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Innovation Labs – ein Trend für den Mittelstand?

01. Februar 2018 Pascal Simon Lesedauer 4 Minuten

Flexible Strukturen, agile Prozesse und flache Hierarchien – Innovation Labs agieren als Unternehmen im Unternehmen. Ausgestattet mit Kapital und einer Lizenz zum Experimentieren sollen sie dem Mutterkonzern den Weg ins digitale Zeitalter ebnen. Wie ein Top-Innovator von dieser Strategie profitiert.

Die Digitalisierung stellt Unternehmen vor eine große Herausforderung: Was bedeuten digitale Trends wie Big Data, Automatisierung und das Internet der Dinge für das eigene Business? Wie lässt sich die Technologie nutzen, um selbst neue Produkte und Services zu entwickeln?

Um diese Fragen zu beantworten, verfolgen nahezu alle namhaften deutschen Konzerne inzwischen eine ähnliche Strategie: Sie gründen sogenannte „Innovation Labs“. Hier tüfteln junge Kreative mit Digital-Background fernab des Tagesgeschäfts an neuen digitalen Services und Geschäftsmodellen.

Das Logo des Lab 1886
Wer bei Daimler eine Projektidee hat, kann diese im Lab1886 realisieren – und wird derweil von seinen sonstigen Aufgaben freigestellt. (© Daimler)

In Deutschland setzt beispielsweise der Autobauer Daimler auf die Kreativität der Labs. Sein „Lab1886“ ist benannt nach dem Jahr, in dem Firmenlegende Carl Benz das erste Automobil der Welt patentieren ließ. Auch bei Siemens beschwört man den Geist der Anfangsjahre: „Next47“, der Name der 2016 geschaffenen Tochter, ist eine Anspielung auf die Unternehmensgründung im Jahr 1847. Ähnlich wie Lab1886 soll Next47 - ausgestattet mit einem stattlichen Budget - sowohl als Inkubator innovative Start-ups fördern, als auch selbst neue Ideen entwickeln.

Schwerfällige Unternehmen

Mit dieser Strategie reagieren die Branchenriesen auf die Geschwindigkeit des technologischen Wandels. Klassische Konzernstrukturen mit eng begrenzter Verantwortung und zeitaufwendigen Berichtsverfahren sind vom Tempo des digitalen Fortschritts häufig überfordert. „Zu langsam, zu unbeweglich“, lautet die Erkenntnis.

Wundern darf man sich hierüber nicht. Viel zu lange konzentrierten sich Forschungs- und Entwicklungsabteilungen auf inkrementelle Verbesserungen und Effizienzsteigerungen des bestehenden Angebots. Das schafft zwar kurzfristige Gewinne, doch langfristig gesehen geht der Anschluss an die Konkurrenz verloren.

Start-up-Spirit wecken

Die neu gegründeten Innovation Labs dienen somit als Frischzellenkur für die Innovationskraft der Unternehmen. Aufgebaut sind die neuen Einrichtungen wie ein Start-up. Die Hierarchien sind flach, die Kommunikationswege kurz und die Freiheiten groß. Das nötige Kapital stellt der Mutterkonzern zur Verfügung.

Die Labs agieren als Unternehmen im Unternehmen. Sie sind der Versuch, das disruptive Innovationspotential und die Mentalität eines Start-ups mit dem technischen Know-how und der finanziellen Schlagkraft etablierter Unternehmen zu kombinieren. Da passt es ins Bild, dass ein Großteil der Labs in der Start-up Hochburg Berlin beheimatet ist.

Auch einige Mittelständler sind vom Potential der Innovation Labs überzeugt. Der Fahrwerkhersteller BPW, Top-Innovator aus dem Jahr 2017, betreibt seit 2016 ein eigenes Innovation Lab in Bonn – und kann schon heute auf beachtliche Erfolge verweisen. Bereits wenige Monate nach Gründung des Labs verkündeten die Rheinländer die erste neue strategische Partnerschaft: Gemeinsam mit dem IT-Giganten SAP treibt das Innovation Lab die Digitalisierung in der Logistik voran .

Labs als Employer Branding

In einem kurzen Video erklärt Alexander Lutze, einer der Mitgründer des Innovation Lab, den Ansatz der unternehmenseigenen Denkfabrik. Im Mittelpunkt stehen agile Arbeitsmethoden und kurze Entwicklungszyklen. So wolle man innerhalb von „zwei bis drei Monaten“ gemeinsam mit SAP ein System für den Gütertransport entwickeln, mit dem Warenströme in Echtzeit nachverfolgt werden können.

Dass die BPW ihr ehrgeiziges Forschungsvorhaben derart offensiv kommuniziert, hat einen einfachen Grund: Employer Branding. Trotz ihrer oftmals glorreichen Vergangenheit gelten viele alteingesessene Unternehmen in den Augen der Bewerber als bürokratisch und verstaubt. Mit ihren Innovation Labs senden diese Unternehmen nun ein starkes Signal. Sie zeigen Berufsanfängern und High Potentials, dass diese im Unternehmen bereits in kurzer Zeit einiges bewirken können – ganz ohne Anzug und Krawatte, dafür in einem offenen und stylischen Arbeitsumfeld.

Die richtige Balance finden

Wie gut Innovation Labs die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen, hängt davon ab, wie ernst es ihren Gründern mit dem Kulturwandel tatsächlich ist. Mancherorten regiert der schöne Schein und hinter der hippen Start-up-Fassade herrschen dieselben strikten Hierarchien wie beim Mutterunternehmen.

Strichmännchen auf einsamer Insel gestrandet.
Ohne die richtige Anbindung ans Unternehmen, verkommt das Lab zur einsamen Insel, auf der sämtliche Projektideen veröden. (© Strichfigutern.de / fotolia.com)

Innovation Labs brauchen echte Freiräume, nur so entfaltet sich unter den Mitarbeitern der oft beschworene „Start-up-Spirit“. Doch Vorsicht! Arbeitet das Lab vollkommen entkoppelt vom Unternehmen, verlieren die beiden Einheiten womöglich den Bezug zueinander. Statt fruchtbarem Austausch herrscht dann Silodenken – keine guten Voraussetzungen für Innovationen.

Wie so oft gilt es auch hier, den goldenen Mittelweg zu finden. Einerseits müssen Unternehmen ihren Labs Freiräume zum Experimentieren gewähren. Andererseits braucht es einen regelmäßigen Austausch damit die im Lab entwickelten Ideen auf Unternehmensebene weiterverfolgt oder implementiert werden können. Das Beispiel der BPW zeigt eindrücklich, dass sich der Mittelstand hier auf einem guten Weg befindet.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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