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Das Apple-Imperium im Silicon Valley

Silicon Valley - Wer zu den Großen gehören will, darf scheitern

15. Februar 2019 Kerstin Riedmüller Lesedauer 6 Minuten

Warum ist das Silicon Valley ein so erfolgreicher Innovationsstandort? Wovon können wir uns inspirieren lassen? Und warum ist das Fehlermachen in den USA so erwünscht? Diesen Fragen gingen 19 mittelständische TOP 100-Unternehmer fünf Tage lang nach. Ein Reisebericht.

Bereits bei der Ankunft im Land der grenzenlosen Möglichkeiten wurde deutlich: Es ist vor allem Neugierde, das Interesse am Anderen und die Lust am Innovieren, was die Unternehmer motivierte, eine knappe Woche aus dem Arbeitsalltag auszusteigen, um einen Blick ins Silicon Valley zu werfen. Der wissenschaftliche Begleiter Prof. Dr. Nikolaus Franke ermutigte die Teilnehmer, sich offen auf die „Abenteuerreise“ einzulassen. Mit an Bord war auch Tour-Guide Mario Herger, der als Ansprechpartner vor Ort Rede und Antwort stand. 

Der erste Tag begann mit einem „Innovation-Walk“ durch Downtown San Francisco. Stationen waren unter anderem DocuSign, Belcham, AmazonGo und Google. Direkt am Wasser gelegen, boten sich fantastische Ausblicke und modernste Büroräume. DocuSign ist spezialisiert auf die Erstellung elektronischer Dokumente und digitaler Signaturen. Mehr als 250.000 Unternehmen und 100 Millionen User in 188 Ländern nutzen das Programm, um Dokumente zu jeder Zeit, an jedem Ort und mit jedem Gerät vertrauenswürdig zu unterschreiben, zu versenden und zu verwalten.

Die TOP 100 bei Facebook.

Personalpolitik à la Silicon Valley

Alexander Rock, Senior Director Demand Generation, beantwortete zahlreiche Fragen der Teilnehmer. Im Fokus stand das Thema Human Resources. Im Home-Office zu arbeiten, sei bei DocuSign für ein bis zwei Tage pro Woche kein Problem. Auch ein ständiger personeller Wechsel sei nichts Ungewöhnliches. Das sei sogar alle drei bis fünf Jahre erwünscht, um seine Karriere voranzubringen, erläuterte Rock.

Die Verweildauer von Ingenieuren bei Google liegt vergleichsweise mit durchschnittlich 1,2 Jahren deutlich darunter. Warum es trotzdem durchaus attraktiv ist, in der Area 120 zu arbeiten, legte Florian Saalbrechter dar. Wer den Fokus auf Arbeiten in kleinen Teams legt, hat bei Google die Möglichkeit dazu. Die Mitarbeiter können ihre Start-up-Ideen verwirklichen, ohne den Konzern zu verlassen. Hier bieten sich viele Gelegenheiten für Experimente. Dabei wird Scheitern nicht als Makel angesehen – im Gegenteil. Hat man diese Station erst einmal im Lebenslauf, bieten sich ganz andere Optionen, sowohl in anderen Unternehmen als auch im Bedarfsfall von Venture Capital.

Eine Art Startpunkt für erste US-Aktivitäten für europäische Unternehmen bietet Belcham. Dessen erster und wichtiger Service das Bereitstellen einer US-Adresse ist. Darüber hinaus können Arbeitsbereiche im Co-Working-Space und verschiedene weitere Dienstleistungen gebucht werden.

Bei CafeX wird man ausschließlich von Robotern bedient.

Jeden Tag etwas neues Erleben

Bequem und einfach shoppen ohne lange Warteschlangen? Bei AmazonGo ist das möglich. Dort heißt es: App installieren, in den Shop gehen, Artikel in die Tasche legen und wieder rauslaufen. So einfach kann einkaufen sein. Bezahlt wird bargeldlos via App. Abschließend noch einen Kaffee im Cafe X, einem ausschließlich von Robotern betriebenen Kaffeeautomaten.

Beim Shoppen und Käffchentrinken ist es natürlich nicht geblieben. Die weiteren Tage wiesen ein straffes Programm auf. Im Exponential-Workshop bei Businesstherapeut Niki Ernst übten die Teilnehmer neue Blickwinkel einzunehmen. Unter dem Aspekt der Disruption lernten sie vertraute Geschäftsmodelle zu hinterfragen und sie komplett zu verändern. Ernst legte dar, wie die Funktionalität und das Ziel bestimmter Produkte in den Blick genommen werden sollten.

Facebook und Tesla gewähren Einblicke

Inspiration in Sache Arbeitsmotivation holten sich die Innovatoren bei Facebook. Der Social-Media-Gigant hat seine eigene Methode. Facebook möchte mit seiner Unternehmensvision die Mitarbeiter begeistern und ihnen die Möglichkeit geben, mit ihren Ideen ein Teil des Ganzen zu werden. Die Mitarbeiter sollen ihr Potenzial voll entfalten können. Damit das gelingt schafft der Facebook-Konzern ein attraktives Arbeitsumfeld. Dazu zählen unter anderem ein einladender Dachgarten, weite, offene und innovative Räume mit völlig unterschiedlich gestalteten Arbeitsbereichen. Die offene Raumgestaltung ist sinnbildlich für die Arbeitskultur: möglichst offen und kollaborierend sollte sie sein. Dass man bei Facebook ist, wird selten sichtbar. Das Logo findet sich kaum, denn es geht dem Unternehmen augenscheinlich nicht darum, die Marke zu stärken.

Ein weiteres Highlight war die Werksbesichtigung des Autobauers Tesla in Fremont. Mehr als 10.000 Mitarbeiter zählt die riesige Produktionsstätte. Die Teilnehmer fuhren mit einer Bahn durch die weitläufigen Hallen. Vorbei an zahllosen Lagerteilen, an der größten Presse Nordamerikas und zahllosen Robotern. Überraschend chaotisch, scheinbar unstrukturiert mutete das Werk an. Für Überraschung sorgte auch ein Blick ins Großraumbüro. So viele Bildschirm-Arbeitsplätze auf so kleinem Raum hatte wohl noch niemand gesehen.

Uwe Palm begrüßte die TOP 100 bei SAP.

Design Thinking fürs Tennis

Ein Ort, an dem man gern noch einmal studieren möchte, ist die Stanford University – ein für deutsche Verhältnisse luxuriöser und gleichzeitig kreativer Campus. Gastprofessorin Sabine Remdisch führte über den Campus und wies auf die Unterschiede zur deutschen Forschungslandschaft hin: die intensive Pflege der Alumni, die enge Verzahnung von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik und das Herausstellen erfolgreicher Absolventen. Interessant war hier die von SAP-Gründer Hasso Plattner gegründete Standfort d.School. 

Design Thinking war auch das Thema von Justin Lokitz von Business Model Inc. Dieser Ansatz wird zur Problemlösung und zur Entwicklung neuer Ideen eingesetzt, die möglichst anwenderorientiert sind und in enger Kooperation mit dem Kunden stehen. Drei wesentliche Elemente sind dabei wichtig: multidisziplinäre Teams, variable Räume und Prozesse. Mit Design Thinking ging es – ganz klar – auch bei SAP weiter.

Program Director Uwe Palm erläuterte die Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen durch Design Thinking-Prozesse. Dabei erfuhren die Unternehmer, wie außergewöhnliche Apps innerhalb von drei Monaten mit Hilfe dieses Verfahrens entwickelt werden. Zum Beispiel eine Tennis-App, die Spielern und Trainern eine Spielanalyse liefert, die wiederum zu verbesserten Trainingsmethoden führt.

Was haben wir mitgenommen?

Das Fazit unserer Reise: Die meisten Teilnehmer inspirierte der Think-big-Gedanke. Das heißt, im Silicon Valley wird größer gedacht. Viel größer, als wir es gewohnt sind – „the sky is the limit“ heißt es. Besonders ist auch die Fehlerkultur: Scheitern ist durchaus gewünscht, je früher, desto besser, denn Fehler werden in der Regel nur einmal gemacht. Deutlich wurde in den erfreulich offenen Gesprächen die Einstellung der Mitarbeiter. Die meisten leben die Unternehmensvision und zeigen viel Eigeninitiative und Engagement. Und das gilt oft schon für die untersten Hierarchiestufen. Gleichzeitig herrscht natürlich auch ein hoher Leistungsdruck. Kündigungsschutz gibt es keinen. Aber auch keinen Wettbewerbsschutz wie wir ihn kennen. So kann ein Mitarbeiter theoretisch morgens bei Google arbeiten und nachmittags bei Facebook beginnen, solange er kein geistiges Eigentum mitnimmt. Kurzum: Herausforderungen als Chance sehen, „open-minded“ sein, positive Reaktion auf Ideen statt Kritik und Bedenken zeigen und der Vorsilbe „Co“- mehr Präsenz geben, im Sinne von mehr Co-Operation, Co-Working… das sind einige Aspekte, die die Teilnehmer mitnehmen konnten.

Autor

Kerstin Riedmüller kümmert sich bei compamedia um Planung und Organisation der TOP 100-Events und des Deutschen Mittelstands-Summit.

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