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Mensch als Marionette in der Hand eines Roboters

(Keine) Angst vor der Zukunft!?

01. Juni 2017 Silja Spreyer Lesedauer 3 Minuten

Die Digitalisierung wird Millionen Jobs kosten, heißt es aus dem Weltwirtschaftsforum. „Das sind doch nur Horrorszenarien“, meinen einige Wissenschaftler. Der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow ist überzeugt, dass wir keine Angst vor künstlicher Intelligenz haben müssen – wenn wir es schaffen, mit ihr zu arbeiten.

Garri Kasparow
Garri Kasparow - der ehemalige russische Schachweltmeister gilt als einer der stärksten Spieler der Geschichte.

Es war der 10. Februar 1996, als eine Maschine den ersten wirklichen Sieg über den Menschenerrang. „Deep Blue“, ein Computer des IT-Konzerns IBM besiegte den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow in der ersten von sechs Partien. Der Computer hatte einen Bauern erobert, indem er seinen Springer ins Abseits manövriert hatte – ein riskanter Zug und Kasparow reagierte mit gefährlichen Attacken. Doch Deep Blue, der pro Sekunde Millionen von Stellungen kalkulieren konnte, wusste, dass keine Gefahr für ihn bestand. Die künstliche Intelligenz gewann im Jahr darauf sogar einen ganzen Wettkampf und es scheint, als wäre dies die Geburtsstunde einer tiefen Angst gewesen, die bis heute viele Menschen fest im Griff hat: eines Tages durch eine Maschine ersetzt zu werden.

Kasparow selbst war kein guter Verlierer. Er erhob schwere Vorwürfe gegen IBM, glaubte gar, das Unternehmen hätte den Rechner manipuliert. Sicherlich spielte in seine Niederlage noch eine andere Komponente ein: Kasparow agierte wettkampfuntypisch, wurde nervös, machte Fehler.

Die Zeit vergeht, die Angst bleibt

Der IBM-Superrechner "Deep Blue"
Sorgte für viele schlaflose Nächte bei Kasparow: der IBM-Rechner „Deep Blue“.

Seit jenem Wettkampf in Philadelphia sind mehr als 21 Jahre vergangen. Heute sagen wir Alexa, sie soll doch bitte eine Pizza oder ein Uber-Taxi bestellen. Wir lesen Nachrichten, die von Roboter-Redakteuren erstellt wurden und demnächst bekommen wir die Pakete, die wir bei Amazon bestellen, noch am gleichen Tag per Drohne geliefert.

Der Philosoph Richard David Precht glaubt, dass wir vor einem Umbruch der Gesellschaft stehen, der strukturell der größte seit 250 Jahren ist. Martin Sonnenschein, Europachef bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney meint, dass in 20 Jahren fast die Hälfte der heutigen Arbeitsplätze in Deutschland durch Roboter ersetzt werden, weil sie Jobs effizienter erledigen können. Diese Gefahr trifft vor allem Berufe, die automatisiert durchgeführt werden, wie etwa einfache Bürotätigkeiten oder Arbeiten in der verarbeitenden Industrie. Die Digitalisierung, so viele Vorteile sie auch bringt, bedroht vor allem die Menschen, die es ohnehin schon schwer haben: Kinder aus ärmeren Familien, ältere Personen, einfache Arbeiter mit schlechtem Bildungshintergrund.

Kurz vor der Bundestagswahl sollte man meinen, dass die Parteien diese Ängste aufgreifen – doch weit gefehlt. Zentrale Fragen werden schlicht nicht diskutiert bzw. ignoriert.

Technik nutzen statt sie zu verteufeln

Garri Kasparow hat aus seiner Niederlage gelernt. Heute weiß er, dass man seinen Ängsten ins Auge schauen muss, wenn man Technik bestmöglich nutzen will. Er ist inzwischen der Überzeugung, dass es nur einen Weg gibt, mit der Digitalisierung umzugehen: Man muss menschliche und maschinelle Fähigkeiten kombinieren um die enorme Rechenkraft der Computer effektiv zu nutzen. So entsteht Raum für Kreativität und die Möglichkeit etwas ganz Neues zu schaffen. Im April sprach Kasparow in einem inspirierenden TED-Talk über seine Vision einer Zukunft, in der uns intelligente Maschinen dabei helfen, unsere großartigsten Träume in die Realität umzusetzen.

Klicken Sie hier, um sich diesen TED-Talk anzusehen.

Autor

Silja Spreyer ist Leiterin Digitales bei compamedia.

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