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Gescheit(ert)?

19. Juni 2017 Nils Seger Lesedauer 4 Minuten

Durch das Internet getrieben, wachsen virtueller und realer Markt mehr und mehr zusammen. Das bietet wirtschaftliche Chancen, doch gerade im Mittelstand ist die Angst vor dem digitalen Scheitern weit verbreitet. Ein Beitrag über die fünf größten Digitalisierungs-Hürden und wie Sie damit umgehen.

1) Angst vor der Digitalisierung nicht ignorieren, sondern in Motivation umwandeln

Die Angst vor der Digitalisierung ist berechtigt, denn von Tag zu Tag nehmen die Veränderungen rapide zu und die Geschwindigkeit der Netzwelt erhöht sich. Ihre Mitarbeiter sind sich der Notwendigkeit des Wandels bewusst. Laut einer Umfrage des Personaldienstleisters Randstad sehen 68% der befragten deutschen Arbeitnehmer jetzt schon Bedarf an einer digitalen Strategie. Allerdings sehen lediglich etwas mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer ihr Unternehmen für die Digitalisierung gewappnet. Nur 52% der deutschen Arbeitnehmer haben das Vertrauen in ihr Unternehmen, dass bereits eine tragfähige digitale Strategie entwickelt worden ist. Die Herausforderungen der Digitalisierung kann am besten dann gemeistert werden, wenn Unternehmen positive Zukunftsszenarien entwickeln und die Zielbilder zusammen umsetzen.

Geschäftsmann denkt an Geld
Wer bei der Digitalisierung seiner Prozesse an den richtigen Stellschrauben dreht, kann auch mit kleineren Investitionen Wirkung erzielen. (© DDRockstar / fotolia.com)

2) Kann ich mir das überhaupt leisten?

Zur Entwicklung und Einführung der digitalen Prozesse sind nicht immer außergewöhnliche Fähigkeiten notwendig. Manchmal führen schon kleine Anpassungen zu großer Wirkung. Damit wirkt das emotionale Hemmnis vor der Finanzierung weitaus höher als es eigentlich sollte. Anwender aus kleinen und mittelständischen Unternehmen, die frühzeitig den Schritt in die Digitalisierung wagen, können häufig ihre Produktivität und Leistung schnell verbessern - das zeigt eine globale Studie des Marktforschungsinstituts IDC im Auftrag von SAP. Demnach spüren vier von fünf kleinen bzw. mittelständischen Unternehmen frühzeitig die Vorteile der Digitalisierung durch langfristige niedrigere Kosten, Produktionssteigerungen, mehr Absatz und höhere Produktivität der Mitarbeiter. Wer den (Fort-)Schritt nicht wagt, könnte am Markt abgehängt werden. Es ist nicht immer notwendig, ein ganzes Geschäftsmodell zu hinterfragen. Oftmals sind die ersten Schritte die Einführung spezieller Tools und die dadurch verbundene Optimierung von Prozessen.

3) Veränderung der Arbeitswelt: Ja. Arbeitsplatzverlust: Nein

Einhergehend mit der Digitalisierung werden Arbeitsplätze verändert, nicht aber zwangsweise wegfallen. Das Unternehmen ist gefordert, Kompetenzen und Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter zu erkennen und zu kanalisieren. Das Potenzial der Digitalisierung entfaltet sich erst mit der Reflexions- und Anpassungsfähigkeit des Teams. Unkomplizierte Aufgabenstellungen werden mehr und mehr ausgetauscht, dafür entstehen auf der anderen Seite neue Geschäftszweige und -modelle, die neue Arbeitsplätze schaffen bzw. die vorhandenen Positionen weiterentwickeln.

Vorhandene Arbeitskräfte und deren Qualifikationen bzw. Erfahrungen können in den Einführungsprozess mit einbezogen werden. Durch konzeptionelle Weiterbildungsmaßnahmen werden ihre Aufgaben- und Verantwortungsbereiche gezielt erweitert. Eine Förderung flexibler Arbeitsstrukturen baut ein interdisziplinäres Denken innerhalb des Unternehmens aus. Darüber hinaus wird das Erfahrungswissen ihrer Arbeitskräfte, das auch durch digitale Technologien nicht ersetzt werden kann, unterschätzt. Die Erfahrung ihrer qualifizierten Arbeitskräfte ist in der Digitalisierung nämlich ein wichtiger Bestandteil für eine stabile Produktion.

4) Sicherheitsbedenken behindern die Umstellung

Sensible Daten und der unbefugte Zugriff auf diese sowie mangelnde Sicherheitstechnologien können zu Sicherheitsbedenken bei der Umstellung führen. Mit der Wahl eines auf Cyber-Security spezialisierten Partners kann nicht nur die Sicherheit ihrer Daten verbessert, sondern auch der geographische Standort der Daten bestimmt werden. Weiterhin sind in den letzten Jahren wirksame Gesetzesregelungen verabschiedet worden, die die Unternehmen effektiv vor unbefugtem Zugriff bzw. Datenlecks schützen. Maßgeblich trägt dazu die europaweit einheitliche Datenschutzverordnung bei. Mit der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wird das Datenschutzrecht innerhalb Europas vereinheitlicht werden, um dem Einzelnen mehr Kontrolle über seine Daten zu verschaffen. Demnach gelten künftig in allen EU-Staaten die gleichen Standards in Sachen Datenschutz. Datenschutzrechtliche „Rückzugsräume“ innerhalb Europas wird es damit nicht mehr geben.

Agentur RCKT
Die Digitalagentur RCKT betreibt die Hub Agency des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Sie begleitet Digitalisierungsprojekte von Start-up-Unternehmen und etablierten Firmen. (@RCKT)

5) Junge Talente braucht das Land

Nicht nur Großkonzernen eröffnet der Digitalisierungsprozess und die damit verbundene vernetzte Produktion enormes wirtschaftliches Potenzial. Es ist auch an den bereits bestehenden Basistechnologien zu sehen, dass der technologische Fortschritt auch für mittelständische Unternehmen Produktivitätsfortschritte ermöglicht. Zudem verschafft eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie einen  Vorteil beim Wettbewerb um fähige Nachwuchskräfte.

Junge Talente sind begehrt am Markt und entscheiden sich zunehmend für Arbeitgeber, die ein innovatives Arbeitsumfeld, flexible Arbeitszeiten und größeren Verantwortungsspielraum anbieten als Unternehmen mit starren Strukturen. Um diese Berufseinsteiger für sich zu gewinnen, können mittelständische Unternehmen flexible Organisationsstrukturen und flache Hierarchien einführen. Darüber hinaus greifen von Tag zu Tag Unternehmensbereiche mehr und mehr ineinander, da Arbeitsprozesse zunehmend nicht nur eine Abteilung betreffen. Dies gestaltet nicht nur Prozesse effizienter, sondern erleichtert zudem die Kommunikation zwischen Mitarbeitern.

Autor

Nils Seger ist Gründer und Geschäftsführer der Digitalagentur RCKT. Mit einem Team aus 45 Mitarbeitern und einem Netzwerk aus über 200 Experten kümmert sich RCKT um die strategische Beratung von Digitalprojekten. RCKT ist eine Ausgründung der Start-up-Schmiede Rocket Internet, für die Nils Seger in verschiedenen Funktionen tätig war.

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