MLL Münchner Leukämielabor GmbH

Gesundheitswesen
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Wir überführen unsere Leukämiediagnostik in die digitale Zukunft.
Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach Geschäftsführer

Warum künstliche Intelligenz aus der Leukämiediagnostik bei MLL bald nicht mehr wegzudenken ist, erklärt Prof. Dr. Dr. Torsten Haferlach.


Warum gehört künstliche Intelligenz bei Ihnen bald zum Standard in der Leukämiediagnostik?

Wir setzen KI ein, damit zukünftig in der Leukämiediagnostik zunehmend darauf verzichtet werden kann, dass ein Mensch Proben interpretiert. Stattdessen soll künstliche Intelligenz den Phänotyp oder eine Mutation in der Basenabfolge eines Genotyps erkennen und daraus weitere Schlüsse ziehen. Schon heute nutzen wir in unseren Routinen eine Vorab-Bilderkennung, die wie die Bilderkennung eines Smartphones funktioniert. Die künstliche Intelligenz benennt dabei, was sie aufgrund des vorherigen Trainings erkennt. Dann prüfen wir diese Voranalyse und korrigieren nach – dadurch lernt die KI weiter. Früher dauerte zum Beispiel ein bestimmter Analyseprozess etwa 40 Sekunden, jetzt brauchen wir pro Analyse inklusive der Kontrolle durch einen Mitarbeiter nur noch 10 Sekunden.

Einzigartig ist bei Ihnen auch die Zusammensetzung Ihres Teams, oder?

Genau, bei uns arbeiten zunächst einmal Hämatologen, die für unsere Labordiagnostik trainiert und qualifiziert sind. Dazu kommen Molekularbiologen, Zytogenetiker, Bioinformatiker, Anwendungsentwickler und medizinisch-technische Assistentinnen, die es mit ihrem Fachwissen überhaupt erst ermöglichen, die Datenmengen zu interpretieren. Alle unsere Mitarbeiter arbeiten mit denselben Daten einer Datenbank. Dort aktualisieren wir die Befunde durchgehend in Echtzeit, damit jeder sieht, wer zuletzt an welchem Prozess und an welcher Analyse beteiligt war. Kommunikation ist schließlich unabdingbar, wenn man täglich bis zu 500 Proben bearbeitet.

Ihr Top-Management hat ein fruchtbares Innovationsklima geschaffen. Wie sieht das konkret aus?

Wir haben ein sogenanntes Ideenlabor eingerichtet, bei dem alle Beschäftigten eigene Vorschläge einbringen können. Geprüft und verwertet werden sie dann von einer interdisziplinär zusammengesetzten Jury. Außerdem kann jeder Einzelne seine Ideen direkt mit unseren Bioinformatikern und Anwendungsentwicklern besprechen, die aktuell in agilen Prozessen mehr als 1.200 Issues in zweiwöchigen „Sprints“ bearbeiten. Nach diesen Sprints sortieren und priorisieren sie neu, denn fast täglich kommen neue interne Anforderungen hinzu. So gestaltet unser Team die Workflows der Zukunft also aktiv in der diagnostischen Praxis mit.