Search inside yourself: In 10 Minuten zu mehr Achtsamkeit

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Search inside yourself: In 10 Minuten zu mehr Achtsamkeit

09. Februar 2017 Silja Spreyer Lesedauer 6 Minuten

Mit Innovationen ist es so eine Sache: Schöpferische Ideen entstehen vor allem in den Momenten, in denen wir so richtig abschalten. Doch in unserer chaotischen und digitalen Zeit ist es gar nicht so leicht, einen klaren Kopf zu behalten. Dabei ist die Lösung so einfach: Werden Sie achtsam!

Der Jobtitel des früheren Google-Mitarbeiters Chade-Meng Tan (oft auch schlicht Meng genannt) lautete „Jolly Good Fellow“. Sie können es nachlesen, das stand sogar auf seiner Visitenkarte. Seine Aufgabe: Die Google-Mitarbeiter sollten inneren Frieden und Ruhe erlernen – durch Achtsamkeit und Meditation. 2007 führten Google und Meng das Programm „Search inside yourself“ ein; ein zweitägiger Workshop, der den Teilnehmern Achtsamkeit, emotionale Intelligenz und Resilienz beibringt. 

Die Themen Achtsamkeit und Meditation gehörten lange Zeit in die „Esoterik-Ecke“ und wurden daher nicht ernst genommen. Doch seitdem die Wissenschaft diese Felder unter die Lupe genommen hat, öffnen sich auch immer mehr Unternehmen dafür. Inzwischen ist es wissenschaftlich erwiesen, dass generelle Achtsamkeitsübungen die Gehirnstrukturen positiv verändern und sich sehr vorteilhaft auf die Gesundheit auswirken. Meditation ist sozusagen die Operationalisierung von Achtsamkeit. Sie hilft nachweislich dabei, Stress, Ängste und Selbstzweifel zu reduzieren, die Schmerzempfindlichkeit zu lindern, die Gehirnleistung zu stärken, den Blutdruck zu senken und die Erkältungsanfälligkeit zu minimieren.

Wann haben Sie das letzte Mal ganze zehn Minuten lang absolut nichts getan? Keine SMS, keine Gespräche, keine Gedanken? Andy Puddicombe, Experte im bewussten Sein, beschreibt die transformative Kraft genau dessen: Den Geist zehn Minuten am Tag erfrischen, einfach indem wir achtsam sind und den gegenwärtigen Augenblick erleben. (Ganz ohne Räucherstäbchen oder seltsame Sitzpositionen.)

„Must-have für jedes Unternehmen“

Dank der vielen positiven Effekte wird Achtsamkeit unter anderem von der Harvard Business Review als „Must-have“ für jedes Unternehmen bezeichnet. Überhaupt scheint Achtsamkeit der Zukunftstrend schlechthin zu sein. Doch was genau macht Achtsamkeit überhaupt aus?

Achtsamkeit kann als eine besondere Form von Aufmerksamkeit bezeichnet werden. Man fokussiert sich auf den Moment, versucht alle Facetten wahrzunehmen – ohne jedoch geistig zu bewerten oder Vorurteile aufzubauen.

Die Spitze des Eisbergs: unser Bewusstsein. Doch unter Wasser liegt ein riesiger "Batzen" an Unterbewusstsein, das fast unser komplettes Handeln bestimmt. (© adimas/fotolia.de)

Wahrscheinlich kennen Sie bereits das berühmte Eisberg-Modell, das auf Überlegungen von Sigmund Freud basiert. Freud nahm an, dass das menschliche Bewusstsein nur etwa 10 bis 20 Prozent ausmacht (= die Spitze des Eisbergs), während das Unterbewusstsein mit etwa 80 bis 90 Prozent komplett im Verborgenen (also unter Wasser) liegt. Ganz konkret kann unser Gehirn pro Sekunde etwa 11 bis 12 Millionen Bit an Informationen aufnehmen, aber nur 40 bis 50 Bit werden tatsächlich bewusst erlebt. 

Wenn es dann beispielsweise darum geht, Entscheidungen zu treffen, greift unser Gehirn aus Gründen der Effizienz auf alte Erinnerungen und Assoziationen sowie auf gedankliche Deutungsrahmen (so genannte „Frames“) zurück. Die jüngere Gehirnforschung ist sich mittlerweile fast sicher, dass der Mensch komplett von seinem Unterbewusstsein gesteuert wird und der freie Wille nur eine Illusion ist. 

Ein achtsamer Mensch ist jedoch in der Lage, sich bewusst zu machen, wie sein Verstand auf Gedanken, Empfindungen und Informationen reagiert, indem er alte Gewohnheitsmuster und Handlungsstränge (die üblicherweise unbewusst das Verhalten steuern) genau betrachtet und hinterfragt. Diese Art der Aufmerksamkeitssteuerung schafft großen Raum für Kreativität in jeglicher Form – und macht den Weg zu innovativen Ideen frei. 

10 bis 15 Minuten täglich reichen

In einer Studie der Eliteuniversität Harvard fanden Wissenschaftler heraus, dass schon 10 bis 15 Minuten Achtsamkeitsübungen pro Tag reichen, um positive Effekte zu erzielen. 

Ein paar Anregungen:

1) Starten Sie achtsam in den Tag

Greifen Sie nach dem Aufstehen (und auf keinen Fall im Bett) nicht direkt zum Handy. Lassen Sie Nachrichten, E-Mails und Soziale Medien erst einmal außen vor. Widmen Sie sich sich selbst: Wie fühlen Sie sich in diesem Moment? Wo sind Verspannungen, was fühlt sich gut an? Hilfreich ist auch ein Body Scan: 

Schließen Sie Ihre Augen, atmen Sie langsam und tief ein. Wenn Sie ruhig und entspannt sind, fokussieren Sie Ihre Aufmerksamkeit zunächst auf Ihre Füße. Versuchen Sie, jede Anspannung und jedes Gefühl zu spüren und „wandern“ Sie auf diese Weise durch Ihren Körper. Versuchen Sie, Ihre Gedanken nicht abdriften zu lassen und vor allem: Nehmen Sie diese völlig wertfrei auf. Das ist am Anfang manchmal langweilig, kann sogar mitunter auch richtig unangenehm sein – doch die Mühe lohnt sich!

2) Machen Sie nur das, was sich für Sie wirklich richtig anfühlt

Zugegeben, es gibt schon viele Ratgeber darüber, im Alltag und Berufsleben das Heft wieder in die eigene Hand zu nehmen. Und doch kann man sich das gar nicht oft genug fragen: Fühlt sich das, was ich gerade tue, wirklich gut und richtig für mich an?

Versuchen Sie, diese Frage nicht mit Ihrem Kopf zu beantworten – unser Bewusstsein ist evolutionsbedingt grundsätzlich pessimistisch und wird Ihnen direkt 100 Gründe nennen, warum Sie dieses und jenes jetzt machen müssen.  Versuchen Sie auch hier, auf Ihren Körper zu hören. Gehen Sie spielerisch damit um und visualisieren Sie Ihre Möglichkeiten. Wie fühlt sich das jeweils an? Reagiert Ihr Körper mit Abwehr, ist das definitiv ein Zeichen dafür, dass Sie einen anderen Weg wählen sollten!

3) Versuchen Sie, zu meditieren

Eines der größten Vorurteile gegenüber Meditation ist, dass man während einer Meditation an nichts denken soll. Das Problem an der Sache: Unser Gehirn ist überhaupt nicht dazu in der Lage, an nichts zu denken. Zwingen Sie sich also nicht dazu!

Denn eigentlich geht es darum, alles belastende loszulassen und sich dem Moment hinzugeben. Gedanken vorbeiziehen zu lassen, ohne sich in sie zu vertiefen. Die besten Zeiten für die Meditation sind früh morgens oder spät abends, wenn der Geist ohnehin entspannt ist. Schon 5 bis 10 Minuten reichen am Anfang, aber natürlich ist es empfehlenswert, diese Dauer langsam zu steigern. 

Anfänger können mit geführten Meditationen starten, die zum Beispiel kostenlos auf YouTube zu finden sind. Wem diese Meditationen zu lange dauern, der kann auch eine ganz einfache Atemübung machen: 

Setzen Sie sich dazu entspannt hin. Atmen Sie nun tief ein und aus und beobachten Sie, wie der Atem zunächst in die Nase und dann in die Lunge fließt. Lassen Sie aufkommende Gedanken einfach weiterziehen. Sie können auch jedes ein- und ausatmen zählen, wenn Ihnen das zur Konzentration hilft.

4) Beobachten Sie Ihre Gedanken 

Beim Beobachten der Gedanken geht es nicht darum, ab sofort nur noch positiv zu denken – im Gegenteil. Das Beobachten der Gedanken ist die eigentliche Essenz der Achtsamkeit, denn es führt dazu, unbewusstes Handeln abzustellen und mehr Kontrolle über den eigenen Verstand zu erhalten.

Wenn zu viele offene Fragen den Weg versperren, kann Achtsamkeit helfen, wieder klare Gedanken zu fassen. (©pathdoc / fotolia.de)

Versuchen Sie, Ihre Gedanken bewusst wahrzunehmen, vor allem in besonders stressigen Situationen und dann, wenn Sie ganz besonders negativ einer Sache gegenüber eingestellt sind. Gehen Sie zu Ihrem eigenen Denken auf Distanz, indem Sie eine neue Perspektive einnehmen und dadurch zum Beobachter werden. Das ist in etwa so, wie wenn ein Schauspieler auf der Bühne steht und gleichzeitig versucht, die Rolle des Zuschauers einzunehmen. 

Das können Sie erreichen, indem Sie Ihre Gedanken hinterfragen (vor allem die, die ständig auftauchen). Fragen Sie sich, warum Sie den jeweiligen Gedanken gerade denken und was dieser Gedanke mit Ihnen macht. Ohne jedoch – und das ist wesentlich – dass Sie Ihren Gedanken direkt be- oder verurteilen. Versuchen Sie neutral zu bleiben. Das ist vor allem am Anfang mitunter sehr schwer, kann aber auch schnell zur Routine werden.

Einfach mal anfangen

Das mag jetzt vielleicht am Anfang alles sehr langwierig und aufwendig klingen – ist es aber gar nicht, versprochen! Wichtig ist nur, einfach mal anzufangen. Vielleicht schaffen Sie es ja sogar, die Achtsamkeit in Ihren Unternehmensalltag einzubauen und auf diese Weise neue Innovationskraft zu schöpfen – von innen!

Autor

Silja Spreyer ist Leiterin Digitales bei compamedia.

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