Mehr als Kommunismus

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Mehr als Kommunismus

18. August 2016 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Sahra Wagenknecht polarisiert – in den Medien, im Bundestag und auch in ihrer eigenen Partei. Ihr aktuelles Buch „Reichtum ohne Gier“ findet dagegen breiten Anklang, liegt auf Platz 10 der Spiegel-Bestsellerliste. Wir verlosen zwei handsignierte Exemplare.

„Reichtum ohne Gier“ – dieser plakative Titel prangt auf dem Cover des neuen Buchs der Oppositionsführerin im Deutschen Bundestag. Bei vielen potenziellen Lesern mag allein das schon einen Abwehrreflex auslösen: „Schon wieder linke Kapitalismuskritik? Gibt’s davon nicht schon genug?“ Zwar geht es in dem Werk der TOP 100-Jurorin Wagenknecht tatsächlich um die Fehlentwicklungen unseres Wirtschaftssystems. Doch anders als der zugespitzte Titel vielleicht vermuten lässt, handelt es sich hierbei nicht um unreflektierte Polemik, sondern um ein ideenreiches und absolut lesenswertes Buch.

Kapitalismus contra Marktwirtschaft

Um eines gleich klarzustellen: Wagenknechts Kritik am Kapitalismus ist nicht zu verwechseln mit einer Ablehnung der freien Marktwirtschaft. Das wird nicht zuletzt durch ihren Rekurs auf Altkanzler Ludwig Erhard, den „Vater der sozialen Marktwirtschaft“, überdeutlich. Die promovierte Ökonomin ist allerdings überzeugt davon, dass sich das aktuelle Wirtschaftssystem von einer freien Marktwirtschaft immer weiter entfernt habe. 

Das Kardinalproblem sieht Wagenknecht in der Konzentration wirtschaftlicher Macht in den Händen weniger großer Player. Sie zeichnet das Bild eines weitgehend geschlossenen Marktes, in dem kein echter Wettbewerb mehr stattfinde. Gerade kleine und mittlere Unternehmen, die über frische Ideen und eine hohe Innovationskraft verfügten, blieben in einem solchen Szenario auf der Strecke oder würden nach kurzer Zeit von den Großen geschluckt. So weit, so bekannt. Doch was ist von dieser klassischen These der politischen Linken zu halten?

Auf der Suche nach Gegenbeispielen zu Wagenknechts Ausführungen stößt man sehr schnell auf den amerikanischen Autohersteller Tesla. Vor 13 Jahren gegründet, hat sich das Unternehmen dank seiner konsequenten Ausrichtung auf innovative Lösungen zur Elektromobilität als „pain in the neck“ der großen Autokonzerne fest etabliert. Auch in Deutschland zeigen Start-ups wie Zalando, mymuesli oder Outfittery, wie in bestehenden Märkten geschickt neue Nischen erschlossen werden können. Es fällt jedoch auf, dass alle diese Firmen – mit Ausnahme von Tesla – im Konsum- und Dienstleitungsbereich angesiedelt sind und vor allem durch ihr innovatives Geschäftsmodell hervorstechen. Nach Unternehmen, die mit innovativen Produkten oder Produktverbesserungen herausstechen, sucht man außerhalb des TOP 100-Zirkels dagegen schon deutlich länger.

Finanzwirtschaft contra Realwirtschaft

Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht Wagenknecht auch mit dem Finanzsektor hart in Gericht. Aus ihrer Sicht nutzen Banken ihr Kapital immer seltener zur Finanzierung von Investitionen in die Realwirtschaft, beispielsweise in Form von Krediten für Unternehmer. Ein Großteil des Budgets verpuffe stattdessen in riskanten Spekulationsgeschäften. Die Innovationstätigkeit des Mittelstands werde somit zugunsten immer neuer Spekulationsblasen abgewürgt. 

Diese Darstellung ist sicher vereinfacht, ganz von der Hand zu weisen ist sie jedoch nicht. So sieht die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in ihrem aktuellen „Innovationsbericht Mittelstand 2015“ einerseits im Gegensatz zu Wagenknecht ein insgesamt günstiges Finanzierungsumfeld für innovative Unternehmen. Andererseits wird jedoch gezeigt, dass interne und externe Finanzierungsschwierigkeiten nach wie vor das größte Innovationshemmnis für den Mittelstand darstellen. 

Fazit

Sahra Wagenknecht skizziert in „Reichtum ohne Gier“ eine als dysfunktional empfundene Wirtschaftsordnung, in der mit den Prinzipien des freien Marktzugangs und des stetigen Wettbewerbs nicht zuletzt auch die Innovationskraft kleinerer und mittlerer Unternehmen auf der Strecke bleibt. Die grundlegenden Thesen des Buchs sind zwar nicht unbedingt neu, doch resultieren sie aus einer klugen und sehr anschaulichen Analyse der bestehenden Verhältnisse. So hält das Buch auch für all jene durchaus interessante Denkanstöße bereit, die Wagenknechts Ideologie nicht teilen mögen. Selbst die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist der Meinung: „Über diesen Kommunismus könnte man reden“.

Aufgepasst!

Wir verlosen zwei handsignierte Exemplare des Buchs. Und so einfach geht's: Eine E-Mail mit dem Betreff „Buchtipp“ an newsletter@compamedia.de senden, und bitte die Postadresse nicht vergessen! Die Gewinner geben wir im nächsten „Spickzettel" bekannt. 

Sahra Wagenknecht: Reichtum ohne Gier. Campus-Verlag. ISBN: 978-3-593-50516-9. 19,95 Euro.

Teilnahmebedingungen für Gewinnspiele

Gewinner Buchtipp Mai 2016 

Im letzten Spickzettel gab es zwei Exemplare des Buches „Die vierte industrielle Revolution“ zu gewinnen.

Die glücklichen Gewinner sind:  

  • Kay Schwarz aus Berlin
  • Claudia Henschel aus Weimar
Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und Junior PR-Berater bei compamedia

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