Am Puls der Zeit
bleiben: mit dem
TOP 100-Blog

Megafon ruft: "We want you!"

Nachwuchs für den Mittelstand

23. November 2017 Pascal Simon Lesedauer 4 Minuten

Qualifizierte Arbeitskräfte und motivierter Nachwuchs sind schwierig zu finden. Eine aktuelle Studie zeigt: Gerade im Mittelstand bleiben derzeit viele Positionen vakant – eine brenzlige Situation. Ein Top-Innovator aus Wiesloch begegnet dieser Herausforderung mit einem innovativen Konzept.

Seit Jahren schon geistert das Schreckgespenst des „Nachwuchs- und Fachkräftemangels“ durch die öffentliche Debatte. Denn in Zeiten, in denen die Beschäftigtenzahlen neue Höchststände erreichen, sind qualifizierte neue Mitarbeiter schwer zu finden. Tatsächlich könnte das Beschäftigungswachstum wohl noch viel stärker ausfallen, wenn es nur genügend geeignete Bewerber gäbe. Dass die jedoch immer öfter ausbleiben, zeigt das „Mittelstandsbarometer Januar 2017“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Insgesamt 3.000 mittelständische Unternehmen wurden von den Analysten von EY befragt – die Resultate zeichnen ein alarmierendes Bild. Demnach klagt eine überwältigende Mehrheit von 78 Prozent der Befragten über Probleme bei der Suche von geeigneten Fach- und Nachwuchskräften. In der Konsequenz bleiben viele Stellen vakant, was bei rund der Hälfte der Befragten zu Kapazitätsengpässen führt. Diesen Unternehmen gehen in der Folge Aufträge verloren. Die Mehrheit der befragten Unternehmen sieht in dieser Unterversorgung mit qualifizierten Arbeitskräften die größte Gefahr für die Zukunft ihres Unternehmens.

„Gerade kleinere Unternehmen in ländlicheren Regionen, deren Produkte in der breiten Bevölkerung wenig bekannt sind, werden es tendenziell immer schwerer haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, sagt Peter Englisch, einer der Autoren des Mittelstandsbarometers in der offiziellen Pressemitteilung von EY. Doch was können Unternehmen tun, um diesem Problem zu begegnen?

Ying-Yang-Symbol symbolisiert die Work-Life-Balance
Eine gute Work-Life-Balance oder doch lieber eine „steile Lernkurve“? Wenn es um die Wünsche junger Talente geht, tappen viele Arbeitgeber noch im Dunkeln. (© Jr Casas / fotolia.com)

Womit lassen sich Bewerber locken?

Damit sind wir beim Thema „Employer Branding“. Tatsächlich nutzen viele Mittelständler bereits klassische Instrumente wie etwa Imagefilme, einen Social-Media-Auftritt oder Mitarbeiterblogs, um sich potenziellen Bewerbern gegenüber optimal zu präsentieren. Das Problem liegt jedoch oftmals weniger an der Auswahl der geeigneten Instrumente, als an deren inhaltlicher Ausgestaltung. Viele Unternehmen wissen nicht so recht, was ihre Wunschbewerber – allen voran die Vertreter der Generationen Y und Z – eigentlich von ihnen erwarten.

Geht es ihnen um ein möglichst hohes Gehalt und schnelle Aufstiegsmöglichkeiten oder stehen doch eher ein sicheres und stabiles Arbeitsumfeld sowie die Vereinbarkeit des Berufs mit Freizeit und Familie im Vordergrund ? Ein Grund für die Unsicherheit ist vermutlich, dass bevorzugt über die Generation Y gesprochen wird, deren Vertreter selbst jedoch viel zu selten zu Wort kommen.

Ein Kongress für Nachwuchskräfte

Das dachte sich auch Klaus Schindlmeier, Geschäftsführer der Palatin Kongresshotel und Kulturzentrum GmbH, einem amtierenden TOP 100-Unternehmen. Schindlmeiers Idee: ein spezieller Kongress, auf dem Nachwuchskräfte des Hotelgewerbes sich darüber austauschen, wie sich die Branche verändern muss, um für die eigene Generation attraktiver zu werden. So entstand das Projekt „Hotalents“, das von den eigenen Nachwuchskräften des Palatin organisiert wird. Die Hauptverantwortung für die Veranstaltung am 26. Februar kommenden Jahres hat Schindlmeier seiner Assistentin Lisa Aenis übertragen. Auch sie zählt mit Mitte zwanzig selbst zur Zielgruppe des Kongresses.

„Wir wollen mit jungen Talenten über die Zukunft der Gastronomie und Hotellerie sprechen und gemeinsam überlegen, wie wir neue Impulse setzen und einen Imagewandel anstoßen können“, sagt Aenis. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass dieser Wandel dringend benötigt wird. Nach Angaben des Branchenverbands DEHOGA hat sich die Zahl der Auszubildenden im Hotel- und Gastro-Gewerbe seit 2007 halbiert. Tendenz: sinkend. Zu unattraktive Arbeitszeiten, zu viele Überstunden.

"Hotalents"-Logo
Wie muss sich die Hotelbranche verändern, um sich gerade bei den jungen Generationen als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren? Das ist die Leitfrage des „Hotalents“-Kongress am 26. Februar. (© Palatin Kongresshotel und Kulturzentrum)

Ein Top-Innovator als Vorreiter

Auch Lisa Aenis erzählt von der anfänglichen Skepsis aus ihrem persönlichen Umfeld: „Viele haben mich gefragt: ‚Hotellerie? Bist Du Dir sicher?‘“ Dabei, so Aenis, bietet die Branche hervorragende Entfaltungsmöglichkeiten. Noch dazu sei die Tätigkeit im Gastgewerbe „deutlich abwechslungsreicher als ein ‚normaler‘ Bürojob“.

Aus Sicht der „Hotalents“-Organisatorin liegen die Vorteile ihrer Branche also auf der Hand. Der Kongress im Februar soll nun dabei helfen, diese entsprechend zu transportieren. „Natürlich spielt das Thema Recruiting eine große Rolle, doch wir möchten mit unseren Teilnehmern auch über Themen wie Work-Life-Balance und moderne Führung diskutieren“, erläutert Aenis.

Der Nachwuchs diskutiert über den Nachwuchsmangel – ein vielversprechendes Konzept. Damit positioniert sich das Palatin erneut als Vorreiter seiner Branche - und steht gleichzeitig Modell für Unternehmen aus anderen Bereichen.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

E-Mail schreiben

Kommentare

Kommentar verfassen

*Wird nicht veröffentlicht

Über uns

TOP 100 ist die Auszeichnung für Deutschlands innovativste Mittelständler.

Unser Innovationsblog inspiriert unsere Leser dazu, wie die TOP 100 innovativ und kreativ zu denken und auf diese Weise mutig die Zukunft zu gestalten.

Highlights

Da fliegt mir doch das Blech weg!
15. Januar 2018
Mit diesen Start-ups sollten Sie rechnen
11. Januar 2018
Craft Beer: So punkten die Kleinen in einem schwierigen Markt
02. November 2017
Mit der Blue-Ocean-Strategie zum Erfolg
27. April 2017
Schrecken und Chancen der Disruption
06. Februar 2017

Impressionen des
4. Deutschen
Mittelstands-Summit

Zur Galerie

Den
TOP 100-Blog
abonnieren

Zum RSS-Feed