MLL Münchner Leukämielabor GmbH

Pharma/Labortechnik
Wir arbeiten daran, neue und effizientere Therapien zu ermöglichen.
Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach

Warum MLL in die Gen-Sequenzierung investiert und was das Besondere an dieser neuen Methode ist, erklärt Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach.


Sie haben in München die größte Gen-Sequenziereinrichtung Europas aufgebaut. Worum genau geht es Ihnen dabei?

Im Moment ist unsere Sequenziereinheit zwar noch überdimensioniert, aber wir haben sie mit Blick auf die Zukunft konzipiert: Wir sind in der Lage, die Zahl der Genomuntersuchungen um den Faktor 100 zu erhöhen, und wir können damit an mehreren internationalen Forschungsprojekten gleichzeitig mitarbeiten. Außerdem sind wir fest davon überzeugt, dass sich viele Routineabläufe in der Diagnostik verändern werden, sobald es bessere Möglichkeiten gibt. Deshalb haben wir schon jetzt damit begonnen, die bisherigen Routineverfahren durch Analysen mit den neuen Sequenziergeräten zu ersetzen.

Welche Vorteile hat das sogenannte Next Generation Sequencing?

Unsere bisherigen Methoden der Laboranalyse basieren auf dem Phänotyp, bei dem wir Zellen untersuchen, oder auf dem Genotyp, bei dem wir einzelne Chromosomen oder einzelne Gene analysieren, die bei Leukämie häufig eine besondere Rolle spielen. Mit der neuartigen Methode, dem Next Generation Sequencing, können wir sehr viele Gene in einem einzigen Ansatz parallel untersuchen, sogar bis hin zum gesamten Genom, also der kompletten Erbinformation pro Zelle. Wir gehen davon aus, dass die Gesamt- genomsequenzierung in Zukunft eines der wichtigsten diagnostischen Werkzeuge werden wird.

Ist das nicht viel zu teuer?

In der Zeit zwischen 1990 und 2003 haben mehr als 1.000 Wissenschaftler gemeinsam daran gearbeitet, ein menschliches Genom zu entschlüsseln. Dieses einzigartige Forschungsprojekt hat damals mehr als 3 Mrd. $ gekostet. Heute kostet es uns zwischen 1.000 und 3.000 $, ein Genom zu sequenzieren. Und zwar so intensiv, dass wir die DNA nicht nur ein Mal von vorn nach hinten sequenzieren, sondern 100 Mal. Denn dadurch erhalten wir eine höhere Sensitivität und Lesegenauigkeit. Das ist der Stand von heute – in fünf Jahren kann es durchaus Maschinen geben, die ein komplettes menschliches Genom schon für 100 bis 300 $ sequenzieren.