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Das Erfolgsrezept hinter Pokémon GO

21. Juli 2016 Pascal Simon Lesedauer 3 Minuten

Am 6. Juli veröffentlichte der japanische Nintendo-Konzern seine neue App „Pokémon GO“. Mit ihrem neuartigen Spielprinzip gilt die App als Paradebeispiel einer gelungenen Innovation. Doch woher rührt dieser durchschlagende Erfolg? Ein Erklärungsversuch. 

Mittwochnachmittag in Überlingen. Ich nutze die Mittagspause für einen Spaziergang am See entlang. Vor mir drei Jungs Anfang 20: gemächliches Tempo, das Smartphone gezückt und ganz ins Gespräch vertieft: „Wie viele hast du heute schon gefangen?“ „Erst vier, aber ich will sowieso zuerst meinen Bisasam hochleveln. Hey, warte mal, vibriert’s bei euch auch?! Hier muss irgendwo wieder eins sein!“ Kein Zweifel: die drei spielen Pokémon GO.

Mit der Neuauflage des alten Gameboy-Klassikers von 1996 ist Nintendo in Zusammenarbeit mit dem Entwicklerstudio Niantic Lab ein echter Coup geglückt. Nur zwei Tage nach Veröffentlichung hatten 5% aller amerikanischen Android-Nutzer die App auf ihrem Smartphone installiert. Durchschnittlich 43 Minuten verbringen die Spieler pro Tag mit der Jagd nach den kleinen Monstern – für keine andere Anwendung wird so viel Zeit investiert. Selbst Twitter, Instagram oder WhatsApp können hier nicht mithalten. 

Weg von der Couch – raus auf die Straße! 

Dabei hat sich an der Spielidee im Vergleich zu damals nichts geändert: Die Spieler fangen kleine Monster, trainieren sie und lassen sie gegeneinander kämpfen. Neu ist dagegen die Umsetzung: die Augmented Reality-Technik bindet die Pixelwesen in die reale Umgebung der Spieler ein. Wie bei einer Schnitzeljagd erkunden die Nutzer öffentliche Plätze und Straßen und sind auf ihrer Suche nach „wilden“ Pokémon immer via GPS mit den Nintendo-Servern verbunden. Befindet sich eine der Kreaturen in der Nähe, wechselt die App automatisch in den Kamera-Modus. Die Spieler sehen nun ein Abbild ihrer direkten Umgebung, in die das Spiel zusätzlich eines der kleinen Monster einfügt. 

Das neue Spielprinzip verwischt die Grenzen zwischen Spiel und Realität und lässt sich nicht zuletzt deshalb hervorragend in den Alltag integrieren. Auf dem Nachhauseweg, beim Rausgehen mit dem Hund oder eben beim Spaziergang in der Mittagspause – so kommt man schnell auf 43 Minuten pro Tag, ohne sich dafür extra Zeit freischaufeln zu müssen. Auch für Kneipen und Restaurants ist die Verfügbarkeit virtueller Pokémon inzwischen zu einem wichtigen Standortfaktor avanciert. 

Augmented Reality allein ist kein Erfolgsgarant

Der Erfolg von Pokémon GO lässt sich jedoch nicht allein auf die Verwendung innovativer Technologie zurückführen. Tatsächlich lieferte Niantic bereits 2013 mit dem Spiel „Ingress“ einen ganz ähnlichen Titel. Dieser setzte zwar ebenfalls auf die Augmented Reality-Technik, zog aber bei weitem nicht so viele Spieler an. Das Beispiel zeigt: die neue Nintendo-App profitiert nicht nur von ihrer Technik, sondern auch von der Bekanntheit der Marke „Pokémon“. Dazu erfolgt die Markteinführung in einer Zeit, in der die Unterhaltungsbranche ohnehin verstärkt auf Neuauflagen alter, erfolgreicher Serien setzt.  Das zeigt sich insbesondere am Beispiel von Filmen wie „Rocky Balboa“, „Ghostbusters“ oder der neuen „Star Wars“-Trilogie. Aber auch im Bereich klassischer Konsolentitel lässt sich ein entsprechender Trend feststellen, wie die Reboots von „Tomb Raider“ und „Doom“ beweisen.   

Nintendos großer Trumpf ist die Nostalgie der Spieler. Dadurch erreicht das Spiel letztlich nicht nur Teenager und Studenten, sondern auch die Generation 30+, die ihre Gameboy-Zeit nun auf dem Smartphone wieder aufleben lässt. So wundert es auch nicht, wenn ein Politiker wie der SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Andreas Schmidt seinen letzten Fang stolz via Facebook verkündet.    

All diese Faktoren machen Pokémon GO schließlich zum Prototyp einer erfolgreichen Innovation. Das Spiel verbindet seine seit über 20 Jahren erprobte Spielidee mit der neuen Augmented Reality-Technik und schafft dadurch ein neues Spielerlebnis, dass den Spieler selbst zur Spielfigur mutieren lässt. Ausgehend von einer starken Markenbekanntheit trifft dieser Cocktail aus Neuem und Altbekanntem noch dazu auf einen Zeitgeist, in dem Schlagworte wie „Nostalgie“, „Fitness“ und natürlich auch „Vernetzung“ ohnehin eine zentrale Rolle einnehmen. 

Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich will nachsehen, ob sich am Überlinger Hafen irgendwo ein Schiggy versteckt. 

Autor

Pascal Simon ist PR-Volontär bei compamedia

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