Die Senkrechtstarter der Start-up-Szene

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Die Senkrechtstarter der Start-up-Szene

11. Januar 2017 Pascal Simon Lesedauer 4 Minuten

Kreative Ideen, Mut zur Innovation und kurze Entscheidungswege – auch jenseits der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ sorgten deutsche Start-ups im vergangenen Jahr für Aufsehen. Fünf von ihnen haben uns 2016 ganz besonders beeindruckt.

Magazino – Robotik in der Lagerlogistik

Das 2014 gegründete Münchner Start-up Magazino treibt die Automatisierung in der Lagerlogistik voran. Der selbst entwickelte Roboter „TORU“ übernimmt die Kommissionierung einzelner Waren – und das aufs Stück genau. Mit seiner dreh- und ausfahrbaren Hauptsäule erinnert der Roboter stark an einen Gabelstapler. In diesem Fall laufen Navigation, Warenentnahme und –Auslieferung am Wunschort jedoch vollautomatisch ab. Gerade für den Versandhandel verspricht die Entwicklung des jungen bayrischen Unternehmens erhebliche Kostenersparnis. Doch auch in anderen Bereichen ergeben sich Einsatzmöglichkeiten. Tatsächlich lieferte Magazino seine ersten Prototypen an Apotheken. Inzwischen arbeiten die Münchner an einer Weiterentwicklung des TORU für die Industrie. Der für dieses Jahr angekündigte „TORU Box“ soll in der Lage sein, Montagelinien (z.B. aus der Automobilindustrie) selbstständig mit Nachschub an Kleinteilen zu versorgen.

Auswählen, zwischenlagern, ausliefern – der TORU erledigt alles vollautomatisch

Kauz – Chatbots mit Köpfchen

Die Kauz GmbH in Düsseldorf arbeitet derweil an intelligenten Chatbots. Dabei handelt es sich um Programme, die ein „Gespräch“ mit ihrem Nutzer simulieren. Chatbots schlüpfen in die Rolle eines Webshop-Verkäufers, der dem Nutzer alle Fragen zur Produktpalette beantwortet und auf Anfrage entsprechende Produktvorschläge macht. In der Theorie garantieren die Bots also eine optimale Kundenbetreuung rund um die Uhr – mit der entsprechenden Wirkung auf die Verkaufszahlen. Das Problem: Viele der angebotenen Bots sind dumm, der Einkauf wird zu einer mühevollen Geduldsprobe. Genau hier setzt Kauz an. Mit einem interdiszplinären Team aus Linguisten, Computerlinguisten und IT-Entwicklern hat das im Jahr 2013 gegründete Unternehmen einen Prototypen entwickelt, der viele seiner Konkurrenten in den Schatten stellt. „Carla“ erkennt den Kontext eines Gesprächs und kann in ihren Antworten Rückbezüge zum bisherigen Gesprächsverlauf herstellen. Aktuell betreut „Carla“ einen kleinen Online-Shop für Schokolade. Das Konzept lässt sich jedoch auf alle erdenklichen Bereiche des E-Commerce übertragen. 

Xolution - Innovative Verschlusskonzepte

Mit „XO“ gehört schales Dosenbier bald der Vergangenheit an.

Während sich Magazino und Kauz noch in der Aufbauphase befinden, hat sich Xolution mit innovativen Verpackungslösungen bereits international einen Namen gemacht. Seit 2011 vertreibt das Unternehmen um Geschäftsführer Marc von Rettberg wiederverschließbare Getränkedosen. Was zunächst einfach klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Meisterstück der Verpackungstechnik: Fünf Jahre lang tüftelten die Entwickler an dem Verschluss, bevor dieser 2011 erstmals in Serie produziert wurde. Diese Arbeit zahlt sich nun aus: In Deutschland ist Xolution zwar weitgehend unbekannt, dafür ist deren Getränkedose "XO" in den USA und in Asien sehr beliebt. Die letzte Finanzierungsrunde spülte Anfang 2016 noch einmal 45 Millionen Euro in die Unternehmenskassen. Mit diesem Geld wollen die Münchner ihre internationale Produktion auf bis zu eine Milliarde Dosen ausweiten.

Blue Yonder – die Big Data-Analysten

Ähnlich wie Xolution hat sich auch das Karlsruher Unternehmen Blue Yonder bereits am Markt etabliert. Im Jahr 2008 gründete der Kernphysiker Dr. Michael Feindt das Unternehmen in Kooperation mit der Otto Group. Seitdem hat sich Blue Yonder als Spezialist auf dem Gebiet der intelligenten Datenauswertung einen Namen gemacht. Vor allem Lebensmittelhändler wie etwa Kaufland oder Natsu profitieren vom Know-How der Karlsruher Big Data-Experten. Deren selbstlernende Algorithmen liefern exakte Prognosen des täglichen Warenbedarfs – das reduziert einerseits Überbestände und verhindert anderseits den Ausverkauf eines beliebten Produkts. Darüber hinaus bietet Blue Yonder weitere Analysen zum Kundenverhalten, deren Ergebnisse beispielsweise für eine optimale Preisgestaltung genutzt werden. Inzwischen sind auch weitere Geldgeber bei Blue Yonder eingestiegen: vor zwei Jahren sicherte sich das Private-Equity-Haus Warburg Pincus mit der stolzen Summe von 75 Millionen Dollar eine Beteiligung.

WARR Hyperloop – Tüfteln für Elon

Die „Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt“ ist an der TU München angesiedelt und zählt streng genommen nicht zur Riege der Start-ups. Tatsächlich werden hier jedoch von Studentengruppen eigenständige Forschungsprojekte vorangetrieben, die den bisher genannten Unternehmen an Innovationskraft in nichts nachstehen. Bestes Beispiel: Der Bau eines Prototypen einer Hyperloop-Kapsel. Als reines Studentenprojekt gestartet, kann das 37-köpfige Team um Projektleiterin Mariana Avezum mittlerweile auf die Unterstützung namhafter Sponsoren wie beispielsweise Airbus zählen. Ende des Monats präsentieren die Münchner ihren Prototypen schon zum zweiten Mal beim amerikanischen Raumfahrtunternehmen SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk. Dieser hatte vor vier Jahren die Idee des Hyperloops erstmals formuliert und wenig später einen weltweiten Konstruktionswettbewerb für die benötigten Transportkapseln ausgerufen. Als eines von insgesamt 33 im Wettbewerb verbliebenen Teams liegt die WARR als einziger deutscher Vertreter noch aussichtsreich im Rennen.

Sieht aus wie die Schnauze eines ICE: die WARR will mit Ihrem Prototyp den Wandel der öffentlichen Infrastruktur vorantreiben.

 

 

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und Junior PR-Berater bei compamedia

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