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Junge Tech-Start-ups fühlen sich wie Superhelden.

Helden wie wir

09. März 2017 Pascal Simon Lesedauer 4 Minuten

Jung, dynamisch und unglaublich kreativ – der Hype um junge Start-ups aus der Tech-Branche kennt keine Grenzen. Bei HubSpot war Dan Lyons 21 Monate lang Teil dieser Welt – sein Buch „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“ berichtet aus dem schrägen Innenleben der Branche. Wir verlosen zwei Exemplare.

In dieser Woche sorgten gleich zwei Ereignisse für Schlagzeilen in der Wirtschaftspresse: der Verkauf der GM-Tochter Opel an den französischen Autokonzern PSA und der Börsengang der Snapchat-Mutter Snap Inc. Während der traditionelle deutsche Autobauer seinen Käufern gerade noch 1,3 Milliarden Euro wert war, erzielte das erst 2011 gegründete US-Unternehmen auf Anhieb einen Börsenwert von 24 Milliarden US-Dollar. Eine beeindruckende Zahl für eine Firma, die ihren Umsatz zwar kontinuierlich steigert, unterm Strich jedoch bislang jedes Jahr herbe Verluste hinnehmen musste. Erst im Februar ließen die Amerikaner verlauten, dass nicht abzusehen sei, ob das Geschäftsmodell jemals profitabel werden könne.

Snap-Gründer Evan Spiegel
Ist jetzt ein reicher Mann: Der erst 26-jährige Evan Spiegel brachte sein Start-up Snapchat an die Börse. Quelle: TechCrunch / flickr.com

Das Beispiel Snap zeigt die grenzenlose Euphorie, die amerikanischen Tech-Unternehmen derzeit weltweit entgegenschlägt. Doch es gibt auch zahlreiche Kritiker, die die Entwicklung der Hightech- und Software-Branche mit einer Mischung aus Staunen und Kopfschütteln beobachten. Einer von ihnen ist Dan Lyons.

Vom Kritiker zum Kollegen

Lyons, Jahrgang 1961, arbeitete lange als Wirtschaftsjournalist für Forbes und Newsweek und sparte in dieser Zeit nicht an kritischen Artikeln über das Treiben der Branche. Als seine Redakteursstelle 2012 jedoch den Einsparbemühungen seines Arbeitgebers zum Opfer fiel, wagte Lyons genau dort den beruflichen Neustart – als „Marketing Fellow“ heuerte er bei dem Bostoner Start-up HubSpot an.

Für den Autor ist HubSpot ein typischer Vertreter der neuen Start-up Generation. Gegründet im Jahr 2006 von den beiden MIT-Absolventen Brian Halligan und Dharmesh Shah, hat sich das Unternehmen auf die Entwicklung und den Vertrieb von Marketing- und Vertriebssoftware spezialisiert. Der Börsengang erfolgte im Oktober 2014. Der Firmensitz: eine alte Möbelfabrik aus dem 19. Jahrhundert.

Nerf-Gun-Gefechte im Großraumbüro

Lyons Beschreibung der Arbeitsatmosphäre bei HubSpot bedient sämtliche Start-up-Klischees. Konferenzräume sind mit Tischkicker und Spielekonsole ausgestattet und die hauseigene Kantine verfügt über eine „Candy Wall“ mit hunderten Variationen von Nüssen, Schokolade und Gummibärchen. Dazu hält praktisch jede Etage des Gebäudes ihren eigenen Bürohund. Die Arbeitsräume sind hingegen knapp bemessen. In Großraumbüros sitzen die Mitarbeiter dicht an dicht, der Laptop ist oft das einzige Arbeitsutensil. Aufgelockert wird diese Tristesse durch gelegentliche Feuergefechte mit Nerf-Guns, kleinen Spielzeugwaffen in allen erdenklichen Ausführungen. 

Auch im Silicon Valley ein gefragter Gast: Dan Lyons berichtet bei Google über seine Erfahrungen bei HubSpot.

Bemerkenswert ist auch die Unternehmenskultur, die HubSpot seinen Angestellten vermittelt. Man verfolge, so die offizielle Verlautbarung auf der Homepage des Unternehmens, die Mission, „die Welt und die Unternehmen darin nach und nach auf Inbound [-Marketing] umzustellen.“ Diese Idee einer Weltrevolution des Marketings wird den Mitarbeitern im Rahmen zahlreicher Workshops und Motivationsreden recht nachdrücklich vermittelt, wie Lyons beschreibt.

„Gratulation zum Abschluss!“

Generell, so der Autor, ist HubSpot bestrebt, seinen Mitarbeitern ein enges Zugehörigkeitsgefühl zu vermitteln. Die Unternehmensfarbe orange ist auf dem gesamten Gelände omnipräsent und viele der Angestellten erscheinen in Firmenkleidung zur Arbeit. Statt Schlüsselkarten erhalten alle Mitarbeiter einen Transponder, der an einem orangefarbenen Armband befestigt ist – so ist die Zugehörigkeit jederzeit deutlich sichtbar.

Junger Mann freut sich über seinen Universitätsabschluss
Ob sich die HubSpotter auch so über ihren "Abschluss" freuen? In der bunten Welt des Start-up herrscht eine Kultur des "Hire-and-Fire". Quelle: Ljupco Smokovski / fotolia.com

Während das Unternehmen also in vielerlei Hinsicht in das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter investiert, herrscht in anderen Bereichen ein deutlich rauerer Umgangston. Denn auch fristlose Kündigungen sind, so Lyons, keine Seltenheit. In einem solchen Fall spreche HubSpot intern nicht von Entlassung, stattdessen lasse das Unternehmen verlauten, der Betreffende habe „seinen Abschluss gemacht“. Glaubt man dem Autor, kommen derlei überraschende „Abschlüsse“ häufiger vor.

Fazit

Wenn ein Ex-Mitarbeiter ein Buch über seinen ehemaligen Arbeitgeber schreibt, ist zunächst einmal Vorsicht geboten. Tatsächlich merkt man dem Autor, der trotz seiner 25 Jahre Berufserfahrung unter einem sehr jungen Vorgesetzten arbeiten musste, seinen Frust und seinen verletzten Stolz deutlich an. Nichtsdestotrotz liefert „Von Nerds, Einhörnern und Disruption“ einen interessanten Einblick in das Innenleben einer Branche im Ausnahmezustand. Am Beispiel von HubSpot wird deutlich, wie junge Hightech- und Softwarefirmen mit zum Teil alltäglichen Produkten den Branchen-Hype nutzen, den andere Unternehmen wie etwa Google, Facebook oder Amazon durch echte Disruptionen entfacht haben. 

Buchcover "Von Nerds und Einhörnern"

Aufgepasst!

Wir verlosen zwei Exemplare von „Von Nerds, Einhörnern und Disruption. Meine irren Abenteuer in der Start-up-Welt.“ Senden Sie einfach eine E-Mail mit Ihrer Postadresse und dem Betreff „Buchtipp“ an inside@top100.de Den Gewinner geben wir im nächsten Buchtipp in vier Wochen bekannt.

Dan Lyons: Von Nerds, Einhörnern und Disruption. Meine irren Abenteuer in der Start-up-Welt. Redline. ISBN 978-3-86881-650-1.

Gewinner Buchtipp Februar

Im letzten Buchtipp gab es drei Exemplare von „Nein! Was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken können“ von Anja Förster und Peter Kreuz zu gewinnen. Die glücklichen Gewinner sind:

- Gordon Behrens aus Sulingen
- Bettina Herrmann aus Weißenfels
- H.-Peter Kelm aus Hessigheim

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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