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TOP 100-Juror Frank Thelen warnt vor dem Abstieg Europas.

Frank Thelen warnt vor dem Abstieg Europas

15. April 2021 Christoph Klawitter Lesedauer 6 Minuten

Die Tech-Giganten aus den USA und China bestimmen das Geschehen, Europa wird zum reinen Datenlieferanten: Um dieses Szenario zu verhindern, braucht es laut Investor und TOP 100-Juror Frank Thelen mutige Unternehmer mit einer „10xDNA“. Was diese mit der Mondlandung zu tun hat, erläutert er in seinem neuen Buch.

Die Sowjets schießen den ersten Satelliten ins All, ihr Kosmonaut Juri Gagarin umrundet als erster Mensch die Erde – für die erfolgsverwöhnten US-Amerikaner ist das ein Schock. In dieser Situation setzt US-Präsident John F. Kennedy 1961 ein schier unmögliches Ziel: Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen amerikanische Astronauten auf dem Mond landen. Für die Weltraumagentur NASA und deren deutschstämmigen Raketeningenieur Wernher von Braun eine riesige Herausforderung: „Um dies zu erreichen, müssten die Raketen um das Zehnfache leistungsfähiger werden“, zitiert Frank Thelen eine Bemerkung von Wernher von Braun. Doch die Amerikaner schafften diese Herausforderung, 1969 glückte die Mondlandung.

In Anlehnung an die Mondlandung und das Zitat von Braun prägen Thelen und sein Co-Autor Markus Schorn den Begriff der „10xDNA“ – gleichzeitig auch Titel des Buches. Thelen und Schorn erläutern: „Die Mondlandung war das erste echte 10x-Projekt der Geschichte. Viele der daran beteiligten Pioniere gründeten in den folgenden Jahren eigene Unternehmen und kommerzialisierten die von ihnen entwickelten Technologien. Aber vor allem kultivierten sie eine neue Geisteshaltung: Denke größer.“

Mit Gmail wagte Google viel – und gewann auch sehr viel. Bild: PixieMe/AdobeStock

Die 10xDNA sei heute ein fester Bestandteil der Kultur vieler Unternehmen im Silicon Valley. Ein Beispiel sei Googles Markteinführung von Gmail im Jahr 2004 gewesen: Google habe versprochen, seinen Nutzern einen E-Mail-Speicher von einem Gigabyte zu bieten – und damit 250 Mal mehr als der Wettbewerber Yahoo. Bei geplant mehreren 100 Millionen Kunden hätte sich für Google bei den damaligen Kosten für Speichertechnik ein potenzieller Milliardenverlust abgezeichnet. „Kein deutscher Controller hätte das zugelassen“, kommentiert Thelen ironisch. Doch das Gmail-Team habe die „10x-Denke“ gehabt, weil es von exponentiellem Fortschritt bei der Speichertechnik und folglich sinkenden Kosten für Speicherkapazitäten ausgegangen sei – und habe am Ende richtig gelegen.

Plötzlich sind die alten Industrien weg

Exponentielle Entwicklungen zu begreifen, das ist für viele Menschen schwierig. „Wir tendieren dazu, den Fortschritt auf lineare Weise zu betrachten“, schreibt Frank Thelen. „Aber die Technologie skaliert exponentiell und bleibt in den ersten Jahren hinter den linearen Erwartungen zurück. Dann beschleunigt sich das Tempo des technologischen Wandels, und innerhalb weniger Jahre sind alte Industrien verschwunden und die Abhängigkeit von der Technologie ist überwältigend geworden.“

Es gibt nicht nur Google, Apple und Amazon, sondern auch Baidu, Tencent und Alibaba. Denn auch in China macht Thelen eine „10xDNA“ aus. „Chinas 10xDNA ist eine Mischung aus breitem gesellschaftlichem Optimismus und einer Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Technologien, gepaart mit dem Willen, durch Innovationen viel Geld zu verdienen“, bilanziert Thelen. Um das zu erreichen, plane die chinesische Regierung zum Beispiel, dass künstliche Intelligenz elementarer Teil der Ausbildung werde – von der Grundschule über die weiterführende Schule bis zum Studium. „Eltern lassen ihre Kinder zum Teil schon im Kindergartenalter programmieren lernen“, fügt Thelen hinzu. 

Das Erschreckende für Europa sei, dass China und die USA neben Apple, Facebook oder Alibaba auch schon eine Reihe weiterer neuer „globaler Champions“ wie beispielsweise Oracle, Netflix oder Huawei hätten. „Alles Unternehmen, die schon heute eine Marktkapitalisierung von über 100 Milliarden Dollar haben oder sehr bald haben werden.“

Künstliche Intelligenz, Blockchain, 5G-Mobilfunknetz, 3-D-Druck, synthetische Biologie, Quantencomputer – auf anschauliche Weise stellt Thelen in einzelnen Kapiteln diese neuen Technologien vor. Er führt aus, wie die Zukunft von uns allen mit diesen neuen Technologien aussehen könnte: Weniger Verkehrstote aufgrund autonom fahrender Fahrzeuge, Fleisch aus dem Labor, das das Klima schont, oder Flugtaxis, die Passagiere befördern. Er zeigt auf, dass es schon jetzt einzelne Unternehmen gibt, die an solchen bahnbrechenden Technologien arbeiten.

Im Buch „10xDNA“ gibt Frank Thelen einen Überblick über neue verheißungsvolle Technologien. Bild: Frank Thelen / frank.io

So entfachen Sie in sich die „10xDNA“

Um in sich selbst die „10xDNA“ zu entfachen, braucht es laut den Autoren die richtige Einstellung und passende Methoden. Sie schlagen vor, sich die kindliche Freude an Neuem zu bewahren, Dingen auf den Grund zu gehen und auch Durchhaltevermögen zu entwickeln. Auch empfehlen sie, die eigenen Denkbarrieren einzureißen. Es brauche Mut, konsequentes Handeln und – das klingt überraschend – Paranoia. Thelen und Schorn erläutern, dass die Furcht davor, „zurückzufallen und das Rennen zu verlieren“, tief in der DNA von Amazon und Google eingewoben sei – dass also die Angst vor dem Niedergang zu Höchstleistungen antreibt. 

Das Buch „10xDNA“ solle ein „konstruktiver Weckruf“ sein, schreibt Frank Thelen. „Ein Appell an die Macher, Entscheider, Politiker und an alle, die ihren Teil dazu beitragen wollen, dass Europa auch in Zukunft auf Augenhöhe über globale Fragestellungen verhandeln kann.“ Er ergänzt: „Eine Welt, in der nur noch die USA und China diskutieren, wie wir den Klimawandel stoppen oder ob und wie wir künstliche Intelligenz regulieren, wird nicht immer die richtigen Antworten finden.“ Wenn Europa mitgestalten wolle, müsse es wirtschaftlich bedeutend bleiben. „Die Gefahr, dass es in zehn Jahren bedeutungslos ist, wird maßlos unterschätzt.“

Fazit

Ob Blockchain, 5G oder künstliche Intelligenz – Thelens Buch bietet einen Überblick über den aktuellen Stand dieser wegweisenden, oft technisch schwer zu verstehenden Zukunftstechnologien. Dass er diese allgemeinverständlich erklärt, ist eine große Stärke des Buches. Spannend ist es auch, wenn er Erfolgsbeispiele aus dem Silicon Valley heranzieht oder sich ausmalt, welche Chancen in den Technologien liegen, dabei aber auch nicht die Risiken verschweigt. Und dass er davor warnt, dass Europa an Bedeutung verlieren könnte, macht nachdenklich. Etwas mehr würde man noch gerne darüber erfahren, wie genau man eine „10xDNA“ entwickeln kann – dieser Teil könnte etwas ausführlicher sein. Aber wer sich über die neuen Technologien informieren will, liegt mit Thelens Buch genau richtig.

Frank Thelen: 10xDNA. Das Mindset der Zukunft. Frank Thelen Media GmbH, Bonn. 256 Seiten, 19,99 Euro. ISBN: 978-3-9821764-0-6

Zukunftsforum und Field Trips

Am 29. April haben einige Top-Innovatoren im Rahmen des digitalen „TOP 100-Zukunftsforums“ die exklusive Gelegenheit, mit Frank Thelen ins Gespräch zu kommen (Veranstaltung bereits ausgebucht). Er wird erläutern, was der Mittelstand beitragen kann und er wird die Fragen der Top-Innovatoren beantworten. Dr. Mario Herger, der seit 15 Jahren im Silicon Valley lebt und arbeitet, wird die Veranstaltung moderieren.

Apropos: Regelmäßig bricht eine Delegation aus Top-Innovatoren auf, um die außergewöhnliche Innovationskraft der Unternehmen im Silicon Valley aus nächster Nähe zu erleben. Der nächste Field Trip dorthin ist für Frühjahr 2022 geplant. Für dasselbe Jahr ist ein weiterer Field Trip vorgesehen: Dann geht’s nach Shanghai, einem Zentrum des chinesischen Wirtschaftswunders. An diesen Veranstaltungen und Field Trips können Top-Innovatoren teilnehmen. Wer sich bei TOP 100 bewerben möchte, kann dies hier tun: https://www.top100.de/anmelden.html

Autor

Christoph Klawitter schreibt als PR-Redakteur von compamedia für den TOP 100-Blog.

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