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Verschiedene Insektenspeisen werden auf einem thailändischen Markt angeboten.
Verschiedene Insektenspeisen werden auf einem thailändischen Markt angeboten.

Innovation auf dem Teller: Wie schmecken Insekten?

24. Januar 2018 Pascal Simon Lesedauer 4 Minuten

Beim Dschungelcamp gehören Würmer, Grillen und Heuschrecken zum festen Inventar. Was die RTL-Macher kübelweise über bemitleidenswerten Ex-„Promis“ auskippen, landet anderswo auf dem Teller. Auch bei uns werden Insekten schon als Nahrungsmittel der Zukunft gehandelt. Eine kulinarische Innovation im Selbstversuch.

Insekten sind eklig: Sie sind glitschig, haben viel zu viele Beine und übertragen womöglich Krankheiten. Die Abscheu vor den kleinen Krabbeltieren ist in unserer Kultur fest verankert und wird nirgends so zelebriert wie beim RTL-Dschungelcamp. Kaum eine der berüchtigten „Dschungelprüfungen“, in denen Mehlwürmer und Co. keine Hauptrolle spielen und die „Kandidaten“ wahlweise zum Würgen oder zum Kreischen bringen.

In anderen Regionen der Welt sind die Menschen dagegen weniger zimperlich. Laut einer Studie der Welternährungsorganisation (FAO) stehen Insekten in mehr als 140 Ländern regelmäßig auf dem Speiseplan. Vor allem in Teilen Asiens und Afrikas erfreuen sich die Sechsbeiner großer Beliebtheit. Nur eine Frage der Zeit also, bis Heuschrecke und Co. hierzulande den Sprung vom Trash-TV in die Supermarktregale schaffen?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn wer in Deutschland Insekten verkauft, bewegt sich bislang in einer rechtlichen Grauzone. Erst seit Anfang des Jahres sind Insekten in der EU offiziell als „neuartige Lebensmittel“ anerkannt. Die rechtliche Grundlage für die Kühlschrank-Revolution ist also erst seit kurzem gegeben.

Eine junge Frau führt eine Heuschrecke zum Mund
Heuschrecken sind nahrhaft und ressourcenschonend – wenn sie nur nicht diese langen Beine hätten…(© weerapat1003 / fotolia.com)

Starke Ökobilanz, hoher Proteingehalt

Die eigentliche Frage ist aber eine andere: „Warum sollte ich geröstete Würmer knuspern, wenn ich mir stattdessen ein Steak braten könnte?“ An dieser Stelle verweisen die verschiedenen Anbieter gerne auf die zwei größten Vorteile der Krabbeltier-Nahrung: Erstens sind Insekten hervorragende Futterverwerter. Laut der FAO-Studie brauchen Züchter für ein Kilogramm Insektenfleisch etwa die doppelte Menge Futter. Zum Vergleich: Bei Rindfleisch wird pro Kilogramm die zehnfache Menge an Futtermittel benötigt.

Zudem glänzen fast alle Insektenarten mit einen extrem hohen Proteingehalt und sind deshalb gerade für Sportler attraktiv. Zugegeben, eine gute Ökobilanz und ein hervorragender Nährwert sind keine schlechten Argumente. Doch viel wichtiger ist natürlich der Geschmack! Die Neugier treibt mich auf die Homepage des deutschen Start-ups Snack Insects. Jetzt gilt’s. Noch einmal tief durchatmen und dann wandert das „Einsteiger-Set“ in den Warenkorb des Online-Shops.

Vier mit Insekten gefüllte Glasröhrchen
Die Regeln für die Insektenaufzucht sind streng: Erst ab der vierten Zuchtgeneration dürfen die Tiere als Nahrungsmittel verkauft werden. (© eigene Aufnahme)

Wenige Tage später bin ich stolzer Besitzer von vier Glasröhrchen, gefüllt mit gefriergetrockneten Mehl- und Buffalowürmern, Grillen und natürlich Heuschrecken. Während andernorts Insekten oft noch in freier Wildbahn „geerntet“ werden, stammen meine Exemplare aus kontrollierter Aufzucht in den Niederlanden.

Und wie schmeckt’s?

Die Zubereitung ist denkbar einfach: Die Insekten kurz in der Pfanne anrösten, ein bisschen Pfeffer und Salz dazu, fertig. Ein ungeahntes Problem ergibt sich bei den Heuschrecken: Mit oder ohne Flügel in die Pfanne? Und was ist mit den langen, dürren Hinterbeinen? „Bloß weg damit!“, ist mein erster Impuls. Aber dann landen Flip und Co. doch „am Stück“ auf dem Teller. Da muss ich jetzt durch.

Würmer, Grillen und Heuschrecken auf einem Teller angerichtet
Das Menü des Abends: Rechts liegen die Buffalowürmer, links die Mehlwürmer, oben die Grillen und als Highlight in der Mitte des Tellers natürlich die Heuschrecken. (© eigene Aufnahme)

Den Anfang machen die kleinen Buffalowürmer. Rundum goldbraun gebraten, sehen die Tierchen sogar ganz appetitlich aus. Der Geschmack: knusprig, würzig, gar nicht übel. Dank ihrer geringen Größe habe ich auch nicht das Gefühl, eine Portion Würmer im Mund zu haben. Es ist eher so, als würde ich die letzten Krümel aus einer Packung Salzstangen zusammenkratzen.

Ekliges Kopfkino

Anders bei den rund drei Zentimeter langen Mehlwürmern: Das Köpfchen sowie die sechs kleinen Stummelbeinchen am vorderen Teil des Körpers sind deutlich zu erkennen. Als ich den ersten Bissen in den Mund nehme, stelle ich mir vor, wie die Würmer in meinem Mund plötzlich wieder lebendig werden und anfangen, sich zu bewegen. Mir läuft ein Schauer über den Rücken, esse aber tapfer weiter.

Pascal isst die Insekten
© eigene Aufnahme

Als nächstes sind die Grillen an der Reihe. Laut Verpackung sind diese Krabbler echte Eiweißbomben: 100 Gramm Grillen enthalten demnach 69 Gramm Eiweiß. Wow. Geschmacklich sind die Tiere aber leider kein Highlight. Die Würmer waren zwar schon ziemlich trocken, aber die Grillen legen nochmal eine Schippe drauf. Dazu schmecken sie deutlich bitterer und ein wenig „muffig“.

Bleiben noch die Heuschrecken. Die größten Tiere in meiner Verkostung verfügen über den stärksten Eigengeschmack. Sie sind würzig und ebenfalls ein wenig muffig, haben dazu aber noch ein leicht nussiges Aroma. Die Flügel kratzen zwar ein wenig im Hals, doch insgesamt sind die Heuschrecken mein Favorit.

Fazit

Zugegeben, als neue Lieblingsspeise taugen die Insekten nicht, dafür sind sie einfach zu trocken. Aber als Snack vor dem Fernseher sind die Krabbler auf jeden Fall eine Alternative. Am besten natürlich zu einer ganz bestimmten Qualitätssendung aus dem australischen Dschungel.

 

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Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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