Mit Porsche „Gas“ geben

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Gelber Porsche "Mission-E"

Mit Porsche „Gas“ geben

20. Februar 2018 Sven Kamerar Lesedauer 4 Minuten

Im Frühjahr besuchen die TOP 100 das Porsche-Werk in Leipzig und gehen auf Tuchfühlung mit einem junggebliebenen Mythos. Denn auch im 70. Jahr seines Bestehens strotzt das Unternehmen vor Innovationskraft. Ein Beispiel: sein Weg in die E-Mobilität. Lediglich Walter Röhrl säte kurzzeitig Zweifel.

Wie nennt man das eigentlich, wenn ein Fahrer sein Elektromobil beschleunigt? „Gas geben“ trifft es ja nicht mehr. Vielleicht „abblitzen“? Oder „herumstromern“? Mit der Antwort auf diese Frage können wir uns noch Zeit lassen, denn bis sich die E-Mobilität in Deutschland durchsetzt, wird es noch eine Weile dauern.

Schließlich tut sich die deutsche Autoindustrie schwer mit dem Thema Elektromobilität: Während die amerikanische und japanische Konkurrenz den Markt und die Schlagzeilen bestimmt, hinkt die Erfindernation des Autos mit unattraktiven Modellen und Lieferengpässen hinterher. Warum das so ist?

Rennfahrer mit Magnumflasche bei Siegerehrung
Eilt Porsche bald auch als Hersteller von E-Autos von Sieg zu Sieg? (© Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG)

Die Antwort könnte eine aktuelle Umfrage unter deutschen Auto- und Energie-Managern liefern. Wie das manager magazin berichtet, befragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG über 900 Manager. Satte 54 Prozent von ihnen gaben dabei zu Protokoll, dass sie nicht an einen Erfolg von E-Autos glauben. Unter den teilnehmenden Auto-Bossen sagten das sogar ausnahmslos alle! Mit anderen Worten: Genau jene, die den Wandel vorantreiben könnten, lähmen ihn mit ihrem Pessimismus.

Porsche rast wieder einmal voraus

Eine rühmliche Ausnahme gibt es allerdings: Porsche (das wohl nicht an der Umfrage teilgenommen hat). Der Sportwagenbauer aus Zuffenhausen röhrt, pardon: surrt, offensiv voraus. In fünf Jahren sollen bereits 5o Prozent aller produzierten Porsche elektrisch angetrieben sein! Porsche will dabei sogar das Erfolgsmodell Macan ab 2022 ausschließlich (!) als batteriegetriebenes Modell anbieten. Und bereits im kommenden Jahr wird der Tesla-Konkurrent „Mission E“ seinen Weg in die Autohäuser und auf die Straße finden. Angesichts der mauen Gemütslage bei anderen deutschen Autobauern begeistert die Kühnheit der feinen Autoschmiede.

Schon einmal nahm Porsche eine Vorreiterrolle ein, lange bevor das heutige Unternehmen gegründet wurde: 1898 konstruierte der spätere Firmengründer und Urvater der Automobil-Dynastie Ferdinand Porsche für die Firma Bela Egger & Co. eine Elektrokutsche. 1900 folgte dann schon das erste Hybridauto.

Das erste Hybridauto der Welt geriet damals schnell in Vergessenheit. Der Urahn von Prius und Co. wurde erst 110 Jahre später mit Hilfe alter Aufzeichnungen rekonstruiert.

TOP 100 treffen „Mr. 1000 Volt“

Ein Mann, der im Hier und Jetzt die Sache vorantreibt, ist der Porsche-Motorsportchef Frank-Steffen Walliser. Ihn werden die TOP 100 bei ihrem Porsche-Besuch im April für ein Hintergrundgespräch treffen. Als damaliger Gesamtprojektleiter verantwortete Walliser ab 2010 die Entwicklung des hybriden Supersportwagens 918 Spyder – ein äußerst komplexes Unterfangen, das nicht ohne Rückschläge und mit einem Schuss Improvisation gelang, wie in einem spannend geschriebenen Buch nachzulesen ist.

Für kurzzeitige Konfusion sorgte dabei ausgerechnet ein Mann, den viele als einen der besten Rennfahrer aller Zeiten sehen und der heute als Versuchsfahrer und Markenbotschafter für Porsche arbeitet: Walter Röhrl. Als Walliser ihn und führende Ingenieure über das geplante 918-Projekt informierte, ätzte Röhrl vor versammelter Mannschaft: „Des Hybrid, des brauch i ned.“ Mumpitz eben, nichts für gestandene Sportwagenfahrer.

Rekordrunde von Marc Lieb

Frank-Steffen Walliser und Marc Lieb bei der Präsentation des 918 Spyder in Cannes
Frank-Steffen Walliser und Marc Lieb bei der Präsentation des 918 Spyder in Cannes. (© Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG)

Walliser konterte schlagfertig, neben anderen Parametern sei es dann wohl eine weitere Vorgabe im Lastenheft, Röhrl zu überzeugen – was übrigens gelang: Angesicht des überragenden Fahrverhaltens ist der zweifache Rallye-Weltmeister heute begeistert von dem fast 900 System-PS starken Hybrid-Renner.

Einen anderen Fahrer, der besonders gut mit dem 918 Spyder zurechtkam, treffen die TOP 100 ebenfalls bei ihrem Besuch im April: den FIA-Langstrecken-Weltmeister und Entwicklungsingenieur Marc Lieb. Er brannte bei der ersten „scharfen“ Testrunde auf der Nordschleife eine nicht für möglich gehaltene Rekordzeit von 6:57 Minuten in den Asphalt.

Das Kind braucht noch einen Namen

Gespannt darf man übrigens sein, ob Porsche als Fahrzeughersteller noch an einer weiteren Front innovativ sein wird: bei der Namensgebung. Schließlich bezeichnet „Mission E“ bisher nur die 2015 vorgestellte Studie. Ob der Serienname auch so lauten wird, ist anzuzweifeln. Aber wie dann?

Manfred Gotta
Panamera, Cayenne, Megaperls – nicht nur in der Autoindustrie gilt Manfred Gotta als „Namenspapst“. (© Gotta Brands)

Jemand, der dazu Überlegungen anstellen könnte, ist das TOP 100-Jurymitglied Manfred Gotta. Er hat – neben vielen anderen Autos und Produkten – dem Panamera und dem Cayenne ihre Namen gegeben.

Bei dem zweiten Besuch in Leipzig im Mai treffen die TOP 100 Manfred Gotta zum Gespräch. Es wird spannend sein zu hören, wie er die automobile E-Zukunft unter dem Gesichtspunkt der Namensgebung sieht. Und vielleicht hat er ja auch eine Idee, wie man es denn nun nennt, wenn man mit einem E-Mobil richtig „Gas“ gibt.

 

 

Gehören Sie zu den TOP 100 und möchten im April oder Mai Porsche besuchen? Dann melden Sie sich schnell an, die Zahl der Plätze ist limitiert. Alle Informationen finden Sie auf der TOP 100-Seite.

Autor

Sven Kamerar ist der Leiter der Unternehmenskommunikation bei compamedia. Unter @SKamerar twittert er über alle Themen rund um TOP 100.

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