. September 2020

Afrika wartet auf die deutschen Mittelständler

Experte zeigt im neuen TOP 100-Buch Chancen auf / Absicherung durch Hermesbürgschaften ausgeweitet

Überlingen – Tatkräftigen deutschen Mittelständlern bieten sich vielversprechende Chancen in Afrika. Darauf macht der Unternehmensberater, Autor und politische Analyst Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate im neuen TOP 100-Buch aufmerksam. Denn es gibt einen Bedarf an deutschen Investitionen – und vor allem auch an einem typisch deutschen Erfolgsmodell: der dualen Berufsausbildung, einer ureigenen Domäne des Mittelstands. Das TOP 100-Buch wird von dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar herausgegeben. In dem Werk kommen Experten zu Wort und es werden die innovativsten mittelständischen Unternehmen Deutschlands vorgestellt.

Bislang scheinen deutsche Unternehmer ihren chinesischen Kollegen das Geschäft in Afrika größtenteils zu überlassen: Etwa 900 deutsche Unternehmen hätten derzeit in Afrika einen Sitz, erläutert Asfa-Wossen Asserate – dem gegenüber stünden 17.000 Unternehmen aus China. Der Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie berät Mittelständler, die sich in Afrika niederlassen wollen. „Bisher haben mir die Mittelständler häufig gesagt, es sei ja nicht einmal sicher, dort keinen Totalausfall zu erleiden“, sagt er in einem Interview in dem TOP 100-Buch. Doch das habe sich jetzt geändert: Inzwischen seien nun Hermesbürgschaften, also Exportkredite, die der Bund absichert, für fast alle der 54 anerkannten afrikanischen Staaten möglich – vorher habe es das für weniger als ein Dutzend gegeben.

Ein Hersteller von Kühlschränken, der seine Produkte nach Afrika exportieren möchte – das dürfte gemäß Asfa-Wossen Asserate kein erfolgversprechender Ansatz sein. In einem solchen Fall würde er dem Hersteller sagen: „Das schaffst du nicht, deine Kühlschränke sind zu teuer. Wenn du aber deine Politik änderst und anfängst, in Afrika zu produzieren, dann kann ich dir garantieren, dass du mit den Chinesen und anderen Asiaten konkurrieren kannst“, schildert der Experte seine Erfahrungen. „Man sollte Afrika nicht nur als Absatzmarkt betrachten, sondern vor allem als einen Kontinent, auf dem man mit neuen Konzepten vor Ort produzieren kann.“

Deutschland habe der Menschheit zwei großartige Geschenke gemacht: „Das eine ist die soziale Marktwirtschaft, das zweite ist die duale Berufsausbildung.“ Inzwischen werde zwar eine große Anzahl neuer Universitäten in Afrika gegründet, man finde aber vielerorts kaum einen Maurer, der eine Wand gerade hochziehen könne. „Duale Berufsausbildung ist für Afrika eine ganz wichtige Sache“, sagt Asfa-Wossen Asserate. Doch es brauche Unternehmen, die solche Ausbildungsplätze vor Ort anbieten. „Und das geht nur, wenn sich viele deutsche Mittelständler in Afrika engagieren.“

Im neuen, 516 Seiten starken TOP 100-Buch „Innovationshelden“ kommen weitere Experten zu Wort. Holger Schmenger, Geschäftsführer der Haufe Akademie, beschäftigt sich in einem Fachbeitrag damit, wie Unternehmen den ständigen Wandel in unserer Gesellschaft erfolgreich meistern. Er unterstreicht, wie wichtig dabei die im Unternehmen vorherrschende Kultur sei. Über die wachsende Bedeutung der rund 1.700 Sozialunternehmen in Deutschland berichten Laura Haverkamp von der Organisation Ashoka – diese fördert Menschen und Unternehmen, die soziale Probleme lösen wollen – und Dr. Matthias Daub von der Unternehmensberatung Mc Kinsey & Company in einem weiteren Fachbeitrag.

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff bekräftigt in seinem Beitrag, wie eng Optimismus und die Fähigkeit zur Innovation beieinander liegen. Und natürlich kommen all die tatkräftigen und innovativen mittelständischen Unternehmer zu Wort, die in diesem Jahr mit dem TOP 100-Siegel ausgezeichnet wurden. Die Geschichten und Porträts über sie in diesem Buch zeigen, über welch herausragende Innovationskraft der deutsche Mittelstand verfügt.

Ranga Yogeshwar (Hrsg.): TOP 100 2020: Innovationshelden. Hardcover, 516 Seiten, REDLINE-Verlag. ISBN: 978-3-86881-812-3. 29,99 Euro.