Innovationsaward TOP 100-Sieger 2025

Unternehmensporträt

Julius Koch GmbH

Unternehmensporträt

Pionier für technische Textilien

Als Julius Koch 1895 eine Firma gründete, ahnte er nicht, dass daraus einmal ein Weltmarktführer für textile High-End-Produkte hervorgehen würde. Heute ist das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Malente ein Hidden Champion und entwickelt und produziert spezielle Nähgarne, textile Schutzsysteme wie Schneezäune und vor allem technische Textilien für den Sonnenschutz. Seit Kurzem nutzt es seine Expertise auch sehr innovativ in ganz neuen Bereichen.

130 Jahre hatte man sich auf Sonnenschutz konzentriert, dann übertrugen die Spezialisten ihr Wissen auf neue Bereiche wie die Verkehrsinfrastruktur, den Bergbau oder die Argrarindustrie. 2020 gründeten sie ein Start-up als Trend-Scout für Produktinnovationen und ein neues Forschungszentrum. „Dort haben wir zum Beispiel Netze entwickelt, die Pflanzen vor den Folgen des Klimawandels schützen, vor Wetterextremen und Insekten“, erklärt Geschäftsführer Jens Klotmann. „Damit erzielen Landwirte oder Weinbauern 10-20 % höhere Ernten, was erheblich ist, denn der Hauptgrund für steigende Lebensmittelpreise sind Ernteausfälle.“ 2024 wurde die hochspezialisierte Textillösung als Patent angemeldet.

von links nach rechts: Bernd Carstens /Sales Manager, Mykola Dolinskyy /Managing Director Julius Koch Ukraine, Aleksandra Walkowska/ Managing Director Julius Koch sp. z o.o., Simon Paasch /Head of Commercial Services, Antje Messenbrink /Head of Procurement & Supply Chain, Jens Klotmann /CEO Julius Koch Group, Giacomo De Gaetano /Sales Manager, Laars Bonow /Head of Production

Voraus denken

„Wir versuchen, Produkte für morgen zu kreieren, die künftigen Herausforderungen standhalten wie etwa den klimatischen Veränderungen“, sagt Klotmann. Um möglichst viele Innovationsideen zu generieren, etablierte Julius Koch im Zuge der Neuausrichtung ein betriebliches Vorschlagswesen. Und einen Innovation-Funnel-Process: In drei Stufen werden Innovationsvorschläge auf Realisierbarkeit und kommerzielles Potenzial geprüft. Ideen, die gut, aber noch nicht reif sind oder für die aktuell keine Kapazitäten zur Verfügung stehen, kommen in ein Ideensilo und werden zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal diskutiert. „Wir sind ständig im Austausch und arbeiten flexibel mit Agile-Leadership-Methoden“, ergänzt Klotmann. „Darum können wir unser Geschäft auch über ständig wechselnde Prioritäten definieren.“

Transparente Unternehmenskultur

Ein Steering-Committee aus Vertretern aller Unternehmensbereiche von Julius Koch diskutiert monatlich neue und laufende Projekte. Ebenfalls einmal im Monat lädt das gesamte Management-Team alle Mitarbeiter zum Frühstück ein und stellt aktuelle Projekte vor. Über eine App kann jeder eigene Ideen einreichen und 24/7 den Status verfolgen. Einen Teil ihrer Arbeitszeit dürfen Beschäftigte auch für die Entwicklung eigener Ideen nutzen. Die Bilanz: Im ersten Jahr wurden 80 % der eingereichten Innovationsideen und Verbesserungsvorschläge in die Tat umgesetzt.

Julius Koch GmbH

2025

Mode/Textilien

Größenklasse B

1 Auszeichnung

Kontakt

Dorfstrasse 16
23714 Malente

04523 99690
info@juliuskoch.de
https://juliuskoch.com

Interview mit Jens Klotmann

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Interview mit Jens Klotmann

Wie sich ein Traditionsunternehmen in Sachen Innovationsmanagement neu erfindet.

Sie haben 2023 begonnen, einen Innovation-Funnel-Process in Ihrem Unternehmen aufzubauen. Welche Bilanz ziehen Sie heute, zwei Jahre später?

Wir machen sehr positive Erfahrungen mit dem Funnel. Zündende Ideen setzen sich über Hierarchieebenen hinweg durch und die Mitarbeiter sind sehr motiviert. Einer unserer Kollegen aus dem Management, der für den Bereich Sonnenschutz im gesamten Mittelmeerraum zuständig ist, hat zum Beispiel von sich aus Weinbauern, die er in Italien kennt, auf unsere neuen Hagelschutznetze zum Schutz von Reben angesprochen. Er hat ihnen angeboten, sie zu testen, obwohl das gar nicht zu seinem Aufgabenbereich gehört. Dieser Mitarbeiter ist seit 30 Jahren Teil unseres Unternehmens und absolut begeistert von unseren Innovationen. Das finde ich schon beeindruckend.

Wie fördert Ihre Unternehmenskultur Kreativität und Dynamik?

Wir hatten im Management in letzter Zeit mehrere Wechsel, überwiegend durch altersbedingtes Ausscheiden von Beschäftigten. Inzwischen sind wir ein Team aus fünf verschiedenen Nationen. Das ist sehr gut, denn dadurch kommen ganz unterschiedliche Perspektiven zur Sprache. Lag das Durchschnittsalter vor ein paar Jahren noch bei über 50, ist es mittlerweile deutlich gesunken. Wir haben also einen Generationswechsel eingeleitet und jetzt eine sehr gute Mischung aus Erfahrung und neuer Expertise. Und wir haben im Zuge der Neuausrichtung einen Teambildungsprozess durchlaufen, haben Werte und Umgangsformen gemeinsam neu definiert. Es herrscht heute eine sehr große Offenheit im Unternehmen. All das fördert die Entwicklung neuer Ideen und Innovationen. Aktuell testen wir einen komplett kompostierbaren Polyester, der rückstandslos in CO2 und Wasser zerfällt und keinerlei Mikroplastik enthält. Wissen entwickelt sich heute so dynamisch, es wäre fahrlässig das nicht zu nutzen.

„Erfindungsreichtum ist ein roter Faden in unserer Geschichte.“

Jens Klotmann, CEO

Nutzen Sie im Bereich Prozesse und Organisation künstliche Intelligenz?

In der Marktforschung nutzen wir Chat-GPT, aus Datenschutzgründen aber sehr zurückhaltend. Im Zuge unserer Strategieplanung für die kommenden drei Jahre initialisieren wir aber ein eigenes KI-Projekt, das wir dann in verschiedenen Bereichen einsetzen wollen, unter anderem bei Order-Automatisation, Supply Chain, CO2-Tracking und -Reporting sowie in der Produktionsplanung.

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