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Bitcoin-Münzen vor hellem Hintergrund

Kurzer Hype oder echter Durchbruch? Der Höhenflug des Bitcoin

13. Juli 2017 Pascal Simon Lesedauer 5 Minuten

Anfang Mai lag der Wert eines Bitcoin bei 1.500 Euro, mittlerweile sind es fast 2150 Euro. Ehemals als Nerd-Spielerei belächelt, macht die Kryptowährung derzeit als hochprofitable, aber riskante Kapitalanlage von sich reden.

Ein neues digitales Zahlungsmittel, unabhängig von Banken, Zahlungsdienstleistern und staatlichen Währungssystemen – diese Vision eines unbekannten Programmierers führte 2009 zur Einführung des Bitcoin. Mittlerweile ist ein handfester Börsenhype um die Kryptowährung entstanden, der sich durch immer neue Erfolgsmeldungen selbst befeuert. Berichte über glückliche Bitcoin-Millionäre und fantastische Renditen regen die Fantasie risikobereiter Kleinanleger an.

Doch woher rührt die plötzliche Begeisterung für die virtuellen Münzen? Das Tech-Magazin t3n macht unter anderem die angespannte weltpolitische Lage für den Bitcoin-Run verantwortlich. Ähnlich wie bei den klassischen Krisenwährungen Gold und Silber ist die Menge der verfügbaren Bitcoins begrenzt. Im Gegensatz zu staatlichen Währungen wird die Geldmenge hier nicht durch Zentralbanken gesteuert, sondern verfügt über eine feste Obergrenze von 21 Millionen Einheiten. Die Gefahr der Inflation durch eine politisch motivierte „lockere“ Geldpolitik besteht also nicht.

Bitcoins sind unabhängig

Tatsächlich ist genau diese Unabhängigkeit von Banken und politischen Unwägbarkeiten einer der wichtigsten Vorteile der digitalen Währung. Das Girokonto wird hier durch die sogenannte „Bitcoin-Wallet“ ersetzt. Diese wird über einen speziellen Bitcoin-Client verwaltet, ein Computerprogramm, das die Nutzer auf Ihrem Rechner installieren. Überweisungen werden direkt zwischen den Nutzern abgewickelt – von Wallet zu Wallet.

Analysten werden mit dem Wanna-Cry-Virus konfrontiert
Am 12. Mai 2017 befiel der Computervirus „WannaCry“ Computersysteme auf der ganzen Welt. Zu den Opfern zählte auch die Deutsche Bahn. In Großbritannien setzte das Programm sogar einige Krankenhäuser außer Gefecht. (© Farbentek / fotolia.com)

Auf den ersten Blick wirkt dieses System extrem fehleranfällig. Ohne eine Bank als Kontrollinstanz scheint Manipulationen Tür und Tor geöffnet. Denn wer garantiert, dass Überweisungen tatsächlich korrekt ausgeführt werden? Angesichts aktueller Schlagzeilen über von Hackern manipulierte Wahlen oder Erpresser-Viren wie „WannaCry“ und „Petya“ stellt sich zudem die Frage nach der Sicherheit. Bitcoins existieren nur in der virtuellen Welt, sie sind nicht mehr als Zahlen, die über einen Bildschirm flimmern. Da wäre es doch für einen findigen Hacker ein leichtes, sich durch ein verschobenes Komma oder ein paar zusätzliche Nullen kurzerhand selbst zum Millionär zu machen, oder?

Dezentrale Kontrolle durch die Blockchain

Dass genau dies nicht passiert, liegt an der Blockchain-Technologie, dem Herzstück des Bitcoin-Systems. Die Blockchain ist so etwas wie das kollektive Gedächtnis der Digitalwährung. Sämtliche Bitcoin-Transaktionen, die jemals getätigt wurden, sind hier in Datenblöcken gespeichert. Wie auf einer Perlenkette sind die Blöcke in fester Reihenfolge fein säuberlich aufgereiht. Mit jeder weiteren Transaktion entsteht ein neuer Block, der ans Ende der Kette angefügt wird. Dadurch ist auch jederzeit nachvollziehbar, welche Menge an Bitcoins unter jeder Wallet-Adresse hinterlegt ist.

Schematische Darstellung der Blockchain
Jede Bitcoin-Transaktion muss vom Netzwerk mittels komplizierter Rechenoperationen überpfüft und freigegeben werden - das kann gerade bei größeren Beträgen zwar eine Weile dauern, ist aber extrem fälschungssicher. (© Akarat Phasura / fotolia.com)

Der eigentliche Clou liegt jedoch in der dezentralen Organisationsstruktur der Blockchain. Wer den oben genannten Bitcoin-Client auf seinem Computer installiert, erhält damit nicht nur Zugang zu seiner persönlichen Wallet, sondern wird Teil des Bitcoin-Netzwerks. Innerhalb dieses Netzwerkes befindet sich auf jedem Rechner eine Kopie der Blockchain, die permanent automatisch aktualisiert wird. Somit existiert nicht eine „Master-Datei“, sondern tausende. Jede Bitcoin-Transaktion muss durch einen Abgleich aller im Netzwerk existierenden Blockchain-Versionen legitimiert werden. Treten hierbei Unstimmigkeiten auf, wird die Transaktion gesperrt. Dieser dezentrale Kontrollmechanismus macht den Bitcoin extrem fälschungssicher.

Die Wallet als Schwachstelle

Trotz des ausgeklügelten Systems bietet auch der Bitcoin Angriffsfläche für Kriminelle. So können Hacker ihre Bitcoins dank der Blockchain-Prüfung zwar nicht selbst erschaffen, sie können sie jedoch stehlen. Ähnlich wie beim Online-Banking, ist auch der Zugang zur digitalen Wallet durch nichts weiter als ein Passwort geschützt. Ein Passwort, dass man ausspähen und stehlen kann. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn große Handelsplattformen ins Fadenkreuz geraten, die eine Vielzahl von Kundendaten verwalten. Anfang des Monats meldete etwa die südkoreanische Plattform „Bithump“ eine solche Attacke.

Der schwerwiegendste Angriff ereignete sich jedoch im Jahr 2014, als die damals größte Bitcoin-Handelsplattform, Mt. Gox, Insolvenz anmelden musste. Im Zuge eines vermeintlichen Hackerangriffs waren 850.000 Bitcoin im Wert von damals 480 Millionen Dollar entwendet worden. Ein Teil der verschwundenen Bitcoins tauchte recht schnell wieder auf – Ermittler entdeckten sie auf einem bis dato ungenutzten Konto von Mt. Gox, was den damaligen Geschäftsführer Mark Karpelès in arge Erklärungsnot brachte. Er muss sich dieser Tage vor einem Tokioter Gericht verantworten.

Wird dem Bitcoin sein Erfolg zum Verhängnis?

Von dem Schock, den das Theater um Mt. Gox ausgelöst hat, hat sich die Kryptowährung inzwischen jedoch längst erholt. Mehr noch: die virtuellen Münzen bahnen sich mit großen Schritten ihren Weg in den Mainstream. In Japan gilt der Bitcoin seit April dieses Jahres als offiziell anerkanntes Zahlungsmittel.

So erfreulich diese Entwicklung für die Bitcoin-Community sein mag, stellt das rasante Wachstum die Kryptowährung auch vor ein großes Problem. Denn je mehr Menschen den Bitcoin nutzen, desto mehr Transaktionen muss das System verarbeiten. Das führt wiederum dazu, dass Überweisungen nicht nur länger dauern, sondern auch deutlich mehr Kosten verursachen. Wie dieses Problem zu lösen ist, darüber ist in der Gemeinschaft ein heftiger Streit entbrannt. Stein des Anstoßes ist der Vorschlag, erstens die Größe der Datenblocks zu verdoppeln und zweitens Transaktionen außerhalb der Blockchain zuzulassen. Befürworter und Gegner dieser Idee stehen sich derart unversöhnlich gegenüber, dass sogar bereits über eine Spaltung des Bitcoin spekuliert wird. Stolpert der Bitcoin also über seinen eigenen Erfolg? Die Entscheidung darüber soll bereits in den nächsten Tagen fallen.

Daimler experimentiert mit der Blockchain

Unbeeindruckt von diesen Querelen erfreut sich auch die Blockchain-Technologie inzwischen einer immer größeren Beliebtheit. Seit nunmehr acht Jahren sichert deren dezentrale Netzwerkstruktur zuverlässig die Transaktionen des Bitcoin-Universums. Da wundert es nicht, dass sich mittlerweile auch prominente Unternehmen aus Deutschland dem Thema angenommen haben. Die Daimler AG startete kürzlich ein entsprechendes Pilotprojekt. Gemeinsam mit der Landesbank Baden-Württemberg platzierte der Konzern ein Schuldscheindarlehen über 100. Mio. Euro bei verschiedenen Kreissparkassen. Der gesamte Prozess wurde über eine private Blockchain digital abgebildet .

In Stuttgart zeigt man sich mit dem Verlauf dieses Pilotprojekts sehr zufrieden – weitere sollen folgen. Das beweist: die Blockchain ist mittlerweile fester Bestandteil der Digitalisierungsstrategie deutscher Konzerne. Dieser Trend dürfte auch dann anhalten, wenn der Kurs des Bitcoin wieder fallen sollte. 

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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