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Offenheit, ein großer Wille zum Austausch und eine konstruktive Fehlerkultur lassen im Silicon Valley neue Ideen entstehen.

Was wir von den kreativen Köpfen des Silicon Valley lernen können

07. März 2019 Prof. Dr. Nikolaus Franke Lesedauer 5 Minuten

Eine Gruppe von Top-Innovatoren hat das Silicon Valley besucht. Auf dem Programm standen unter anderem Apple, Google, Facebook und Tesla sowie diverse kleinere, hochinnovative Firmen. Ein Resümee der vielen Gespräche aus wissenschaftlicher Sicht von Professor Dr. Nikolaus Franke, der die Gruppe begleitete.

Das Silicon Valley ist einer der Fortschrittsmotoren der Welt. „Unicorns“ wie Apple, Facebook, Amazon oder Google haben mit ihren Innovationen innerhalb kürzester Zeit unvorstellbare Werte geschaffen, etablierte Industrien disruptiert und unser aller Leben verändert. Das Silicon Valley steht dabei nie still: Etablierte Unternehmen erfinden sich permanent neu und ständig entstehen Start-ups mit neuen Ideen, neuen Produkten, neuen Technologien und neuen Geschäftsmodellen. Getrieben von Ehrgeiz und dem Glauben an den ganz großen Erfolg.

Was macht das Silicon Valley nun so besonders? Was ist das Erfolgsgeheimnis dieses dynamischen Ökosystems? Was können wir lernen? Aus wissenschaftlicher Sicht sind verschiedene Elemente auffällig.

Google hat mit seinen Innovationen binnen kürzester Zeit unvorstellbare Werte geschaffen.©bennymarty
Unternehmen wie Apple, Google und Facebook erfinden sich permanent neu, ständig entstehen Start-ups mit innovativen Ideen.©bennymarty

Beeindruckendes Beziehungsnetzwerk

Da sind zunächst die Institutionen an sich. Die Stanford University, die Tech-Giganten, die großen Venture-Capital-Unternehmen und viele andere Player sind bereits für sich genommen beeindruckend in ihrer jeweiligen Leistungsstärke und Professionalität. Doch erst ihr enges Zusammenwirken hilft, das Phänomen Silicon Valley zu verstehen. Wie Zahnräder greifen hier Wissenschaft und Praxis, Technologie und Wirtschaft, Kapital und Entrepreneure, etablierte Unternehmen und Start-ups ineinander. Die Barrieren sind niedrig, Offenheit und der Wille zum Austausch groß. Inkubatoren, Akzeleratoren, Beratungsunternehmen und Co-Working-Spaces unterstützen das Zusammenspiel der Institutionen zusätzlich wie Schmieröl eine Maschine.

Das Zusammenspiel von Wissenschaft, Wirtschaft, Technologie, Kapital und Praxis machen die Leistungsstärke der Bay Area aus.©diegogrand/fotolia

Mut zum Risiko

Das Ergebnis sind permanente Innovationsexperimente. Natürlich gehen manche von ihnen schief, doch auch aus ihnen entstehen neue Ideen und man begreift sie als Lernchance. Die konstruktive Fehlerkultur ist im Silicon Valley mit den Händen zu greifen. Und viele Experimente „greifen“ und werden dann in atemberaubender Geschwindigkeit groß. Airbnb ist erst elf Jahre alt, besitzt kein einziges Gebäude und ist schon jetzt wertvoller als die größten Hotelketten. Uber ist mit zehn Jahren noch jünger, besitzt kein Auto, fertigt nichts und ist doch mehr wert als die meisten Automobilhersteller.

Starke Mitarbeiterfluktuation

Der komplementäre Austausch findet auch auf der individuellen Ebene statt. Mitarbeiter bleiben im Vergleich zu Europa deutlich kürzer bei einem Arbeitgeber. Das kalifornische Recht ermöglicht extrem schnelle Wechsel. Überspitzt gesagt: Ein Mitarbeiter, dem es am Vormittag bei einem Projekt zu langweilig wird oder der feststellt, dass er mit seinen Ideen nicht durchkommt, kann am Nachmittag bei einem anderen Unternehmen anfangen. Im Unterschied zu den meisten anderen Ländern kann man auch zu einem Wettbewerber wechseln und viele Mitarbeiter tun dies auch.

Das Wissen diffundiert auf diese Weise enorm schnell durch das System. Permanent ergeben sich neue Verbindungen von Menschen, Technologien und Ideen. Schon Schumpeter hat die Neukombination als das Wesen der Innovation beschrieben. Im Silicon Valley ist sie Programm. Unternehmen tun viel, um diesen Austausch zu unterstützen. Die Büros von etablierten Unternehmen wie Facebook, SAP oder Google gleichen modernen Uni-Campussen mit offener Architektur, Licht und Raum für Zusammenarbeit. Wer eine Idee hat, kann sie sofort teilen und mit anderen diskutieren – virtuell, aber auch ganz direkt. Projektteams entstehen organisch und dezentral. Hat eine Idee Potenzial, dann kann sie sich sehr schnell entwickeln.

Wem sein Arbeitsplatz zu langweilig wird, kann bequem den Arbeitgeber wechseln.©Mooshny/fotolia

Viele Kulturen, eine Philosophie

Getragen wird das System von Menschen. Das Silicon Valley ist wie ein Magnet. Viele, die hier arbeiten, sind nicht hier geboren, sondern bewusst hingezogen. In fast der Hälfte der Haushalte wird nicht Englisch gesprochen. Doch trotz ihrer Unterschiedlichkeit teilen sie gemeinsame Eigenschaften wie Offenheit, Optimismus und Selbstvertrauen. Understatement und Verzagtheit sucht man hier vergeblich. „Think big“ ist die weit geteilte Vision und man begeistert sich für Innovation. Auf den Straßen fahren autonome Autos, im Kaffeehaus wird man von einem Roboter bedient. Im Amazon Go-Shop gibt es keine Warteschlange, sondern überhaupt keine Kasse – man nimmt die Produkte einfach aus dem Regal und geht. Sekundenlang fühlt man sich wie ein Ladendieb, doch dann erhält man die Rechnung auf das Handy. Dieses Klima ist ein Nährboden für Innovation.

Fazit

Natürlich ist das Silicon Valley kein Paradies. Wo Licht ist, gibt es auch Schattenseiten, und manche Dinge funktionieren bei uns besser als in der Bay Area. Dort sind auch Überhitzungserscheinungen wie Staus und kaputte Straßen, eine große Zahl von Obdachlosen und explodierende Preise für Häuser und Wohnraum unübersehbar.

Idealerweise versuchen wir, die positiven Elemente wie Offenheit, Kooperation und die innovationsfördernde Kultur zu übernehmen, ohne dabei unsere Stärken wie Gründlichkeit, Qualität und eine relative soziale Gleichheit zu vernachlässigen.

 

Einzelheiten zu dem Field Trip in den Silicon Valley lesen Sie auf: 

https://www.top100.de/blog/show/silicon-valley-wer-zu-den-grossen-gehoeren-will-darf-scheitern.html

 

 

Autor

Prof. Dr. Nikolaus Franke ist Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien, des WU Gründungszentrums und der User Innovation Research Initiative an der WU Wien sowie Akademischer Leiter des „Professional MBA Entrepreneurship & Innovation“, der gemeinsam mit der TU Wien und der WU Executive Academy angeboten wird. Ferner war Franke Gastforscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und fungiert als wissenschaftlicher Leiter des Innovationswettbewerbs TOP 100.

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