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Kreative Impulse kommen von außen

Open Innovation für den Mittelstand

24. Januar 2019 Bastian Unterberg Lesedauer 5 Minuten

Kreative Impulse von außen? Kaum ein Unternehmen würde dieses Angebot ablehnen. Doch wo findet man die richtigen Experten für die eigenen Innovationsthemen und -projekte? Open-Innovation-Plattformen wie jovoto vernetzen Mittelständler und große Unternehmen mit Talenten aus aller Welt.

Kundenservice per künstlicher Intelligenz, Supermärkte ohne Personal, selbstfahrende Autos oder Hausbau per 3D-Druck – all das ist bereits Realität. Wir befinden uns am Beginn der vierten industriellen Revolution, dem Übergang von der Digitalisierung hin zu Innovationen, die auf einer Verschmelzung verschiedener Technologien basieren. Diese Technologien führen dazu, dass ein großer Teil der heutigen Jobs morgen überfällig wird. Die vierte industrielle Revolution wird das heutige Verständnis von Arbeit auf den Kopf stellen. Natürlich wird die Frage, ob mit der digitalen Transformation auch das Ende der Arbeit kommt, oder nicht, kontrovers diskutiert. Eines aber ist klar: Der Wandel tangiert alle Branchen sowie Organisations- und Unternehmensformen jeglicher Art und Größe.

Herausforderung der etablierten Player

Selbstfahrendes Auto bremst vor Fußgänger
Das autonome Fahrzeug ist nur eine der aktuellen Erfindungen mit disruptivem Potential. (©fotohansel/fotolia.com)

Deutschland ist nicht nur Heimat einer Vielzahl von Unternehmen, die mit ihren Produkten den globalen Markt dominieren, sondern bekannt für einen starken Mittelstand, der viele Weltmarktführer beherbergt. Ein Großteil der mittelständischen Unternehmen ist hochspezialisiert und dominiert die eigene Branche. Es handelt es sich häufig um stark „ingenieurgetriebene“ Unternehmen, bei denen der Erfindergeist der Gründer den Grundstein für den Erfolg gelegt hat. Lange wurden viele dieser Weltmarktführer und Mittelständler durch vergleichsweise hohe Markteintrittsbarrieren geschützt, doch die Digitalisierung bricht diese Barrieren zunehmend auf. So erlaubt beispielsweise die stetig wachsende Rechengeschwindigkeit das „Real-Time-Processing“ von Verkehrssituationen – Grundlage des autonomen Fahrens und eine Disruption für die Automobilbranche.

Der „Global Innovation Index 2017“, ein internationaler Vergleich der Innovationskraft von rund 130 Ländern, gibt zunächst wenig Anlass zur Sorge: Deutschland ist auch in diesem Jahr einer der führenden Innovationsstandorte weltweit. Daran ist der deutsche Mittelstand maßgeblich beteiligt. Je schneller und komplexer der digitale Wandel, desto weniger bieten traditionelle Methoden Unternehmen jedoch die nötige Innovationskraft und -geschwindigkeit. Während der Innovations-Imperativ an allen Fronten drängender wird, werfen die Veränderungen zugleich zentrale Fragen auf: Mit welchen Werkzeugen lassen sich in einer Zukunft, deren einzige Konstante der Wandel ist, Produkte, Services und Geschäftsmodelle erfolgreich innovieren? Welche Innovationsstrategien müssen Mittelständler verfolgen, um am (globalen) Markt bestehen zu bleiben?

Unternehmen öffnen sich

Der Mittelstand befindet sich im Aufbruch, die Tragweite der Digitalisierung ist zumindest in den meisten Chefetagen erkannt, doch der Fokus auf die eigenen Stärken, der lange als Quelle des Unternehmenserfolges kultiviert wurde, erweist sich nun als Blockade. Es beginnt ein Öffnungsprozess, denn selten sind die benötigten digitalen Kompetenzen und Intrapreneure bereits unter den eigenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu finden.

Außenansicht des Google-Hauptsitz im Silicon Valley

Wird Inhabern oder der Geschäftsführung auf Bildungsreisen ins Silicon Valley oder nach Berlin bewusst, mit welcher atemberaubenden Geschwindigkeit eine Vielzahl von Start-Ups an neuen digitalen Produkten und Services arbeitet, so wächst die Bereitschaft, sich zu öffnen und über den Tellerrand zu schauen. Für viele dieser Unternehmen ist dies der Auftakt eines Kulturwandels.

Nun ist aller Anfang bekanntlich schwer, umso wichtiger ist vor allem, Veränderung als Chance zu verstehen und selbst Initiative zu ergreifen. Auch wenn die Umsetzung vieler Initiativen wie Corporate-Accelerator-Programme, Co-Working Studios, Hackathons oder Corporate Venturing nicht selten den Ausdruck einer gewissen Orientierungslosigkeit annehmen, ist es wichtig, die eigene Organisation zu verlassen und neue Schnittstellen zu etablieren. Die Geschwindigkeit, mit der Erkenntnisse gewonnen werden und auch Fehler gemacht werden dürfen, ist entscheidend, um mittelfristig eine sinnvolle Vernetzung neuer Innovationsmethoden mit der eigenen Organisation zu realisieren.

Open-Innovation-Plattformen als Lösungsmodell

Screenshot der jovoto-Homepage
Open-Innovation-Plattformen wie jovoto bringen Mittelständler mit kreativen Denkern zusammen. (© Homepage jovoto / eigener Screenshot)

Ein weiteres Instrument, um im Kontext großer Veränderungen schneller Orientierung zu erhalten, sind Open-Innovation-Plattformen, wie zum Beispiel Open IDEO, jovoto oder Innovation Factory. Diese Plattformen ermöglichen den globalen Zugang zu einer Vielzahl an Talenten mit unterschiedlichster Expertise. Mit Hilfe dieser externen Experten werden in einem vernetzten Prozess die eingegebenen Fragestellungen auf eine sehr breite Art und Weise sondiert, um so die Möglichkeitsräume zukünftiger Lösungen abzubilden. Dem Anwendungsraum sind dabei kaum Grenzen gesetzt – von der Antizipation neuer Mobilitätskonzepte hin zu neuen Geschäftsmodellen für Banking Services, der Sondierung von Kundenbedürfnissen von Millennials im Fast-Moving-Consumer-Geschäft oder der Exploration künftiger Wertschöpfungsketten eines Mittelständlers für weiße Ware.

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der Gütersloher Familienkonzern Miele, der bei Qualität und Innovation als Benchmark seiner Branche gilt. Auch hier ist man sich aber deutlich im Klaren darüber, dass sich mit der Digitalisierung die Innovationszyklen rasant verkürzen – und setzt auf Open Innovation. „Diese Form der Transparenz und Verzahnung nach außen ist für uns unausweichlich und im Ergebnis äußerst hilfreich “, sagt Dr. Stefan Breit, Geschäftsführer Technik der Miele Gruppe. Die Dynamik und Ideenvielfalt auf Seiten der externen Entwickler sei eine wertvolle Ergänzung zu der markt- und produktbezogenen Kompetenz der Ingenieure bei Miele. Als besonders effizient erweist sich dabei der systematische, plattformbasierte Ansatz, mit 150 Ideen aus 50 Ländern allein im Auftaktprojekt, von denen 50 projektweise weiterverfolgt würden. „Davon ganz abgesehen“, so Breit weiter, „liefert diese hochverdichtete Kooperationsform wertvolle Impulse zur Stimulation der digitalen Prozesse in unserer eigenen Organisation.“

Der plattformbasierte Ansatz von Open Innovation ist zukunftsweisend. Denn er begegnet den zwei wesentlichen Herausforderungen, denen etablierte Innovationsmethoden zunehmend seltener gerecht werden: Der zunehmenden Komplexität und der stetig steigenden Geschwindigkeit, mit der sich Veränderungen vollziehen. Dank dem flexiblen Zugang zu unterschiedlicher Expertise und ihrem interdisziplinären, kollaborativen Arbeitsprozess finden sich auf Open Innovation Plattformen auch für die komplexesten Herausforderungen die passenden Lösungsansätze. Digitale Arbeitsräume, hohe Verfügbarkeiten und der starke Vernetzungsgrad der Plattformen ermöglicht die Exploration von Zukunftsthemen in wenigen Wochen.

Zusammenarbeit in der Crowd

Aus vielen kleinen Ideen wird eine Große
Aus Kooperation entstehen die besten Ideen – Über Open-Innovation-Plattformen findet sich für jedes Projekt das passende Team. (©Torbz / fotolia.com)

Ein Differenzierungsmerkmal von Open-Innovation-Plattformen ist die Bereitschaft und auch die Möglichkeit der Talente im Arbeitsprozess zusammenzuarbeiten. Diese Plattformen sind also nur so gut wie die Talente, die sich dort engagieren. Kollaboration fordert den Talenten in Open Innovation Projekten einen höheren Arbeitseinsatz ab. Schließlich muss nicht nur die eigene Lösung erarbeitet und präsentiert werden, sondern ist zudem noch Feedback und die Abstimmung im Team oder gar die Weiterentwicklung der eigenen Lösungen gefragt.

Kollaborative Open-Innovation-Plattformen bearbeiten daher in der Regel eine wesentlich höhere Problemkomplexität. Um die besten Talente zu motivieren, gemeinsam ein komplexes Problem zu lösen, verstehen Open-Innovation-Plattformen ihre Talente als Partner. Deshalb orientieren sich die Organisationsprinzipien im Wesentlichen an den Interessen der Talente. Es gilt: Talent is key – und Open-Innovation-Plattformen wie jovoto sind für mittelständische Projektgeber ein guter Weg, um in kurzer Zeit von der Kreativität einer Vielzahl dieser Talente zu profitieren.

Autor

Bastian Unterberg gründete nach seinem Designstudium an der Berliner Universität der Künste im Jahr 2007 die Open-Innovation-Plattform jovoto. Hier arbeiten globale Marken und Organisationen gemeinsam mit Kreativen aus 153 Ländern an der Weiterentwicklung ihrer Produkte, Services und Geschäftsmodelle.

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