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Die TOP 100-Unternehmen sind besonders stark digitalisiert.

Neue Top-Innovatoren sind Vorreiter der Digitalisierung

09. Juni 2020 Christoph Klawitter Lesedauer 5 Minuten

Corona hat noch einmal unmissverständlich klargemacht: An der Digitalisierung führt kein Weg vorbei. Gut gerüstet dafür sind die neuen TOP 100-Unternehmen, die wir am 19. Juni bekannt geben. In unserem Blog verraten wir schon einmal, welche drei digitalen Anwendungen sie häufiger nutzen als andere Mittelständler.

Das Firmengebäude ist nahezu verwaist, allein streift der Chef durch die leeren Flure. Nur an wenigen Schreibtischen sitzen noch Mitarbeiter, es herrscht eine fast schon gespenstische Ruhe im Haus, fast alle Mitarbeiter sind im Homeoffice oder in Kurzarbeit: Dieses Szenario aus den vergangenen Wochen dürfte vielen Mittelständlern bekannt vorkommen. 

Wohl dem, der vorgesorgt hat und sich schon vorher aktiv mit der Digitalisierung beschäftigt hat – so wie die 257 TOP 100-Unternehmen, die wir in wenigen Tagen bekannt geben. Eine Sonderauswertung der wissenschaftlichen Leitung von TOP 100 zur Digitalisierung – noch basierend auf der Zeit vor der Coronakrise – zeigt, dass dieses Thema bei den frischgebackenen Innovationschampions einen sehr hohen Stellenwert genießt: Bei 94 Prozent der neuen TOP 100-Unternehmen beschäftigt sich die Geschäftsführung seit langem aktiv mit der Digitalisierung – und drängt auch auf deren Umsetzung.

Dies ist im Mittelstand alles andere als selbstverständlich: So untersuchte die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) im Jahr 2017, wie es um die Digitalisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen im Bundesland Nordrhein-Westfalen bestellt ist. Demnach beschäftigten sich nur 13,3 Prozent der Mittelständler aus dieser Studie mit der Digitalisierung – bei den neuen Top-Innovatoren ist der Wert also sieben Mal so hoch. Weitere Punkte spiegeln die Digital-Affinität der TOP 100-Unternehmen wider: 84 Prozent sagen, dass die Digitalisierung der entscheidende Faktor für die Weiterentwicklung ihrer Produkte und Leistungen sei – neun Mal so viele Unternehmen wie bei den Mittelständlern aus der FHM-Studie (9,5 Prozent).

78 Prozent steuern alle Aufgaben und Prozesse über eine Software

Weitere Zahlen aus der aktuellen TOP 100-Runde zeigen, wie sehr viele Top-Innovatoren inzwischen auf Digitalisierung setzen: 78 Prozent von ihnen steuern sämtliche Aufgaben und Prozesse über eine Software – ob für den Einkauf, die Entwicklung, die Auftragsabwicklung oder beispielsweise die Verwaltung (Mittelständler aus der FHM-Studie: 50,8 Prozent). Bei 67 Prozent sind die IT-gestützten Anwendungen im Haus miteinander über Schnittstellen verknüpft (FHM-Studie: 23,2 Prozent). 55 Prozent der Top-Innovatoren haben den Prozess des Kundenkontaktes vollumfänglich über ein IT-System digitalisiert – von der ersten Kontaktaufnahme bis hin zur Auftragsabwicklung (FHM-Studie: 16,5 Prozent).

Verschiedene Studien zeigen: Viele Mittelständler haben noch Defizite in der Digitalisierung. Bild: Adobe Stock/domoskanonos

64 Prozent der neuen Top-Innovatoren kommunizieren auch im eigenen Unternehmen intensiv über softwarebasierte Kanäle, beispielsweise Skype oder Messenger-Dienste. „Für die Vor-Corona-Zeit ist das ein guter Wert“, sagt dazu Prof. Dr. Nikolaus Franke, der zusammen mit Dr. Rudolf Dömötör den Wettbewerb TOP 100 wissenschaftlich verantwortet. „Mittlerweile sollte er aber weiter gestiegen sein“, ergänzt er mit Blick auf die Tatsache, dass viele Unternehmen in Corona-Zeiten ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben. Ähnlich verhält es sich bei der der Nutzung von Teleworking – also Homeoffice und Arbeiten von unterwegs: Hier gaben vor Corona 36 Prozent der neuen Top-Innovatoren an, dass ihre Mitarbeiter Teleworking intensiv nutzen würden. „Das ist ebenfalls schon ein guter Wert“, sagt Franke. „Auch dieser dürfte inzwischen höher liegen.“ 

Eine Randstad-ifo-Personalleiterbefragung deutet darauf hin, dass Homeoffice gerade im Mittelstand noch nicht sehr verbreitet ist – jedenfalls vor Corona: Nur 30 Prozent der Mittelständler bis 50 Mitarbeiter boten beispielsweise laut dieser Studie demnach überhaupt das Arbeiten von zu Hause aus an – und wiederum nur ein Prozent der Mitarbeiter nahm diese Option dann regelmäßig in Anspruch. „Vor allem im Mittelstand war Homeoffice bislang eine Randerscheinung“, bilanzieren der Personaldienstleister Randstad und das ifo-Institut.

Viele Mittelständler haben noch Nachholbedarf

Der Mittelstand und die Digitalisierung, noch ist es also nicht überall eine Erfolgsgeschichte. Diese Schlussfolgerung ziehen auch die Experten der Förderbank KfW, die mit ihrem Mittelstandspanel regelmäßig wirtschaftlichen Fragen nachgehen. „Die Digitalisierung kommt zwar immer mehr in der Breite des deutschen Mittelstands an – die Masse der mittelständischen Unternehmen vollzieht sie bisher allerdings in kleinen Schritten“, stellt Dr. Fritzi Köhler-Geib fest, Chefvolkswirtin der KfW-Bankengruppe. Die Coronakrise werde hier jedoch eine Zäsur setzen und als Beschleuniger der digitalen Transformation wirken. Das Beratungsunternehmen Accenture wiederum sieht in seiner ebenfalls vor der Coronakrise erstellten Studie ein Problem darin, dass sich viele Mittelständler mit diversen parallelen Digitalisierungs-Pilotprojekten verzetteln würden – mit dem Resultat, dass dann vier von fünf Projekten letztlich abgebrochen würden.

Die Analyse von Big Data wird immer wichtiger - auch für Mittelständler. Bild: Adobe Stock/Dmitry

Dass die neuen Top-Innovatoren Vorreiter der Digitalisierung im Mittelstand sind, zeigen auch speziell drei digitale Anwendungsfelder: Analyse von Big Data, Nutzung von Cloud-Anwendungen und künstliche Intelligenz – diese Bereiche nutzen die TOP 100-Unternehmen überdurchschnittlich oft, wie ein vergleichender Blick auf eine Studie der WHU Otto Beisheim School of Management zeigt. Diese Studie untersuchte unter anderem, wie stark mittelständische Familienunternehmen digitale Technologien im Alltagsgeschäft verwenden. Während 38 Prozent der befragten Unternehmen laut dieser Studie Cloud-Anwendungen einsetzen, sind es bei den Top-Innovatoren 56 Prozent. Der Analyse von Big Data wenden sich 23 Prozent der Top-Innovatoren zu, bei den befragten Familienunternehmen sind es nur 18,7 Prozent. Künstliche Intelligenz setzen 10 Prozent der 257 TOP 100-Unternehmen ein, während es bei den Familienunternehmen aus der Beisheim-Studie nur 4,9 Prozent sind, also nur halb so viele.

„Mehr denn je sollten mittelständische Unternehmen auf Digitalisierung setzen“, resümiert Nikolaus Franke. „Die TOP 100-Unternehmen schreiten hier voran.“

Autor

Christoph Klawitter schreibt als PR-Redakteur von compamedia für den TOP 100-Blog.

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