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Rotes Strichmännchen läuft im Hamsterrad

Immer schneller?

15. Februar 2018 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Der technologische Wandel hat ein Tempo erreicht, das Menschen und Gesellschaften mehr und mehr überfordert. So sieht es zumindest der New York Times-Kolumnist Thomas Friedman. In seinem Buch „Thank You for Being Late“ rät er dazu, der Beschleunigung mit ganz bewussten Denkpausen zu begegnen.

Der 10. Februar 1996 war ein denkwürdiges Datum für die IT-Branche. An diesem Tag bezwang der von IBM entwickelte Supercomputer Deep Blue den damaligen russischen Schachweltmeister Garry Kasparow. Zum ersten Mal erwies sich die künstliche Intelligenz als dem menschlichen Verstand überlegen.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine bildet den Ausgangspunkt für „Thank You for Being Late“, dem neuen Buch des bereits dreimal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Autors Thomas Friedman.

Das Moore’sche Gesetz

Im „Zeitalter der Beschleunigung“, wie Friedman das Hier und Jetzt nennt, zeige sich die Menschheit von der Geschwindigkeit des technologischen Wandels mehr und mehr überfordert – und dabei sei die Höchstgeschwindigkeit noch längst nicht erreicht. Friedman bezieht sich in seiner Argumentation immer wieder auf den Intel-Mitgründer Gordon Moore. Dieser hatte bereits im Jahr 1965 prognostiziert, dass sich die Leistungsfähigkeit von Mikroprozessoren alle zwei Jahre verdoppeln werde. Der technologische Fortschritt folge demnach der Logik exponentiellen Wachstums. Jeder weitere Entwicklungsschritt sei größer als der vorherige – und ziehe entsprechend größere Auswirkungen nach sich .

Für Friedman ist klar: Das Tempo dieser Veränderung übersteigt inzwischen unsere Lern- und Anpassungsfähigkeit. Das Resultat sei „ein Zustand dauerhafter Destabilisierung“, sowohl auf der persönlichen, als auch auf der gesellschaftlichen Ebene.

Was tun gegen Fake News?

Justizminister Heiko Maas
Justizminister Heiko Maas musste für sein Netzwerkdurchsetzungsgesetz bereits viel öffentliche Kritik einstecken. (© Sandro Halank / Wikimedia Commons)

Ein Beispiel hierfür sind die Sozialen Medien. Facebook, Twitter und Co. verändern nicht nur die Art und Weise, wie wir mit unseren Freunden kommunizieren. Für viele ist der digitale Newsfeed auch bereits zur wichtigsten Nachrichtenquelle geworden. Die Debatte um Fake-News zeigt eindrucksvoll, welche gesellschaftlichen Probleme sich hieraus ergeben können. Das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz, mit dem die Bundesregierung die Verbreitung solcher Falschmeldungen zu unterbinden versucht und gegen Hasskommentare vorgeht, zeigt, wie schwer sich gerade staatliche Institutionen tun, auf diese neuen Phänomene zu reagieren.

Globalisierung und Klimawandel

Neben dem technologischen Fortschritt identifiziert Friedman zwei weitere zentrale Triebkräfte für das „Zeitalter der Beschleunigung“: Globalisierung und Klimawandel. Er erklärt, wie die Digitalisierung und Beschleunigung von Geldströmen zu einer immer tiefergehenden Verflechtung internationaler Märkte führe und beschreibt, wie klimatische Veränderungen Migrationsströme befeuern. Das komplexe Zusammenspiel all dieser Phänomene mündet laut Friedman in dem Gefühl einer sich immer schneller wandelnden Realität.

Gelassenheit statt Aktionismus

Angesichts der gewaltigen Herausforderungen im „Zeitalter der Beschleunigung“ lautet Friedmans wichtigster Ratschlag für den Leser: Nicht den Kopf verlieren. Anstatt in Aktionismus zu verfallen rät Friedman dazu, ganz bewusst Pausen einzulegen, das Smartphone auszuschalten und die Geschehnisse um uns herum in Ruhe zu reflektieren. Denn nur wenn wir den Überblick behalten, werde es uns gelingen mit all den genannten Herausforderungen fertig zu werden.

Zugegeben: Das dürfte gegen den Klimawandel wenig helfen und klingt in dieser verkürzten Darstellung etwas holzschnittartig. Dennoch werden sich die genannten Probleme nur mit einer klugen Strategie lösen lassen – und um die zu entwickeln braucht es Raum zur geistigen Reflektion.

Das Buchcover von "Thank You for Being Late"

Fazit

“Thank You for Being Late” ist ein sehr ambitioniertes Buch. In einem gut 400 Seiten langen Parforceritt erklärt der Autor die aus seiner Sicht zentralen Triebkräfte globaler Veränderungsprozesse. Dabei schildert er persönliche Eindrücke von seinen Recherchereisen und veranschaulicht seine Aussagen mit Beispielen aus prominenten Unternehmen. Kernaussage: In einer immer schnelleren und komplexeren Welt müssen wir den Mut haben, von Zeit zu Zeit innezuhalten.

Thomas L. Friedman: "Thank You for Being Late", erschienen bei Bastei Lübbe, ISBN 978-3-7857-2603-7, 24€.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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