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Frank Thelen

„Startup-DNA“ – das neue Buch von Frank Thelen

14. September 2018 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Mit 19 Jahren gründete Frank Thelen sein erstes Unternehmen. Mit 22 erhielt er 1,4 Millionen D-Mark Wagniskapital. Drei Jahre später wohnte er wieder bei seinen Eltern und hatte eine Millionen Mark Schulden. In seiner Autobiographie „Startup-DNA“ erzählt TOP 100-Juror Thelen von den Höhen und Tiefen seines Gründerlebens.

Spätestens seit seinen Auftritten als Investor im VOX-Fernsehformat „Die Höhle der Löwen“ zählt Frank Thelen, seit diesem Jahr Mitglied der TOP 100-Jury, zu den wohl bekanntesten Gründern des Landes. Sieben Technologiefirmen und zahlreiche erfolgreiche Unternehmensbeteiligungen prägen seine Vita. Dennoch liest sich seine Autobiographie nicht wie eine klassische Erfolgsgeschichte. Sie ist viel mehr ein Lehrstück über den Umgang mit beruflichen Rückschlägen.

Programmieren im virtuellen Raum
Programmieren als Leidenschaft – Frank Thelen entdeckte schon früh, wo seine Stärken liegen. (© monsitj / fotolia)

Erste Schritte als Unternehmer

Bereits zu Schulzeiten tätigte Thelen seine erste unternehmerische Investition: Mithilfe eines damals noch sündhaft teuren CD-Brenners versorgte er seinen Freundeskreis mit Musik und PC-Spielen. Pro Kopie verlangte er 100 D-Mark, wobei das Umgehen des Kopierschutzes der Original-CD bereits im Preis inbegriffen war.

Wie in diesem Beispiel zeichnet sich Thelen im gesamten Buch als klassischer „Macher“, auch wenn er selbst diesen Begriff nicht verwendet. Weder seine schulische noch seine universitäre Laufbahn waren von besonderem Erfolg gekrönt, doch sobald er an einem konkreten Projekt arbeiten und programmieren konnte, lief er zur Hochform auf.

Mit seiner Devise des „Im Zweifel einfach machen!“ war Thelen auch zunächst sehr erfolgreich. Nachdem er im Jahr 1994 seine Unternehmerkarriere als Selbstständiger gestartet hatte, begann er nur drei Jahre später gemeinsam mit einem Freund und Geschäftspartner mit der Entwicklung eines ersten eigenen Produkts, einem Router auf Basis des Betriebssystems Linux. Das große Ziel: der Börsengang.

Nadel zersticht einen Luftballon
Mit der dotcom-Blase platzten vorerst auch Thelens Träume vom Reichtum. Folgerichtig musste er seinen 3er-BMW gegen einen alten Ford Ka eintauschen. (© makc76 / fotolia)

Die erste Niederlage

Das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 beendete Thelens Träume jedoch unsanft. Anstatt an der Börse frisches Geld einzusammeln, versank sein Unternehmen innerhalb kurzer Zeit in der Insolvenz. An dieser Stelle der Geschichte gibt sich Thelen erfrischend offen: Er gesteht eigene unternehmerische Fehler und gibt auch freimütig zu, dass er sich in dieser Zeit vom Erfolg habe blenden lassen und die Bodenhaftung verlor.

Vom gefeierten „Wunderjungen“ der New Economy zum Pleitier mit einem siebenstelligen Schuldenberg, der plötzlich wieder bei seinen Eltern wohnen musste. Im zarten Alter von 25 Jahren schien Thelen bereits erledigt. Jenseits der bekannten Euphorie rund um Fehlerkultur und unternehmerisches Scheitern zeichnet Thelen an dieser Stelle ein authentisches Bild davon, was es tatsächlich bedeutet, sein Unternehmen in den Sand zu setzen. Und wieviel Kraft es kostet, diese Niederlage zu überwinden und einen Neuanfang zu wagen.

Der Durchbruch

Trotz der verheerenden Erfahrungen gründet Thelen nur wenige Jahre später sein nächstes Unternehmen. Mit IP.Labs entwickelt er eine Online-Plattform zur Verwaltung digitaler Fotos. Ohne einen finanzstarken Investor im Rücken ist auch dieses Projekt ein Tanz auf der Rasierklinge, doch dieses Mal zahlt sich das Risiko aus. Das Produkt wird zum Erfolg und die Firma schon bald vom japanischen Fujifilm-Konzern übernommen. Thelen hat es geschafft.

Screenshot Wunderlist
Mit seinem Investment in Wunderlist bewies Thelen ein gutes Gespür. Aktuell ist er unter anderem an dem Lufttaxi-Startup Lilium sowie am Krypto-Unternehmen Neufund. (© Gustavo da Cunha Pimenta / flickr)

Vom Gründer zum Investor

In der Folge berichtet Thelen von seinen ersten Beteiligungen als Investor, etwa beim Berliner Start-up „6 Wunderkinder“, deren Projektmanagement-Software „Wunderlist“ mittlerweile bundesweit erfolgreich ist. Doch auch nach dem gelungenen Durchbruch bleibt Thelen vor Misserfolgen nicht gefeit. Die von ihm und seinem Team entwickelte Dokumentenmanagement-App „doo“ wurde zwar international gefeiert, erwies sich wirtschaftlich gesehen jedoch als Flop.

Am Ende des Buches gibt Thelen schließlich noch einen Ausblick auf die aus seiner Sicht wichtigsten Zukunftsthemen. Hier geht es um künstliche Intelligenz, die Blockchain sowie autonomes Fahren bzw. Fliegen. Wem diese Themen bislang fremd waren, der bekommt hier einen guten Überblick über das, was uns in Zukunft (möglicherweise) erwarten wird, für alle anderen bietet dieser Teil jedoch eher geringen Neuigkeitswert.

Buchcover von "Startup-DNA"
© Murmann Publishers

Fazit

Thelens Offenheit im Umgang mit seinen eigenen Fehlern und Misserfolgen ist die große Stärke von „Startup-DNA“. Dadurch wirkt seine Erzählung lebendig und authentisch. Kernaussage: Wer als Unternehmer erfolgreich sein will, muss nicht nur hart arbeiten und für sein Produkt brennen, sondern benötigt vor allem einen langen Atem und Qualitäten als „Stehaufmännchen“.

 

Frank Thelen: „Startup-DNA. Hinfallen, Aufstehen, die Welt verändern", erschienen bei Murmann Publishers, ISBN 9 783867 746113, 22,00€.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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