Der Lebenslauf des Scheiterns

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Der Lebenslauf des Scheiterns

25. Mai 2016 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Unsere „Person des Monats“ ist Johannes Haushofer. Wie, den kennen Sie nicht? Sollten Sie aber! Der 36-jährige Princeton-Professor stellte seinen „Lebenslauf des Scheiterns" ins Netz – und zeigt damit, wie Erfolg wirklich funktioniert.

„Vieles, was ich versuche, misslingt, doch diese Fehlschläge bleiben meist unsichtbar, während meine Erfolge sichtbar sind“, schreibt Johannes Haushofer. Seine Erfolge sprechen tatsächlich für sich: Nach seinem Studium in Oxford erwarb er gleich zwei Doktortitel. Den ersten in Harvard, den zweiten in Zürich. Nach einem dreijährigen Aufenthalt am MIT in Cambridge trat er vor zwei Jahren eine Stelle als Assistenzprofessor für Psychologie und Public Affairs in Princeton an. Ähnlich beeindruckend liest sich auch Haushofers Publikationsliste, die bereits 33 Titel umfasst. Für seine Forschung konnte er Fördergelder im mittleren siebenstelligen Bereich einwerben.

So viel zu Haushofer's „offiziellem“ Lebenslauf. Wer die Homepage des 36-jährigen Franken besucht, findet dort allerdings noch ein weiteres Dokument. In seinem „CV of Failures“ hat Haushofer aufgelistet, was in seiner Karriere bislang alles schiefgelaufen ist bzw. wozu er nicht den Mut hatte. Zwei Seiten voller Frustration und Niederlagen, mit denen er eine Freundin über die Absage einer Bewerbung hinwegtrösten wollte: „Schau her, auch bei mir läuft längst nicht alles nach Plan!“.

„Wir sind pleite - hol den Sekt!“

Damit hat Haushofer einen Nerv getroffen. Die Frage zum Umgang mit beruflichen Misserfolgen wird gerade breit diskutiert und auch in den Unternehmen ist „Fehlerkultur“ zum einschlägigen Begriff avanciert. Dabei wimmelt es von Zitaten wie diesem von Oscar Wilde: „Der Profi macht nur neue Fehler. Der Dummkopf wiederholt seine Fehler. Der Faule und der Feige machen keine Fehler.“

Scheitern gilt hier als Chance, als notwendige Voraussetzung für den anschließenden großen Erfolg. Dementsprechend hat sich insbesondere in den USA ein sehr offener Umgang mit beruflichen Fehlschlägen etabliert. So stammt aus der amerikanischen Gründerszene auch der Trend, die Pleite des eigenen Unternehmens auf sogenannten „Failure Partys“ zu feiern.

Scheitern darf nicht zum Selbstzweck werden

Doch bei all dem Enthusiasmus für den Misserfolg dürfen wir eines nicht vergessen: Scheitern tut weh. Ein Unternehmen, das jahrelang in die Entwicklung des falschen Produkts investiert hat, verliert nicht nur Kapital, sondern muss möglicherweise auch Mitarbeiter entlassen. Ein Grund zum Feiern ist das sicher nicht. Dabei zeigt das Beispiel von Johannes Haushofer, dass ein Scheitern quasi unvermeidlich ist. Insbesondere im Technologie- und IT-Sektor herrscht ein hoher Innovationsdruck, der Unternehmen zur ständigen Weiterentwicklung ihrer Produkte zwingt. Das hierbei nicht immer alles glatt laufen kann, ist selbstverständlich.

Fehler passieren. Worauf es also letztlich ankommt, ist, sich ein Scheitern einzugestehen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Misserfolge sind kein Selbstzweck, das berühmte „Nach-vorne-fallen“ stellt sich nicht von selbst ein. Stattdessen braucht es eine detaillierte Aufarbeitung des Misserfolgs, aus der dann die Konsequenzen für das weitere Vorgehen abgeleitet werden können. In diesem permanenten „Trial and Error“-Prozess schaffen Unternehmen schließlich Innovationen, die den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg sicherstellen.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und Junior PR-Berater bei compamedia

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