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Die Kunsthandwerk-Revolution

07. November 2016 Claudia Helming Lesedauer 4 Minuten

Eine verrückte Idee – handgemachte Unikate online verkaufen und damit erfolgreich sein. Mit ihrem Portal DaWanda hat Claudia Helming jedoch den Nerv der Zeit getroffen und den größten Marktplatz für Selbstgemachtes in Europa entwickelt. Ein Blick hinter die Kulissen.  

„Mach doch was Sicheres!“, oder „Wie will man denn mit Handarbeit Geld verdienen?“, musste ich mehr als einmal hören. Denn viele hielten allein schon die Idee, Handgemachtes online zu verkaufen, und das Ziel, damit ein richtig großes, internationales und wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen zu schaffen, für mehr als verrückt. Aber ich habe mich nicht verunsichern lassen und weiter fest an meine Idee geglaubt – der Erfolg gibt mir heute recht. Manchmal gerate ich ins Schwärmen darüber, dass langfristig noch so viel mehr möglich ist – etwa Hunderttausende oder Millionen Arbeitsplätze zu schaffen oder Dritte-Welt- Länder an die Weltwirtschaft anzuschließen; Überhaupt die Weltwirtschaftsordnung etwas zu untergraben und dabei gleichzeitig nachhaltig sowie wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Mit Selbstgemachtem Europa erobert

Wenn ich diese Vision äußere, gratulieren mir die Wenigsten zu meinem Realitätssinn. Doch ich bin davon überzeugt: Man muss sich große Ziele setzen und auch schon mal nach den Sternen greifen. Nur so kann man über viele Jahre mit dem nötigen Biss für seine Ideen kämpfen. Bereits Ende 2009, also drei Jahre nach der Gründung des Onlinemarktplatzes, konnte DaWanda profitabel wirtschaften. Daher konzentrierten wir uns erfolgreich auf die Internationalisierung des Unternehmens: Die DaWanda-Website gibt es mittlerweile auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Polnisch sowie Niederländisch – und sie ist Europas größter Marktplatz für Selbstgemachtes und Unikate.

Im Schnitt wird auf DaWanda jede Minute eine Tasche gekauft, alle 30 Sekunden ein Baby- oder Kinderprodukt und alle 20 Sekunden ein Schmuckstück (© Screenshot/Dawanda)

Handgemachtes ist populär

Kreative und Designer produzieren nicht nur für den Eigenbedarf, sie möchten ihre Produkte auch erfolgreich vermarkten. Doch ein eigenes Ladengeschäft ist meist mit einem verhältnismäßig hohen Aufwand und finanziellem Risiko verbunden; ein Weihnachts- oder Kunsthandwerkermarkt ist einem lokal begrenzten Markt vorbehalten. Einen Onlinemarktplatz hingegen kann jeder dazu nutzen, seine Produkte vergleichsweise unkompliziert einer großen Zielgruppe anzubieten – vielleicht sogar weltweit. Das ermöglicht Menschen auf der ganzen Welt, besonders Frauen und Müttern, den Einstieg in die Selbstständigkeit und in ein erfolgreiches Unternehmertum – jenseits gigantischer globaler Vermarktungsketten. Denn es hat sich gezeigt, dass unsere Vision, kreativen Menschen zu helfen, aus ihrer Leidenschaft einen Beruf zu machen, Gestalt angenommen hat: Heute leben rund 20 % aller DaWanda-Verkäufer von ihren Produkten.

„Handmade“ als starke Marke

Dass das gelungen ist, liegt vor allem daran, dass sich die öffentliche Wahrnehmung enorm verändert hat: „Handmade“ hat heute einen hohen Stellenwert und macht eine eigene etablierte Kategorie aus – mit dem Bio-Siegel vergleichbar. Zu diesem Imagewandel hat DaWanda viel beigetragen. Immer mehr Menschen schätzen die Besonderheit einzigartiger Artikel jenseits des industrialisierten Massenkonsums. Sie wünschen sich nachhaltige Produkte, die nicht am Fließband produziert wurden.

Sie machen sich über die Herkunft ihrer Kleidung, Accessoires und Einrichtungsgegenstände Gedanken und möchten sich mit Einzelstücken von der Masse abheben oder sich über selbstgemachte Kleidung ausdrücken. Der Markt für kreative, individuelle, handgemachte Produkte hat sich daher gut entwickelt, der aktuelle Do-it-yourself-Trend ist für viele zu einer Lebenseinstellung geworden. Diesen Trend haben wir früh erkannt, und wir konnten auch unsere Investoren davon überzeugen.

Den Gründergeist bewahren

Selbstgemachtes liegt absolut im Trend – vor allem in der Weihnachtszeit. Doch nicht jeder hat ein Basteltalent. DaWanda hilft per Mausklick. (© tibanna79 / 123rf.com)

Auf dieser Basis wollen wir weiter wachsen und die Internationalisierung vorantreiben. Während DaWanda anfangs vor allem durch Mundpropaganda, PR, Blogs und Social Media bekannt wurde, decken wir heute alle klassischen Kanäle des Marketing ab.

Wir setzen auf Onlinewerbeformen, Suchmaschinenoptimierung und nach wie vor viel auf das Community-Management in sozialen Medien.

Aber so wichtig internationale Expansion, weiteres Wachstum und Marktführerschaft auch sind, wir möchten gleichzeitig unseren innovativen Gründergeist bewahren.

Die Firma ändert sich ständig. Aber das selbstständige Denken, das schnelle Handeln und die Effizienz eines Start-ups, das soll im Sinne des Kunden bleiben. Auch das Freundliche und das Menschliche. Das ist im Alleingang nicht zu schaffen. Dazu tragen die Menschen bei, die schon lange dabei sind, die den Spirit kennen und leben. Und meine Tür ist niemals zu: Es kann jeder reinkommen, wann immer er will.

 

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Bei diesem Blog-Beitrag handelt es sich um einen gekürzten Auszug eines Fachbeitrags, der im neuen TOP 100-Buch „Wegbereiter“ (Redline-Verlag) erschienen ist. Zum Portal: www.dawanda.com

Autor

Claudia Helming ist die Gründerin und Geschäftsführerin von DaWanda, dem innovativen Onlinemarktplatz für Kreative und Designer.

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