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Zwei Glühbirnen, eine davon leuchtet

Wie Sie mit frugalen Innovationen neue Märkte erschließen

15. März 2018 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Mit möglichst einfachen Mitteln einfache Lösungen finden – das ist der Kerngedanke "frugaler Innovationen". Statt komplexer Hochtechnologie punkten Hersteller mit geringen Kosten bei akzeptabler Qualität und hohem Kundennutzen. Diese Entwicklungen eröffnen nicht nur in Schwellenländern neue Märkte.

Deutschland genießt weltweit einen hervorragenden Ruf als Hochtechnologiestandort. Das Siegel „Made in Germany“ gilt auch im entlegensten Winkel des Globus als Nachweis höchster Qualität. Deren Preis kann jedoch längst nicht jeder bezahlen.

Gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern entstehen derzeit große Wachstumsmärkte. Länder wie beispielsweise Indien verfügen über eine aufstrebende Mittelschicht und dank vielfältiger Bau- und Infrastrukturprojekte ergeben sich auch im B2B-Bereich zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten. Dennoch haben es deutsche Hersteller oftmals schwer, mit ihren Standardprodukten auf diesen Märkten zu punkten.

Nicht alltagstauglich

Das hat zwei Gründe: Zum einen herrscht auf diesen Märkten ein großer Preisdruck. Kunden reagieren sehr sensibel auf Preisunterschiede und möchten auf keinen Fall Geld für unnötige Produktfeatures ausgeben. Zum anderen, und dies betrifft vor allem das Geschäftskunden-Segment, sind Standardprodukte deutscher Hersteller für den alltäglichen Gebrauch meist zu kompliziert. Oftmals fehlt vor Ort das nötige technische Know-how, die Maschinen zu bedienen, zu warten oder zu reparieren. Auch die notwendigen Ersatzteile sind unter Umständen nur schwer zu beschaffen.

Bereits heute setzen zahlreiche Mittelständler deshalb auf frugale Innovationen, so zum Beispiel auch Top-Innovator GEDA-Dechentreiter. Der Hersteller von Bau- und Industrieaufzügen aus dem bayrischen Teil Schwabens hat sich intensiv auf den Baustellen des Zielmarkts Indien umgesehen und den Bedarf analysiert. Fazit: Die Aufzüge müssen weniger technische Finessen aufweisen als die Produkte für den Heimatmarkt. Individuelle Sonderlösungen sind hier selten gefordert. Stattdessen müssen die Produkte robust und kostengünstig in Anschaffung und Unterhalt sein – und das alles ohne Abstriche beim Thema Sicherheit.

Den Kundennutzen im Blick

Reduktion aufs Wesentliche - das ist die Grundidee hinter frugalen Innovationen. Je einfacher eine Lösung oder ein Produkt, desto besser. Dabei muss der Kundennutzen jedoch immer im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Es reicht also nicht aus, einfach eine „abgespeckte“ Version des Standardprodukts anzubieten. Um Zugang zu neuen Märkten zu finden, muss jeder Hersteller sorgfältig abwägen, welche Produkteigenschaften für die neue Zielgruppe essentiell sind und auf welche getrost verzichtet werden kann.

Der französisch-amerikanische Forscher Navi Radjou über den Ursprung frugaler Innovationen – und wie Mittelständler davon profitieren können.

Wer einfach nur den Rotstift ansetzt, um Kosten zu streichen, wird kaum Erfolg haben. Damit frugale Innovationen erfolgreich sind, braucht es eine sorgfältige Marktforschung um die Bedürfnisse der Zielgruppen zu ermitteln. Und einen Entwicklungsprozess, der auf kundenzentrierten Methoden wie etwa Design Thinking zurückgreift.

Drei zentrale Charakteristika

Mithilfe frugaler Innovationen erreichen Mittelständler Kunden in Wachstumsmärkten, die andernfalls nie Zugang zu deren Produkt gefunden hätten. Zusammenfassend lassen sich drei zentrale Charakteristika hervorheben:

  1. Drastische Kostenreduktion im Vergleich zu bestehenden Produkten
  2. Reduktion auf die für den Kunden wesentlichen Kernfunktionen
  3. Kundenzentrierter Entwicklungsprozess

Wer diese drei Aspekte beherzigt, der kann auch auf dem heimischen Markt Erfolge erzielen. So wie die schwedische Möbelhauskette IKEA mit ihrem Billy-Regal. Mit seinem simplen Aufbau und dem einfachen Design ist das Möbelstück sicherlich kein Hingucker, erfüllt jedoch ganz pragmatisch seinen Zweck – und ist preislich unschlagbar. Inzwischen findet sich das Regal vom Einfamilienhaus bis zur Studenten-WG in fast jedem Haushalt. Manchmal sind eben die einfachen Ideen die besten.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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