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Frau beim Social Online Learning.

So werden Online-Weiterbildungen zum Erfolg

06. Februar 2020 Christoph Klawitter Lesedauer 5 Minuten

Gemeinsam lernt es sich leichter: Online-Weiterbildungen sind erfolgreicher, wenn sich die Teilnehmer austauschen können. Das erläutern die TOP 100-Forscher Prof. Dr. Nikolaus Franke und Dr. Rudolf Dömötör und zwei Kollegen in ihrem Buch „Social Online Learning“. Und sie berichten von einer Marktlücke.

Die Digitalisierung schreitet voran. Arbeitsplätze verschwinden, neue entstehen. Damit steigt auch der Weiterbildungsbedarf. Mitarbeiter eines Unternehmens müssen sich für die neuen Berufsfelder und Aufgaben qualifizieren, um den digitalen Wandel mitgehen zu können, gerade in technischen Berufen. Online-Kurse sind für Unternehmen wie für Mitarbeiter dabei interessant, sind sie doch zeitlich flexibler zu handhaben als Präsenz-Kurse. Doch es gibt ein Problem. Die Abbruchraten bei Online-Kursen seien höher als bei der Präsenzvariante, berichten Nikolaus Franke, Rudolf Dömötör, Martin Finkenzeller und Vinzenz Treytl in ihrem neuen Buch „Social Online Learning“.

Denn gerade die weniger leistungsfähigen Mitarbeiter profitieren offenbar noch weniger von Online-Kursen als von Präsenz-Kursen: Mitarbeiter, die bei letzterem schlecht abgeschnitten hatten, zeigten bei Online-Kursen nochmals deutlich schlechtere Leistungen, zitieren die vier Autoren das Ergebnis einer Studie. „Einer der Hauptgründe für den niedrigeren Lernerfolg und die hohen Abbruchraten bei Online-Kursen ist die mangelnde Interaktion der Teilnehmer miteinander und mit dem Lehrpersonal“, stellt das Autorenteam fest. „Die soziale Isolation wirkt auch negativ auf die Motivation.“

Interaktion motiviert

Kursteilnehmer in Präsenz-Kursen können über Kursinhalte sprechen, ihr jeweiliges Vorwissen, ihre Kompetenzen, Erfahrungen und Perspektiven einbringen. Über den Austausch profitieren die Teilnehmer voneinander, auch das Gespräch mit den Lehrern ist möglich. All dies wird auch „soziales Lernen“ oder „Social Learning“ genannt. Ziel der Autoren ist es, das Online Learning, wie beispielsweise Online-Weiterbildungen, mit dem Social Learning zu verbinden – zum Social Online Learning. Die Auswertung einer aktuellen Studie mit mehr als 110.000 Studienteilnehmern und 150 Online-Kursen zeige, dass soziales Lernen der entscheidende Faktor sei, um Kursabbrüchen vorzubeugen, erläutern die Autoren. „Kursteilnehmer, die mit anderen Kursteilnehmern interagieren, sind motivierter und haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, einen Kurs erfolgreich sowie mit guten Noten abzuschließen.“

Etwas Neues: Online Learning und Social Learning verbinden sich zu Social Online Learning. Bild: Christoph Klawitter

In ihrem Buch entwerfen die Wissenschaftler ein Konzept für einen Social-Online-Learning-Kurs namens „Online-Industriemeister“. Der Kurs ist auf zwei Jahre angelegt und bereitet die Teilnehmer auf die Prüfung zum IHK-Industriemeister vor. Die Teilnehmer eines solchen Kurses könnten sich in Chats, sozialen Netzwerken, Diskussionsforen, Videokonferenzen sowie mit Internettelefonie und Desktop-Sharing austauschen, beschreiben die Autoren ihr Konzept. Lernvideos, Online-FAQs (häufig gestellte Fragen), Lernspiele, Musterklausuren und manches mehr helfen den einzelnen Kursteilnehmern, den Lernstoff aufzunehmen.

Von alleine geschieht soziales Lernen nicht

Als Anbieter eines Online-Weiterbildungs-Kurses reicht es allerdings nicht aus, all diese modernen Kommunikationsmethoden zur Verfügung zu stellen und nichts weiter zu unternehmen. „Soziales Lernen in Online-Kursen passiert nicht von alleine“, betonen die Wissenschaftler. Der Online-Weiterbildungs-Kurs solle auch organisatorisch so gestaltet sein, dass die Teilnehmer sich miteinander austauschen müssen. Beispielsweise bieten sich hier Peer-Review-Aufgaben an: Ein Kursteilnehmer korrigiert die Aufgaben eines anderen Teilnehmers. Im Rahmen eines Chats können sich beide Kursteilnehmer dann online darüber unterhalten.

Die Autoren empfehlen, zu Beginn eines Social-Online-Kurses ein „Kick-off“ abzuhalten, also ein persönliches Treffen aller Kursteilnehmer – die einzige Präsenzveranstaltung im gesamten Online-Kurs. Dieser Auftakt könnte das gemeinsame Lernen, das danach ausschließlich online vonstattengeht, erleichtern. Auch regen sie an, dass die Social-Online-Learning-Aktivität des einzelnen Kursteilnehmers von dem Lehrer bewertet und in die Gesamtnote mit aufgenommen werden soll. Wer auf Postings rasch antwortet, selber Relevantes postet und erkennbar Teil der Lern-Community sein will, soll entsprechend positiv bewertet werden.

Prof. Dr. Nikolaus Franke forscht über soziales Lernen. Bild: privat

Zwei verschiedene Lerntypen

Menschen lernen unterschiedlich. Social-Online-Learning-Kurse sollten das berücksichtigen, damit Lehrpersonen individuell auf ihre Kursteilnehmer eingehen können, schreiben die Autoren. Sie empfehlen, schon in der Anmeldephase den Motivationstyp der Kursteilnehmer mittels einer standardisierten Befragung zu analysieren. Teilnehmer, bei denen die „Mastery Orientation“ stärker ausgeprägt ist als die „Performance Orientation“, sprechen demnach vor allem auf inhaltliches Feedback an. Teilnehmer, bei denen hingegen die „Performance Orientation“ dominiert, können besser mit emotionalem Feedback erreicht werden, erläutern die Autoren mit Blick auf die Erkenntnisse der Achievement Motivation Theory.

Menschen mit vorherrschender „Mastery Orientation“ ist es laut dieser Theorie vor allem wichtig, neue Fähigkeiten zu erlernen. Sie nehmen an sozialen Lernaktivitäten teil, wenn sie sich davon etwas versprechen. Lernende mit „Performance Orientation“ hingegen wollen Anerkennung ernten und sich mit den anderen Kursteilnehmern vergleichen. Zudem gebe es Kursteilnehmer, die beide Motivationstypen in sich vereinigen, ergänzen die Wissenschaftler.

Bislang gibt es gemäß den Autoren kaum Social-Online-Learning-Kurse. Für Unternehmen, die im Weiterbildungsmarkt tätig sind oder dort einsteigen wollen, sei das eine große Chance – also eine echte Marktlücke für findige Unternehmer. Auch für Unternehmen, die gemeinsam mit ihren Mitarbeitern nach einer passenden Online-Weiterbildung suchen, bietet die Arbeit von Nikolaus Franke und seinen Kollegen wertvolle Hinweise. Die Firmen können künftig den zur Auswahl stehenden Online-Kurs daraufhin überprüfen, ob soziales Lernen darin ausreichend berücksichtigt worden ist.

Nikolaus Franke, Rudolf Dömötör, Martin Finkenzeller, Vinzenz Treytl: Social Online Learning: Soziales Lernen in Online-Kursen als unternehmerische Gelegenheit. Verlag Wissenschaft & Praxis. ISBN 978-3-89673-752-6. 38 Euro. Herausgeber sind Prof. Dr. Peter Speck und Dr. Detlef Jürgen Brauner.

Autor

Christoph Klawitter schreibt als PR-Redakteur von compamedia für den TOP 100-Blog.

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