Unternehmensporträt
Endress+Hauser SE+Co. KG
Unternehmensporträt
Innovationsideen mit System finden und realisieren
Dank präziser Messungen und Analysen lassen sich in vielen Branchen die Ressourcen passender einsetzen und die Kosten reduzieren. Hierbei hilft die Mess- und Automatisierungstechnik von Endress+Hauser SE+Co. KG mit Sitz in Maulburg: Einzigartig sind ihre Echtzeit-Datenanalysen, da sie an industrielle Internet-of-Things-Anwendungen angebunden sind. Die Innovationsprozesse sind breit im Unternehmen verankert. Die Abteilung „Innovation Lab“ hat dabei eine besondere Rolle, in dem sie mit einem besonderen Innovationsklima neue Themen evaluiert und voranbringt.
Ein echter Coup: Der „IIot-Radar“ aus dem Hause Endress+Hauser war der erste rein batteriebetriebene Sensor mit direkter Signalübertragung in die Cloud. Damit findet er Anwendung in Märkten und bei Kunden, die früher von dem Mittelständler nicht bedient wurden. So ist der Sensor jetzt auch in Logistiklieferketten integriert und sitzt nicht nur auf einem stationären Tank, sondern auch auf Güterwagen oder Containern, die bewegt werden.
Christian Reichert, Director Solutions & Technology
Fruchtbares Innovationsklima
In einer zentralen Entwicklungsphase wurde diese Produktinnovation im „Innovation Lab“ weiterentwickelt. Das Lab, 2019 als interdisziplinäres Kreativteam gegründet, ist heute eine eigenständige Abteilung mit zehn Mitarbeitern. „Eine Zeit lang nannten wir das Lab auch ‚X-Track‘ was verdeutlicht: Hier geht es darum, Themen außerhalb unseres Stammgeschäfts zu suchen und Produkte für neue Märkte oder benachbarte Segmente zu entwickeln“, berichtet Dr. Simon Zühlke, Strategy Expert „Markets und Technologie“. Wenn die „Kinder“ dann fast erwachsen sind, werden sie laut Dr. Zühlke der regulären Organisation übergeben. Die Mitarbeiter des Labs kommen aus der Technologie, der Produktion oder dem Marketing. Sie prüfen die ausgewählten Ideen agil und flexibel mit Zielkunden und validieren sie dann in Form von Minimal Viable Products (MVP) in einem regional begrenzten Zielmarkt.
Innovationsprozesse immer im Blick
Innerhalb der Endress+Hauser-Gruppe läuft ein harmonisiertes Prozessmanagement. Hierbei ist der gesamte Innovationsvorgang in drei Levels unterteilt, jeweils betreut von einem Prozess-Owner und einem Prozess-Manager. Mindestens einmal pro Jahr findet anhand definierter Kennzahlen ein Check statt. Bei Abweichungen werden strategische Projekte zur Verbesserung initiiert. So hat man beispielsweise auch die Lebenszyklusphasen aller Produkte im Portfolio komplett überarbeitet und mithilfe der RWTH Aachen den Prozess Frontloading-Innovation neu aufgesetzt. Jetzt gelingt es noch besser, Trends frühzeitig zu erkennen und daraus Innovationsvorhaben abzuleiten.
Interview mit Dr. Simon Zühlke
Welche interdisziplinären Formate zur Innovationsgenerierung bei Endress+Hauser eingesetzt werden, erklärt Dr. Simon Zühlke.
Wie laufen die „Innovation Challenges“ ab, in denen Ihre Teams neue Ideen generieren sollen?
Die unter diesem Dachbegriff durchgeführten Formate gibt es in der gesamten Firmengruppe. Wir bei Endress+Hauser in Maulburg haben seit 2022 Markt- und Anwendungssegmente definiert, von denen wir uns einen überproportionalen Wachstumsschub in der Zukunft versprechen. Für ausgewählte Innovationsfelder gibt es Workshops, in denen interdisziplinäre Gruppen „Innovation Opportunities“ und Lösungsansätze kreieren. Diese Ideen werden in Folgeschritten verfeinert und evaluiert — die vielversprechendsten gehen dann in unserem Innovationsprozess in eine weitere Runde.
Gibt es auch innerhalb bestimmter Bereiche oder zu gewissen Themen solche Programme?
Regelmäßig, meist einmal pro Jahr, führen wir „Zukunftsbild-Workshops“ durch. Diese zweitägigen Veranstaltungen sind ebenfalls interdisziplinär zusammengesetzt und bearbeiten ausschließlich ein bestehendes Portfolio-Segment. Wir wollen so die bestehenden Stärken und Schwächen des jeweiligen Produktbereichs analysieren und ebenfalls Ideen und Ansätze zur Weiterentwicklung generieren. Immer wieder entstehen dabei Innovationen, die bei Verfügbarkeit von Ressourcen in Entwicklungsprojekte münden.
„Ideen unserer Mitarbeiter prüfen wir immer systematisch und transparent.“
Dr. Simon Zühlke, Strategy Expert „Markets und Technologie“
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz für das Innovationsklima in Ihrem Unternehmen?
Unter dem Motto „Generative KI“ haben wir mit einem externen Dienstleister Aufgabensegmente definiert, in denen wir uns durch die KI große Unterstützung versprechen zum Beispiel bei der Erstellung von Lastenheften zu Entwicklungsvorhaben. Dafür benötigt ein Produktmanager aktuell bis zu sechs Monate. Alle festgelegten KI-Bereiche gehen wir jetzt in einer Pilotphase an und ergänzen parallel dazu die Schulungen unserer Mitarbeiter. Unser Konzept: Grundlagen inklusive Prompt-Engineering vermitteln über eine Mischung aus Onlinekursen und persönlichen Trainings.
Machen die Beschäftigten mit?
Auf jeden Fall! Die Chancen von KI für Arbeitserleichterungen sind erkannt. Es freut uns auch, dass wir Interessierte im Kollegenkreis haben, die KI eigenständig ausprobieren und von ihren Erfahrungen berichten. Standortübergreifend hat sich eine entsprechende Community-Gruppe gebildet.