Am Puls der Zeit
bleiben: mit dem
TOP 100-Blog

Vom Sanierer zum Meistermacher

27. Juli 2017 Pascal Simon Lesedauer 4 Minuten

Stadion verkauft, Transferrechte verpfändet und ein Schuldenberg von 120 Millionen Euro – im Jahr 2005 stand Borussia Dortmund kurz vor dem finanziellen Kollaps. Dass der Club nur 12 Jahre später wieder zur absoluten Weltspitze zählt, ist nicht zuletzt das Verdienst von Hans-Joachim Watzke.

Für 84,7 Millionen Euro wechselte der belgische Stürmer Romelu Lukaku in diesem Sommer vom FC Everton zu Manchester United. Verglichen damit war Corentin Tolisso, für den der FC Bayern 41,5 Millionen an Olympique Lyon überwies ein echtes Schnäppchen. Es sind schwindelerregende Summen, die derzeit auf dem Transfermarkt für Profi-Fußballer gezahlt werden. Einer, der sich in dem schnelllebigen Business trotzdem immer den Überblick bewahrt hat, ist Hans-Joachim Watzke.

Mit 83.000 Plätzen ist der SIGNAL-IDUNA PARK das größte Stadion der Bundesliga und der ganze Stolz des BVB. Die Kosten für den Umbau lasteten jedoch schwer auf der Bilanz des Klubs. (© Urby 2004 / Wikimedia Commons)

Der gebürtige Sauerländer kam als Quereinsteiger zum Fußball. Ehe er im November 2001 zum BVB kam, führte er einen Hersteller für Schutzbekleidung. Er selbst hatte das Unternehmen kurz nach seinem Studium gegründet. Im Februar 2005 übernahm Watzke schließlich den Posten des Geschäftsführers bei den Schwarz-Gelben. Zu dieser Zeit stand der Klub kurz vor dem finanziellen Ruin. Durch teure Neuverpflichtungen, ausbleibenden sportlichen Erfolg und einen kostspieligen Stadionumbau hatte die alte Führungsriege zeitweise Schulden von bis zu 120 Millionen Euro angehäuft. So zeichnet auch die Geschäftsbilanz der Saison 2004/ 2005 - Watzkes erstem Amtsjahr - ein desaströses Bild von knapp 80 Millionen Euro Verlust.

Finanzielle Konsolidierung und sportlicher Höhenflug

Inzwischen sind Horror-Bilanzen wie diese jedoch kaum mehr vorstellbar. Im jüngsten Geschäftsbericht aus der Saison 2015/2016 präsentiert der Club bereits auf der ersten Seite stolz einen Gewinn von 29,5 Millionen Euro. Auch sportlich läuft es rund: In der Bundesliga hat sich der BVB längst als „zweite Kraft“ hinter dem FC Bayern etabliert und in der Champions- League schafft das Team regelmäßig den Sprung in die K.O.-Phase.

Dass man sich heute in Dortmund in der europäischen Spitzengruppe und nicht in einem langwierigen Insolvenzverfahren wiederfindet, ist nicht zuletzt Watzkes Verdienst. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt erwirkte er einen Schuldenaufschub und verordnete dem Club fortan ein rigides Sparprogramm. Anstelle von Topstars wie Marcio Amoroso stürmten fortan Durchschnittskicker wie Ebi Smolarek.

Dieser Konsolidierungskurs machte sich bezahlt. Stück für Stück arbeitete der Verein sich aus der selbstverschuldeten Misere und entwickelte unter Trainer Jürgen Klopp eine neue Spielphilosophie. Der extrem offensive und laufintensive „Vollgasfußball“ der neu formierten Dortmunder Mannschaft, gespickt mit zahlreichen jungen, aufstrebenden Spielern, begeisterte die Bundesliga und durchbrach zeitweise sogar die Dominanz des Branchenprimus Bayern München. Aus Watzke, dem Sanierer, wurde Watzke, der Meistermacher.

Der siebte Titel für den BVB, der erste für Watzke. Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Saison 2010/2011 war der vorläufige Höhepunkt seines Engagements.

Ein Mann für klare Ansagen

Spätestens seit dem Abgang von Klopp ist Hans-Joachim Watzke auch in der Öffentlichkeit zur Galionsfigur von Borussia Dortmund avanciert. Eine Rolle, die gut zu ihm passt, schließlich ist der Sauerländer nie um ein deutliches Wort verlegen. Neben branchenüblichen Spitzen gegenüber der Konkurrenz positioniert sich Watzke unter anderem als Verfechter der aktuell viel diskutierten „50+1“-Regel. In einem Interview mit der Welt am Sonntag sagte er kürzlich: „Die These, in Deutschland würde alles besser, wenn wir diese Regel abschaffen, ist nicht haltbar. Im Gegenteil: Es drohen vermehrt Gefahren. 1860 München lässt grüßen.“

Geübt im Umgang mit öffentlicher Kritik: RB-Sportdirektor Ralf Rangnick kontert seit Jahren unermüdlich die verbalen Angriffe auf das Geschäftsmodell seines Arbeitgebers. (© Werner 100359 / Wikimedia Commons)

In diesem Zusammenhang machte Watzke auch mehrfach durch kritische Äußerungen gegenüber der Konkurrenz von RB Leipzig von sich reden. In einem viel zitierten Interview mit der „Sport Bild“ brachte er seinen Unmut über die fehlenden Vereinsstrukturen der Sachsen zum Ausdruck:„Bei Rasenballsport, wie sie ja tatsächlich heißen, haben wir das erste Mal – auch im Gegenteil zu Hoffenheim oder Wolfsburg – den Fall, dass da nichts, aber auch gar nichts historisch gewachsen ist. Da wird Fußball gespielt, um eine Getränkedose zu performen“.

Das Beispiel zeigt: Watzke ist ein Charakterkopf, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Dass das auch zum Problem werden kann, hat das unwürdige Schauspiel um die Entlassung von Trainer Thomas Tuchel gezeigt. Selten wurden interne Machtkämpfe derart öffentlich ausgetragen. Vor diesem Hintergrund wird es interessant zu sehen sein, wie sich der neue Coach Peter Bosz in die interne Struktur des Klubs einfügen wird.

Die TOP 100 schnuppern Stadionluft

Im Rahmen des ersten TOP 100-Kamingesprächs begrüßt Hans-Joachim Watzke die Top-Innovatoren am 14. September im SIGNAL-IDUNA-PARK. Im Gespräch mit Sabine Christiansen gewährt der gebürtige Sauerländer Einblick in sein schwarz-gelbes Erfolgskonzept. Sichern Sie sich gleich ihr Ticket! Die Teilnahme ist ausschließlich TOP 100-Unternehmerinnen und -Unternehmern vorbehalten.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und Junior PR-Berater bei compamedia

E-Mail schreiben

Kommentare

Kommentar verfassen

*Wird nicht veröffentlicht

Über uns

TOP 100 ist die Auszeichnung für Deutschlands innovativste Mittelständler.

Unser Innovationsblog inspiriert unsere Leser dazu, wie die TOP 100 innovativ und kreativ zu denken und auf diese Weise mutig die Zukunft zu gestalten.

Highlights

Mit der Blue-Ocean-Strategie zum Erfolg
27. April 2017
Schrecken und Chancen der Disruption
06. Februar 2017
Die Senkrechtstarter der Start-up-Szene
11. Januar 2017
Universitäten als Ideenfabriken für den Mittelstand
22. September 2016
Innovationsmarketing: Nur keine falsche Bescheidenheit
05. September 2016

Impressionen des
4. Deutschen
Mittelstands-Summit

Zur Galerie

Den
TOP 100-Blog
abonnieren

Zum RSS-Feed