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Keine Angst vor der Zukunft!

30. November 2017 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Das Tempo des technologischen Fortschritts ist enorm, seine Folgen ungewiss. Vielerorts beherrschen Zukunftsängste das Meinungsbild. Der Wissenschaftsjournalist und TOP 100-Mentor Ranga Yogeshwar stemmt sich mit seinem neuen Buch „Nächste Ausfahrt Zukunft“ gegen diesen Fortschrittspessimismus.

Einer internationalen Studie zufolge blicken nur vier Prozent der Deutschen optimistisch in die Zukunft. Auch andernorts zeigen sich die Menschen eingeschüchtert vom atemberaubenden Tempo des technologischen Fortschritts. Diese Statistiken stehen am Anfang von „Nächste Ausfahrt Zukunft“, dem neuen Buch von TOP 100-Mentor Ranga Yogeshwar. Sie bilden die Weichenstellung für die folgenden knapp 400 Seiten.

Christiaan Huygens zählt zu den bedeutendsten Naturwissenschaftlern seiner Zeit - auf diesem Bild erinnert eine Büste vor der TU Delft an den Gelehrten. (© PieterJanR / wikimedia)

Zugegeben, Bücher über Zukunftstechnologien und deren gesellschaftliche Auswirkungen gibt es bereits zuhauf. Umso bemerkenswerter ist es, dass es dem Autor gelingt, viel diskutierte Themen wie etwa „Digitalisierung“ noch einmal aus einem frischen Blickwinkel zu betrachten. So stößt Yogeshwar auf seiner Spurensuche durch die zentralen Episoden der Menschheitsgeschichte bereits in der Mitte des 17. Jahrhunderts auf den ersten Vorboten des digitalen Wandels: Die Erfindung der Pendeluhr durch den niederländischen Mathematiker und Physiker Christiaan Huygens.

Digitalisierung bedeutet Messbarkeit

Auf den ersten Blick mag diese These abenteuerlich klingen, doch dahinter steckt ein kluger Gedanke. Denn für Yogeshwar liegt die Quintessenz der digitalen Revolution „in der tiefen Annahme, dass sich die Vielfalt unseres Lebens auf messbare Zahlenströme übertragen lässt.“ Das diffuse Wirklichkeitsempfinden des Menschen wird in einen konkreten Zahlenwert übertragen. Die Erfindung der Pendeluhr, so Yogeshwar, markiert den Anfang dieser Entwicklung, setzt sie doch dem ungefähren Zeitgefühl des Menschen eine auf die Minute präzise errechnete Uhrzeit entgegen.

In diesem Zusammenhang ist für Yogeshwar auch die Erfindung des Smartphones ein elementarer Schritt der digitalen Evolution. Von der Anzahl der vertilgten Kalorien über die Herzfrequenz bis hin zum Schlafrhythmus – inzwischen kann jeder mit der passenden App massenweise Daten über den eigenen Körper sammeln und auswerten. Gefühle wie Übersättigung oder Müdigkeit lassen sich so ganz genau beziffern.

Was wir kaufen, wo wir kaufen, wann wir kaufen – Informationen wie diese sind extrem wertvoll. Und dank ausgeklügelter Tools zum Nutzer-Tracking auch recht einfach zu bekommen. (© sdecoret / fotolia.com)

Für Yogeshwar ist diese Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. So groß seine Faszination für den Fortschritt und dessen Mechanismen auch ist, so unzufrieden zeigt er sich mit den Geschäftspraktiken der Fortschrittstreiber aus dem Silicon Valley. Er kritisiert den Datenhunger von Alphabet, Apple und Co., der gerade durch die Erfindung des Smartphones und dessen Verbreitung noch einmal Auftrieb bekommen habe. Denn noch nie war es so leicht, Bewegungsprofile und Verhaltensmuster potenzieller Kunden zu erstellen.

Den Wandel selbst gestalten

Pointierte und reflektierte Beobachtungen statt blindem Fortschrittsoptimismus – das ist der rote Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht. Egal ob künstliche Intelligenz, Gentechnologie oder der Wandel in der Medien- und Nachrichtenwelt: Yogeshwar versucht stets, die beobachtete Entwicklung kritisch zu hinterfragen und in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext einzuordnen.

Indem der Wissenschaftsjournalist Risiken und Fehlentwicklungen klar benennt, gleichzeitig aber auch die Chancen des Wandels aufzeigt, versucht er seinen Lesern ein Stück Optimismus zurückzugeben. Tatsächlich, so versichert er, habe die Menschheit in der Vergangenheit stets vom Fortschritt profitiert. Davon zeugten unter anderem eine gestiegene Lebenserwartung, eine weltweite Demokratisierung und der Rückgang extremer Armut.

Alles halb so wild also? Nicht ganz! Fehlentwicklungen wie etwa das Verschwinden der Privatsphäre durch die Datensammelwut der Tech-Giganten kann und will der Autor nicht wegdiskutieren. Das eigentliche Problem sieht er dabei jedoch nicht im Fortschritt an sich, sondern in dessen Ausgestaltung, beispielsweise durch die Big Player des Silicon Valley. Vor diesem Hintergrund richtet sich Yogeshwar schließlich mit einem Appell an seine Leser: „Wenn wir also den Mut besitzen, unsere Perspektive zu verändern, dann entdecken wir im Umgang mit dem Neuen aussichtsreiche Chancen. […] Wir werden zu Gestaltern unserer Welt, und genau darin liegt unsere Chance.“

Fazit

„Nächste Ausfahrt Zukunft“ ist ein Rundumschlag: Von der Digitalisierung über die Entwicklung künstlicher Intelligenz bis hin zu den Fortschritten der Gentechnik werden Zukunftsthemen behandelt und reflektiert. Dank seines anekdotischen Schreibstils gelingt es Yogeshwar, seine Leser mitzureißen und mit seinem Optimismus anzustecken. Wer die Zukunft selbst gestaltet, so die Kernaussage des Buches, hat auch keinen Grund, sich vor ihr zu fürchten.

Ranga Yogeshwar: „Nächste Ausfahrt Zukunft“, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3-462-05113-1, 22,00€

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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