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Modernes Großraumbüro

Das Großraumbüro als Kreativitätskiller?

02. August 2018 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Offene Arbeitsplätze fördern den Austausch im Team und lassen kreative Ideen sprudeln – diesem Mantra folgend, verwandeln gerade Start-ups ganze Stockwerke in ein riesiges Großraumbüro. Auch immer mehr Mittelständler folgen diesem Trend. Doch nun sät eine aktuelle Harvard-Studie ernste Zweifel.

Große Räume, viel Licht, viel Glas – für viele Unternehmen beginnt Innovation bereits bei der Gestaltung der Arbeitsplätze. Immer mehr von ihnen entscheiden sich für ein möglichst offenes Design ihrer Büroflächen. Das signalisiert nicht nur Transparenz, sondern soll den Austausch zwischen den Mitarbeitern anregen. Wo Abteilungsgrenzen räumlich aufgehoben werden, fällt auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Ressorts leichter. So entstehen neue Ideen und Impulse.

Auf den ersten Blick ist das ein einleuchtender Gedanke. Schließlich lebt Innovation vom Austausch zwischen Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Fähigkeiten. Allerdings scheinen Großraumbüros, wie sie aktuell insbesondere in der Start-up Szene in Mode sind, der falsche Ort für diesen Austausch zu sein. Das legt zumindest eine kürzlich von dem Harvard-Professor Ethan Bernstein veröffentlichte Studie nahe.

Messgerät
Ausgestattet mit Infrarot, Mikrofon, Bewegungssensor und Bluetooth registrierten die Messgeräte der Forscher jegliche persönliche Interaktion ihrer Probanden. (© Bernstein/Turban)

Weniger persönliche Interaktion im Großraumbüro

In zwei ähnlich aufgebauten Feldstudien untersuchten Bernstein und Co-Autor Stephen Turban, wie sich die Einführung eines offenen Bürokonzepts auf die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern auswirkt. Mithilfe tragbarer Messgeräte wurde die persönliche Interaktion zwischen den Angestellten untersucht, auch den Mailverkehr und die Kommunikation über die unternehmensinternen Messaging-Dienste werteten die Forscher aus. Beide Studien führten sie bei großen, international tätigen Unternehmen durch, unterteilt in zwei Erhebungszeiträume von mehreren Wochen – jeweils vor und nach Umzug der Mitarbeiter in ein Großraumbüro.

Die Ergebnisse sind erstaunlich: In beiden Fällen ging die persönliche Interaktion zwischen den Mitarbeitern um rund 70 Prozent zurück. Gleichzeitig beobachteten die Autoren einen Anstieg der elektronischen Kommunikation via E-Mail und Messenger um bis zu 50 Prozent im Vergleich zum vorherigen Wert. Anders als erhofft, konnte die neue offene Bürogestaltung den interdisziplinären Austausch nicht befeuern – ganz im Gegenteil.

Mitarbeiter suchen Privatsphäre

Mit diesen Resultaten stellen Bernstein und Turban bislang sicher geglaubte Gewissheiten infrage. Dabei gibt es durchaus einleuchtende Erklärungsansätze für das beobachtete Phänomen.

Junge Frau sitzt mit Kopfhörer im Büro
Zu laut? Viele Angestellte kapseln sich mit Musik ab, um in Ruhe arbeiten zu können.

Da wäre zum einen der Geräuschpegel: Warum sich quer durch den Raum etwas zurufen und damit die Kollegen stören, wenn sich dasselbe auch schnell über den Messenger tippen lässt? Zum anderen fühlen sich einige Angestellte in der Öffentlichkeit eines Großraumbüros unwohl, sie bevorzugen die Privatsphäre der elektronischen Kommunikation.

Offene Gespräche in kleinen Teams

Wer also im Sinne einer starken Innovationskultur den interdisziplinären Austausch in seinem Unternehmen fördern möchte, sollte vielleicht nicht unbedingt bei der Büro-Architektur ansetzen. Stattdessen lohnt sich beispielsweise die Gründung spezieller „Innovationsteams“, bestehend aus Mitarbeitern unterschiedlicher Abteilungen, die regelmäßig zusammenkommen um über mögliche Projekte oder eingereichte Mitarbeitervorschläge zu beraten. Zahlreiche der aktuellen TOP 100-Unternehmen arbeiten bereits nach dieser Methode und bringen so neue Innovationen auf den Markt – zum Beispiel SBS-Feintechnik aus Schonach, das zu den erfolgreichsten Unternehmen in der Geschichte des Innovationswettbewerbs gehört. Auch die Steuer- und Messtechnik-Experten von MOBA Mobile Automation verdanken dieser Strategie zahlreiche gute Projektideen.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und PR-Berater bei compamedia

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