Unternehmensporträt
Fritz Kübler GmbH
Unternehmensporträt
Schwarmintelligenz der Mitarbeiter nutzen
Damit ein Aufzug genau in der passenden Position stoppt, braucht er Sensoren, die erkennen, was innerhalb des Aufzugsystems gerade passiert. Die Fritz Kübler GmbH ist auf die Entwicklung und Produktion genau solcher Sensoren spezialisiert. Ihre Komponenten zur Messung, Übertragung und Auswertung von Daten und Signalen werden unter anderem in der mobilen Automation, in der Antriebstechnik sowie in Solar- und Windkraftanlagen eingesetzt.
Als Fritz Kübler 1960 den Betrieb gründete, beschäftigte er sich mit elektromechanischen Zählern. Seine Söhne, Gebhard und Lothar Kübler, die das Unternehmen in zweiter Generation leiten, haben es heute mit ganz anderen Projekten zu tun: Ihre elektronischen Systeme dienen zur Automatisierung von Maschinen und Anlagen. Eines der Entwicklerteams sitzt in Indien. Damit die Zusammenarbeit mit Deutschland gut funktioniert, besuchte ein Teil der indischen Gruppe seine hiesigen Kollegen. „Seitdem stehen sie fast täglich zu Abstimmungszwecken in Kontakt und sprechen auch über Innovationsthemen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Lothar Kübler.
Martin Huth, Gebhard und Lothar Kübler, Geschäftsleitung
Vier Monate Zeit für gute Ideen
Als sich vor ein paar Jahren ein Projekt verzögerte, legte das Team nicht die Hände in den Schoß. Stattdessen organisierte man einen internen „Höhle der Löwen“-Wettbewerb: Sieben Entwicklerteams hatten vier Monate Zeit, sich Innovationen auszudenken und funktionierende Prototypen zu erstellen. „In dieser Zeit hatten die Kollegen Narrenfreiheit. Innerhalb gewisser Rahmenbedingungen konnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen“, erklärt Kübler. Die Ergebnisse haben die Teams der Geschäftsführung präsentiert. Mit den Neuerungen, die aus dieser Aktion hervorgingen, wird gerade ein Großteil des bestehenden Portfolios auf ein neues technologisches Level gehoben.
Raum abseits des Arbeitsalltags
Über diese einmalige Aktion hinaus darf sich jeder Mitarbeiter jeden zweiten Freitag aus dem Tagesgeschäft verabschieden, um sich mit Innovationsthemen und neuen Ideen zu beschäftigen. Am „My Day“ kommen bereichsübergreifend Kollegen zusammen und denken über Lösungen für Kundenprobleme nach. Die Mitarbeiter organisieren ihre Treffen selbst, die Führungskräfte stellen ihnen dafür Zeit und bei Bedarf auch ein Budget zur Verfügung. „Die Schwarmintelligenz aller Mitarbeiter bringt häufig gute Vorschläge hervor“, sagt Lothar Kübler. Er ist sich sicher: „Innovation ist eine firmenweite Aufgabe. Wir haben im Haus ein Klima, in dem sich alle gern an der Weiterentwicklung des Unternehmens beteiligen.“
Interview mit Lothar Kübler
Warum Flexibilität künftig noch wichtiger sein wird, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Lothar Kübler.
Was bedeutet für Sie Innovation?
Als Mittelständler können wir natürlich keine Grundlagentechnologie neu erfinden. Wir sehen Innovation daher auch in den kleinen Schritten. Wenn wir für die Applikation eines Kunden eine Lösung finden, die ihm einen großen Vorteil bringt, ist das für uns eine echte Innovation. Dabei geht es gar nicht darum, immer das Maximum herauszuholen, indem sich ein Sensor vielleicht noch schneller dreht oder noch höhere Temperaturen aushält. Wenn solche Voraussetzungen für die Applikation gar nicht notwendig sind, dann wäre eine solche Innovation am Markt oder am Kunden vorbeientwickelt.
Welche Entwicklungen stehen bei Ihnen aktuell im Fokus?
Unsere Produkte verschmelzen immer mehr mit den Kundenapplikationen. Das heißt, wir reden nicht mehr über Sensoren, die außen an eine Anlage angebaut werden, sondern unsere Lösung wird in die Kundenapplikation integriert. Teilweise verkaufen wir nur noch Software, weil wir zum Beispiel das Gehäuse, das der Kunde ohnehin schon hat, für unseren Sensor mitnutzen. Das stellt uns vor neue technologische Herausforderungen, weil wir die Kundenapplikationen noch viel besser verstehen müssen als bisher. Wir müssen partnerschaftlich mit dem Kunden zusammenarbeiten und mit ihm zusammen eine Lösung finden. Der weitere Aufbau von Technologiekompetenz steht daher aktuell sehr stark bei uns im Vordergrund.
„Wir geben unseren Mitarbeitern Freiraum, damit Innovation entstehen kann."
Lothar Kübler, geschäftsführender Gesellschafter
Wie sieht Ihre Innovationsstrategie aus?
Vor zwei Jahren haben wir gemeinsam mit Leuten aus unseren Tochtergesellschaften sowie aus unserer Entwicklung, der Applikation und dem Produktmanagement die „Strategie 2030“ festgelegt. Eines der zentralen Themen ist, dass wir mehr in Richtung Systeme und Lösungen gehen wollen, statt nur Komponenten zu verkaufen. Damit mindern wir auch den Wettbewerbsdruck seitens der asiatischen Hersteller, die mittlerweile auch gute Komponenten produzieren. Als Lösungsanbieter sind wir nicht so einfach ersetzbar. Um weiterhin am Markt zu bestehen, müssen wir immer extrem schlank, wendig und schnell bleiben. Wenn wir das schaffen, können wir auch auf neue Herausforderungen rasch reagieren.