Die Digitalisierung als Chance der Kulturfinanzierung

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Die Digitalisierung als Chance der Kulturfinanzierung

23. März 2017 Anaïs Röschke Lesedauer 4 Minuten

Wir bestellen unseren Wocheneinkauf online, tauschen Kleidung über Apps und planen unsere Reise mit diversen Online-Vergleichs-Tools. Selbst den Partner fürs Leben suchen wir anhand digitaler Matching-Tools. Warum also nicht auch eine Kulturpartnerschaft online anbahnen?

Die Akquise und der Aufbau von Kontakten ist der erste Schritt für eine gelungene Kultursponsoring-Partnerschaft – und doch auch der schwierigste und zeitintensivste. Das gilt zumindest für die Kulturseite. Wie aber sieht es auf Unternehmensseite aus? Dort stellt sich vor allem die Frage: Was möchte ich erreichen? Welche betrieblichen Ziele verfolge ich? Wo lässt sich eine Verbindung über Inhalte finden? Und noch viel wichtiger: Welche Zielgruppen verbinden uns? Ganz zu schweigen von der Zeit und dem Personal, das ich benötige, um eine solche „Corporate Cultural Cooperation“ auf den Weg zu bringen. Lohnt sich das Invest im Vergleich zum Return?

Partnersuche der besonderen Art

Die Digitalisierung hat die Zusammenführung von Menschen mit gleichen Interessen, das „Matching“, im Privatbereich wesentlich vereinfacht. Aber letztlich geht es auch in der Geschäftswelt um die einfache Fragestellung, wie man Anbieter und Anwender zusammenbringt. Wobei nicht nur Kriterien wie Zielgruppe, Budget, Reichweite und Ort matchingrelevant sind, sondern besonders auch die Aspekte Inhalt, Werte, Visionen und die Unternehmensziele. Dabei müssen Marketing- und Kommunikationsstrategien unbedingt berücksichtigt werden.

Best-Practice aus Stuttgart: das COLOURS International Dance Festival wird unterstützt von der Mercedes-Benz Bank.

Ein Online-Matching-Tool kann die Arbeit der beiden Seiten wesentlich vereinfachen. So kann es beispielsweise

  • ein Recherchetool für Unternehmen sein, um ein Gefühl oder eine Orientierung dafür zu bekommen, welche Kulturinstitutionen und Projekte für eine Partnerschaft interessant und passend sind;
  • eine Zeitersparnis durch die Vorselektierung passender Kulturinstitutionen ermöglichen;
  • Kulturinstitutionen ermutigen und darin unterstützen, darüber nachzudenken, was sie Besonderes anzubieten haben und inwiefern dies potenziellen Sponsoren nutzen kann;
  • Kulturinstitutionen eine Plattform anbieten, um ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und die Streuverluste in der Sponsoring-Akquise zu verringern.

Kultur als Produkt und Problemlöser

Kulturinstitutionen und Kulturschaffende müssen also anfangen, ihr Kulturangebot als Produkt zu verstehen, denn genau das ist es. Dann wird es auch einfacher, dieses Produkt einem potenziellen Partner zu „verkaufen“ bzw. den Mehrwert herauszustellen. Im nächsten Schritt können wiederum die Unternehmer das passende Kulturprodukt suchen, um ihre betrieblichen Ziele über Kultursponsoring zu erreichen.

An dieser Stelle ist es wichtig, einen Blick auf die Herausforderungen zu werfen, denen sich Unternehmen ausgesetzt sehen. Weltweit sind es ähnliche Probleme und viele davon können durch die Integration von Kultursponsoring-Partnerschaften in die Marketing- und Kommunikationsstrategie gelindert werden. Probleme können unter anderem sein, dass ein Unternehmen neu am Markt ist, mit mangelnder Glaubwürdigkeit oder Imageproblemen konfrontiert ist; auch Employer-Branding-Aspekte können relevant sein.

Hoffnung für junge „Talente“

Mit der Integration von Kultursponsoring-Partnerschaften in die Unternehmensstrategie und dem Aufbau einer strategischen Partnerschaft können Unternehmen Brand Awareness aufbauen, Networking-Möglichkeiten schaffen, ihr gesellschaftliches Image prägen, etwas für die Mitarbeiterbindung tun und nicht zuletzt Sales ermöglichen.

Ist ein Unternehmen beispielsweise neu am Markt, hat es in der Regel mit dem Problem der Unbekanntheit und fehlender Kontakte zu kämpfen. Diesem Unternehmen ist also mit einer Kulturpartnerschaft geholfen, die es unterstützt, seine Bekanntheit zu erweitern und Kontakte zu schließen.

Open-Air Festivals bieten hervorragende Sponsoring-Möglichkeiten. So machen Sie sich insbesondere bei jungen Zielgruppen einen Namen. (© Africa Studio / fotolia.com)

Nehmen wir als Beispiel ein junges Telekommunikationsunternehmen als Sponsor eines Musikfestivals in Berlin mit einer Zielgruppe von 20- bis 40-Jährigen. Durch die Sponsoring-Partnerschaft ist es dem Festival möglich, eine erfolgreiche Veranstaltung zu realisieren, die vom Publikum gelobt und angenommen wird. Mit dem Telekommunikationsunternehmen werden verschiedene Benefits vereinbart, um dessen Ziele zu erreichen. Dazu zählen zum Beispiel Namensrechte bezüglich des Festival-Brandings, Video- und Music-Uploads auf der Unternehmenswebsite, Sonderagebote für Neuregistrierungen und bestehende Kunden wie beispielsweise Backstage-Pässe oder  Künstlertreffen. Die Integration dieser Benefits ermöglicht dem Sponsor, Aufmerksamkeit für die eigene Marke sowie Neukunden zu gewinnen.

Eine Matching-Plattform für Kultursponsoring-Partnerschaften wie artness.net kann derartige Matches zwischen Wirtschaft und Kultur vorschlagen und ermöglichen. Klar ist auch, dass ein Kultursponsoring-Matching-Portal keine vorgefertigten Sponsorships anbieten kann – dazu braucht es dann tatsächliche Gespräche, um über Ziele und Leistungen zu sprechen.

Autor

Anaïs Röschke gründete zusammen mit David Jackson das Kultursponsoring-Matching-Portal artness.net. Sie studierte Diplom-Malerei und Kulturpädagogik und verfügt über eine langjährige und vielfältige Erfahrung im Projekt- sowie VIP-Relations-Management von Kunstmessen (Art Basel/Art Basel Miami Beach, art forum berlin) und Kulturprojekten (u. a. Young Euro Classic, KLANG! Netzwerk Neue Musik).

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