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Unerwartete Widerstandskraft

18. März 2015 Silja Spreyer Lesedauer 3 Minuten

Die Fähigkeit, Rückschläge zu überwinden, nennt man Resilienz. Eine Fähigkeit, ohne die Innovationsarbeit nicht funktionieren kann. In einer Zeit, in der die Zukunft ungewiss ist wie nie, entscheidet Resilienz über den Erfolg oder Misserfolg von Unternehmen. Fünf Faktoren sind maßgebend.

Krise in Griechenland, finanzielle Probleme, Lieferprobleme bei Händlern, Streik, Epidemien: Turbulenzen können viele Gesichter haben. Und egal, wie gut Unternehmen aufgestellt sind, egal wie strategisch mögliche Worst-Case-Szenarien ausgearbeitet wurden – es kommt meistens doch anders, als gedacht. 

Die nachhaltige Fähigkeit, sich nach einer Krise eigenständig zu erneuern, nennt man Resilienz – ursprünglich ein Begriff aus den Naturwissenschaften. Dort beschreibt das Wort die Fähigkeit eines Materials, nach einer elastischen Verformung in seinen Ausgangszustand zurückzukehren.

Resilienz ist aber auch die Haltung, die eine Organisation oder ein Individuum zu den Herausforderungen des Lebens einnimmt. Eine Haltung, die weitgehend von der Führungsebene eines Unternehmens vorgegeben wird und sich so auf die gesamte Organisation auswirkt. Diese Haltung in einem Unternehmen wird „organisationale Resilienz“ genannt.

Sie wird von bestimmten Strukturen und Prozessen innerhalb der Organisation geprägt. Ist ein Unternehmen nicht resilient, liegen Innovationspotenziale brach, Mitarbeiter sind demotiviert und Führungskräfte vernachlässigen ihre Verantwortung. In solch einer Organisation herrschen Verwirrung und Unsicherheit. Der Wunsch nach Struktur und Entscheidungssicherheit wird zunehmend bedeutungsvoll.

Die renommierte finnische Professorin für Innovationsmanagement, Liisa Välikangas, beschreibt fünf Elemente, die resiliente Unternehmen auszeichnen: 

1. Diversität

Unternehmen sind resilient, wenn sie unterschiedliche Meinungen, Perspektiven und Ansichten innerhalb ihrer Organisation zulassen und fördern. Ein hohes Maß an erfinderischem Denken ist hierfür unabdingbar. Die Mitarbeiter müssen angeregt werden, außerhalb von vorgegebenen Schemata zu denken und völlig neue Wege zu gehen. Zudem müssen sie die Freiheit haben, Verantwortung zu übernehmen, Prozesse zu gestalten und Ideen einbringen zu können. 

2. Einfallsreichtum

Auch wenn es paradox klingt: Unternehmen sind resilient, wenn sie wichtige Ressourcen in Krisenzeiten nicht direkt greifbar haben. Denn getreu dem Motto „Not macht Erfinderisch“ werden resiliente Organisationen gerade in unvorhergesehenen Situationen besonders kreativ. Knappe Ressourcen fördern Innovationen, weil unternehmerisches Denken gefordert ist, um fehlende Mittel oder erforderliches Personal zu organisieren. 

3. Robustheit

Eine robuste Organisation zeichnet sich durch ihre besondere Flexibilität aus. Resiliente Unternehmen haben strategische Alternativen, sie sind sich ständig der Veränderungen bewusst. Zudem sind sie in der Lage, Ressourcen von alten Produkten auf neue umzulenken und sind bereit, auch mal Experimente einzugehen. Besonders robuste Unternehmen lassen sich nur wenig von den vielfältigen Veränderungen stören.  

4. Antizipation

Resiliente Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie potenzielle Gefahren in ihren Kernbereichen erkennen und verstehen, bevor sie eintreten. Die Organisationen können solche Gefährdungen durch Experimente und Szenarien genau erforschen. So entstehen innovative Lösungen für verschiedene Situationen. 

5. Ausdauer

Unternehmen, die sich auch in Krisensituationen behaupten können, sind resilient. Hier kommt es vor allem auch auf die einzelnen Mitarbeiter an. Empathie, Impulskontrolle, Optimismus sind wichtige Eigenschaften, die im entscheidenden Moment über Sieg oder Niederlage entscheiden können. Auch ist es wichtig, dass sich Unternehmen Gedanken machen über die Ursachen, die zur jetzigen Situation geführt haben.

Resiliente Unternehmen zeichnen sich darüber hinaus dadurch aus, dass Unternehmenswerte fest verankert, Visionen und Missionen jedem Mitarbeiter bekannt sind und die einzelnen Beschäftigten wertschätzend behandelt werden.

Fehler werden in resilienten Organisationen zur Weiterentwicklung genutzt, wie das Beispiel des Nürnberger TOP 100-Unternehmens Schultheiß Projektentwicklung zeigt: Der Bauträger organisiert einmal pro Woche einen Workshop mit dem Titel „Aus Fehlern lernen“. Wo sind die Projekte noch nicht optimal verlaufen? Was können wir wo optimieren? Und wie können wir es künftig besser machen? – Fragen wie diese werden in dem Workshop geklärt.

Und für den oberfränkischen IT-Dienstleister GSD (Gesellschaft für Software, Entwicklung und Datentechnik) gehört es zum Selbstverständnis, Missgriffe und Mängel als Weg zu einer höheren Innovationsfähigkeit zu definieren. 

In turbulenten Zeiten wird Resilienz immer mehr zum strategischen Schlüsselfaktor. Davon betroffen sind Unternehmen aus allen Branchen. Wie wichtig Resilienz ist, zeigt sich immer erst im Notfall – daher sollte sich jedes Unternehmen frühzeitig Gedanken darüber machen, wie es um die eigene organisationale Resilienz bestellt ist.

Weiterführende Literatur und Quellen

Autor

Silja Spreyer ist Leiterin Digitales bei compamedia.

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