„Ich würde es wieder tun!“

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„Ich würde es wieder tun!“

20. September 2017 Silja Spreyer Lesedauer 5 Minuten

Im letzten Jahr hat die britische Zeitung „Telegraph“ den Signal Iduna Park zum schönsten Stadion Europas gewählt – jeder, der mal dort war, wird das sofort unterschreiben. Was das Stadion so besonders macht und warum BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke niemals Bundeskanzler werden wird, erfuhren die TOP 100 beim Kamingespräch.

Der Signal Iduna Park (gerne auch immer noch Westfalenstadion genannt) ist das emotionale Epizentrum jedes BVB-Fans – und doch muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich als langjähriger Borussia-Anhänger bisher noch nie dort war.

Doch das hat sich nun zum Glück geändert, denn im Rahmen des TOP 100-Kamingesprächs bot sich mir und rund 30 Unternehmern endlich die einmalige Gelegenheit, nicht nur das Stadion zu entdecken, sondern auch Hans-Joachim Watzke persönlich kennenzulernen.

Die Top-Innovatoren betreten den heiligen Rasen des Signal Iduna Parks. (© Jörg Bluhm)

La-Ola auf der „Süd“

Dass der Signal Iduna Park von seinen Fans geliebt und von gegnerischen Mannschaften gefürchtet wird, ist gemeinhin bekannt. In der Bundesliga ist der BVB zu Hause seit 40 Spielen ungeschlagen – das hängt sicherlich auch mit der fantastischen Atmosphäre der Spielstätte zusammen. Einen großen Anteil daran hat die „Süd“, die größte Stehplatztribüne Europas. Während der Stadionführung durften wir natürlich auch mal „gelbe Wand“ spielen und mit einer La-Ola-Welle richtig Lärm veranstalten.

Bevor wir am perfekt gepflegten Rasen vorbeikamen (der BVB hat dafür jüngst sogar eine Auszeichnung erhalten) ging es in die Spielerkabine – die erstaunlich trostlos wirkt und eher an eine Umkleidekabine der Kreisliga erinnert . Hier halten es die Dortmunder mit dem Motto von Adi Preißler: „Grau ist alle Theorie. Entscheidend ist auf dem Platz!“ Wozu also Energie in schnieke Räumlichkeiten stecken, wenn die doch viel besser in ein ordentliches Spiel investiert ist.

Hans-Joachim Watzke fühlte sich unter den Top-Innovatoren sichtlich wohl - und nahm im Gespräch kein Blatt vor den Mund. (© Jörg Bluhm)

Der BVB in den Händen ausländischer Investoren?

Nach einer sehr unterhaltsamen Stadionführung startete schließlich das eigentliche Kamingespräch zwischen Hans-Joachim Watzke und Sabine Christiansen. Watzke war – trotz Niederlage in der Champions-League am Vorabend – bestens gelaunt. Der Geschäftsführer des BVB ist ohnehin nicht gerade für Zurückhaltung bekannt, aber an diesem Abend zeigte er sich besonders gesprächig und offenherzig. Dass er für das Treffen mit den TOP 100-Unternehmern eine Talkrunde mit Maybrit Illner abgesagt hatte, erwähnte er zwar nur am Rande, es machte die Zuhörer aber umso stolzer.

Thematisch ging es anfangs sehr um die Geldpolitik im Fußball; darum, dass immer mehr ausländische Investoren Vereine aufkaufen und wie sehr die Fußballkultur vor allem in England darunter leidet. Auch für den BVB gäbe es Kaufinteresse seitens ausländischer Investoren, musste Watzke zugeben – aber: „Das wird’s niemals geben, dass wir einen chinesischen Owner haben.“

Watzke, der selbst sehr sparsam lebt („Ich habe keine Koi-Karpfen, die geheizt werden müssen“), macht es nichts aus, dass seine Spieler viel mehr verdienen als er. Allerdings machte er auch ziemlich deutlich wie heuchlerisch er es findet, wenn Spieler immer mehr Geld verlangen und sich gleichzeitig über Promotouren nach Asien beschweren.

Politische Ambitionen hegt Hans-Joachim Watzke keine, für ihn stehen sportliche Ziele im Vordergrund.

Watzke als Bundeskanzler?

Dass Watzke politisch nach wie vor sehr interessiert ist, kam mehrfach zur Sprache. Schon als Jugendlicher wurde er Mitglied der Jungen Union („Aus Protest, weil alle anderen in der SPD waren“). Er gab zu, dass er zwar gerne mal einen Wahlkampf mitmachen würde, aber ein schlechter zweiter Mann wäre. Und: „Da hat man eine gute Idee, nach zwei Jahren wird sie umgesetzt – und man weiß schon gar nicht mehr, dass es die eigene Idee war.“ Das ist nichts für Watzke, der gerne mal morgens im Bad vor Ideen sprudelt und diese dann am liebsten bis zum Nachmittag umgesetzt hätte. Bundeskanzler wird Watzke deswegen wohl niemals werden.

Ob es schwierig sei mit ihm – dem Alphatier – zu arbeiten, fragte Christiansen und Watzke lachte: „Nein, im Gegenteil: Ich mag es, starke Leute um mich zu haben – sonst wäre ich nicht schon so lange mit Jürgen Klopp befreundet.“ Auf dessen Nachfolger Thomas Tuchel angesprochen hielt er sich nicht bedeckt, machte aber auch deutlich, dass die Entlassung nicht allein seine Entscheidung war; er selbst habe recht wenig mit dem Trainer zu tun gehabt, aber doch auch die schlechte Stimmung miterlebt.

Kurz vor dem Aus

Tatsächlich war die Gesamtsituation für ihn sehr belastend. Ärger mit Tuchel, Bombenanschlag, schlechte Stimmung im Team. Und: Nach drei Pokalfinals in Folge ohne Sieg war der Leistungsdruck entsprechend hoch. So hoch, dass Watzke am Morgen vor dem Pokalfinale gegen Frankfurt zu seinem Chef Reinhard Rauball ging und ihm sagte, dass er im Falle einer Niederlage kündigen werde. „Ich bin ein pessimistischer Mensch“, sagte Watzke. „Oft denke ich vor Spielen: ‚Wenn wir 3:0 verlieren geht’s auch noch.‘“ – Lachen im Saal. Zum Glück ging der BVB als Sieger vom Platz, doch es blieb zunächst schwierig: „Es war schon ein komisches Gefühl mit der Mannschaft und Tuchel durch Dortmund zu fahren und zu wissen, ich muss ihn am nächsten Tag entlassen.“

Ob bei so viel Stress auch mal Urlaub drin sei, fragte Christiansen. Eher nicht, alles verplant – selbst für eine Woche Sylt habe es in diesem Jahr nicht gereicht, weil Jürgen Klopp seine Geburtstagsfeier genau in die Mitte dieser Woche legte. Dass er seine Frau eher selten sieht, scheint der Beziehung nicht zu schaden: „Das führt dazu, dass man 34 Jahre verheiratet bleibt.“

Trotz großer Knieprobleme bot Norbert Dickel gegen Bremen einen Gala-Auftritt, erzielte zwei Tore und avancierte zur Vereinslegende. (© Jörg Bluhm)

„Ich würde es wieder tun“

Alles in allem war es ein toller und entspannter Abend in grandioser Atmosphäre mit vielen interessanten Gesprächen. Für die TOP 100-Unternehmen bot sich wieder einmal eine gute Gelegenheit zum Netzwerken im kleinen Kreis.

Ich selbst möchte es mit Norbert Dickel halten, der nach seinem berühmten Sieg im Pokalfinale 1989 gegen Werder Bremen sein ohnehin schon lädiertes Knie für immer ruinierte und dennoch sagte: „Ich würde es wieder tun!“ – der Spruch prangt in großen schwarzen Lettern auf einem der Treppenaufgänge zum Stadion. Ich würde nicht nur, ich werde es auch wieder tun: Das Dortmunder Stadion besuchen. Und ich hatte am Ende des Abends das Gefühl, dass auch einige unserer Top-Innovatoren sehr bald mal wieder dort anzutreffen sein werden.

Autor

Silja Spreyer ist Leiterin Digitales bei compamedia.

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