Elfmeter verschossen? Einfach weiter daneben schießen!

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Elfmeter verschossen? Einfach weiter daneben schießen!

16. Februar 2017 Sebastian Renner Lesedauer 6 Minuten

Bestimmt kennen Sie einige berühmte Torjäger. Aber warum schießen die Müllers, Ronaldos, oder Lewandowskis deutlich mehr Tore als ihre Mitspieler? Ist es ein besonderes Talent, das ihnen in die Wiege gelegt wurde? Die Antwort ist vergleichsweise einfach – und für Sie von großer Bedeutung. Weil Sie das Erfolgsrezept dieser Fußballer kopieren können.

Geborene Torjäger haben nicht die geringsten Hemmungen, den Ball in den Abendhimmel zu schießen oder ihn meterweit neben das Tor zu setzen. Nicht jeder Schuss kann schließlich als Treffer im gegnerischen Tor einschlagen. Die Formel ist: mehr (Fehl)schüsse = mehr Tore! 

Ein Stürmer, der auf die „100-prozentige“ Torchance wartet und erst dann schießt, sitzt sehr bald auf der Reservebank. Auch Unternehmen, die so lange zuwarten, bis alles „100-prozentig klar“ ist, steigen im globalen Wettbewerb in die „Rote-Zahlen-Liga“ ab. Und irgendwann erfolgt der finale „Schlusspfiff“, sodass der laufende „Spielbetrieb“ eingestellt werden muss.

Ihre Mannschaft ist wie sie ist

So weit so gut, werden Sie jetzt sagen. Warum aber scheitern so viele gut gemeinte und mit großem Elan begonnene Innovationsprozesse? Ist es so, dass letztlich die berühmte „Betonfraktion“ es immer wieder schafft,  alle guten Innovations-Ideen einzumauern? Ja und nein. 

Sie wissen als Unternehmer, dass es in Ihrer Firma Widerstände gegen Innovationen und Neuorientierungen gibt und immer geben wird. Trotzdem müssen Sie bei der Ideenfindung alle – ausnahmslos alle – Mitarbeiter mitnehmen. Das wird ein hartes Stück Arbeit, glauben Sie mir! Und das Risiko des Scheiterns Ihres Innovationsprozesses ist sehr hoch, scheint manchmal sogar vorprogrammiert zu sein. Was ist also zu tun? 

Der Trainer formt die neue Mannschaft 

Durch den Einsatz diverser Kreativitätstechniken entsteht ein fruchtbares Innovationsklima (©rawpixel/fotolia.com)

Beginnen wir mit einer – ziemlich banalen – Analyse. Aus meiner Erfahrung scheitern oder verzögern sich die meisten Innovationsprozesse aus einem einfachen Grund: Der Trainer (die Geschäftsleitung des Unternehmens) meint, solche Prozesse befehlen oder per Anweisung in Gang setzen zu können.

Dabei kommt außer einem Silvester-Feuerwerk nicht viel heraus. Schon am Neujahrstag werden die Überreste zusammengekehrt und alles ist vergessen. Eine viel bessere Idee ist es also, zunächst das Trainer-Handwerk zur erfolgreichen Steuerung von Innovationsprozessen zu erlernen; sprich: sich über geeignete Kreativitäts- und Moderationstechniken zu informieren und sich diese Techniken anzueignen, sodass sie in Fleisch und Blut übergehen. Ohne das praktische Anwenden solcher Techniken gelingt es kaum, eine innovationsfreundliche Kultur zu schaffen. Und der Hauptgrund ist: Kreativitäts- und Moderationstechniken disziplinieren zunächst den Trainer in Zurückhaltung, Zuhören und Geduld mit unterschiedlichen Charakteren; solche und solche eben. Weil sich nur durch das Zusammenspiel verschiedener Talente eine leistungsstarke, innovative und umsetzungsfreudige Mannschaft gestalten lässt.

Werden Sie Erfolgstrainer Ihres Unternehmens

Es gibt Trainer, die ohne Trainerschein erfolgreich arbeiten. Wenn Ihnen ein solches Talent in die Wiege gelegt wurde, haben Sie das Glück auf Ihrer Seite. Aber die meisten Unternehmenslenker sind eben keine Naturtalente in der Moderation und beim Zuhören und sind daher darauf angewiesen, sich immer weiter zu entwickeln. In Erwartung einer ungewissen Zukunft, in der viele traditionelle Geschäftsmodelle von digital versierten Newcomern „angegriffen“ werden, hilft nur eines: ebensolche Strategien zu entwickeln, in fairem Zusammenstehen mit der „Stamm-Mannschaft“.  

Folgende Moderations- und Kreativitätstechniken helfen Ihnen dabei, als Erfolgstrainer Ihre Mitarbeiter zu einem Erfolgsteam zusammenzuschweißen:

1. Der Auftakt in einem Workshop: Der Artikel aus der Zukunft

Geben Sie Ihren Mitarbeitern einige Blätter Papier und einen Stift. Bestimmen Sie eine enge Zeitvorgabe (45 Minuten). Fordern Sie die Workshop-Teilnehmer auf, einen Text zu schreiben, zu folgender Headline:

Wir schreiben das Jahr 2022. Der Weg meines Unternehmens in den vergangenen fünf Jahren.

Nachdem 45 Minuten verstrichen sind, lassen Sie die Workshop-Teilnehmer ihren Text vorlesen. Danach kann über die einzelnen Texte und deren Inhalte diskutiert werden. In den Texten enthaltene Ideen werden als Vorlage für weitere Ideenentwicklung genommen. Der Trainer erkennt in den einzelnen Texten auch die Innovationsfähigkeit jedes einzelnen Mitarbeiters. Verboten ist jedoch eine Bewertung, denn jeder „Aufsatz“ hat den gleichen Wert.

2. Design-Thinking

Beim Design-Thinking steht der Nutzer und dessen Bedürfnisse im Vordergrund und bildet den Ausgangspunkt aller Überlegungen. Der gesamte Prozess orientiert sich daran, Innovationen zu schaffen, die diese Nutzerbedürfnisse wirklich abbilden. Beim Design-Thinking geht es in erster Linie darum, Nutzer intensiv im Kontext mit der Nutzung eines  Produktes oder Dienstleistung zu beobachten und daraus Innovationen (kleine oder auch große) abzuleiten. Um zu prüfen, ob die jeweilige Lösung vom Nutzer auch verstanden wird, wird zum Schluss intensiv getestet. Dabei werden dem Zielnutzer Prototypen gezeigt und die Funktionen des Produktes ausprobiert. Danach können weitere Verbesserungen vorgenommen werden. Fazit: Bei Anwendung dieses Verfahrens, das zunächst sehr aufwendig erscheint, gibt es jedoch kaum „Flops“ bei der Markteinführung.

Der Design Thinking Prozess der d.school in Stanford besteht aus fünf Schritten.

3. Die Fluchtmethode

Hier wird versucht, bestehende Grundvoraussetzungen gezielt infrage zu stellen und andere (ungewöhnliche) Lösungswege zu finden. Das Modell zeigt beispielhaft, wie ein neuer Restaurant-Typ entsteht. Alle bekannten Fakten über traditionelle Restaurant-Konzepte werden in Frage gestellt und ins Gegenteil verkehrt. Beispiel: Ein Restaurant hat einen Kellner; unser Restaurant hat keinen Kellner. Ein Restaurant hat Tische und Stühle; unser Restaurant hat keine Tische und Stühle. Und so weiter. Fazit: Durch die Verkehrung bekannter Charakteristiken ins Gegenteil (Flucht) entstehen neue, innovative und überraschende Geschäftsmodelle.

Die Fluchtmethode (© compamedia / eigene Darstellung in Anlehnung an "Denkwerkzeuge der Kreativität und Innovation: Das kleine Handbuch der Innovationsmethoden" von Florian Rustler, S. 160 f.)

Gewinnen Sie mit „Ihrer Mannschaft“

Natürlich gibt es noch viele Moderations- und Kreativitätsmethoden, die Sie erlernen können. So alltägliches Handwerkszeug wie das Brainstorming habe ich bewusst ausgelassen, das sollte zur Allgemeinbildung gehören. Es sprengt den Umfang dieses Blogs, alle Methoden ausführlich zu beschreiben; das Erleben ist in jedem Falle spannender und erweitert Ihren Horizont. Mein Rat: Bleiben Sie dran – auch das macht einen guten Unternehmer aus!

Autor

Sebastian Renner ist Initiator, Cheftrainer und Autor bei der „Marketingakademie Mittelstand“ sowie Geschäftsführer der Renner Marketing GmbH in München.

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