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Entscheidungssituation: "Anführen" oder "Mitschwimmen"

Das Ego im Dienst der Mannschaft

14. Dezember 2018 Jürgen R. Schmid Lesedauer 3 Minuten

Gemeinschaften ohne inneren Zusammenhalt liefern als Ergebnis im besten Fall die Summe der Einzelleistungen. Das genügt, um den Standard zu erreichen. Doch warum ist nicht mehr möglich? Dafür sind zwei ganz unterschiedliche Menschentypen verantwortlich: die Egos und die Mitschwimmer.  

Jürgen Klinsmann als Trainer der US-amerikansichen Fußball-Nationalmannschaft
Er wurde Weltmeister, Europameister und UEFA-Pokal-Sieger – Jürgen Klinsmann weiß, was eine erfolgreiche Mannschaft ausmacht. (©Steindy/wikimedia)

Das Ego als Erfolgskiller

Jürgen Klinsmann sagte einmal: „Mit einem Egotrip kannst du jedes Unternehmen ruinieren.“ Und das entspricht auch meinen Erfahrungen. Erstaunlich viele unter den energiereichen Menschen konzentrieren sich ganz auf sich und ihre Interessen. So gut sie auch sind: In wichtigen Projekten behindern sie damit das Ergebnis!

Wenn Sie solche Egos in Ihrem Team haben, fragen Sie sich sicher, mit welcher Führungsmethode Sie Ihre Mitarbeiter dazu bewegen können, ihr Ego in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Die Antwort wird Ihnen wahrscheinlich nicht gefallen, denn sie lautet: Nichts! Ein Egomensch wird nur seine eigenen Interessen sehen und das Projekt so hinbiegen, dass es für ihn bequem ist, dass er den Aufstieg schafft oder die Beförderung bekommt. Na super.

In die Wiege gelegt

Dieser Hang zu Alleingängen ist ein Wesenszug. Egotrips haben inneren Zwangscharakter, der bei manchen besonders stark ausgeprägt ist. Deshalb wird es Ihnen auch nicht gelingen, ein Ego zu ändern. Das ist ein Charakterzug. Den zu ändern wäre eine erzieherische Maßnahme, die zum Scheitern verurteilt ist. Alles, was Sie tun können, ist, die Betroffenen dafür zu sensibilisieren, wie sich ihr Ego auswirkt. Ihnen aufzuzeigen, welchen Mehrwert es ihnen bringt, wenn sie sich nicht in den Vordergrund stellen.

Natürlich: Egoismus steckt mal mehr, mal weniger in jedem von uns. Das ist für das Überleben wichtig. Und um beispielsweise ein anspruchsvolles Projekt durchzusetzen, braucht jeder von uns ein gesundes Ego. Allerdings in Maßen und im Dienst des Unternehmens.

Einer für alle

Wenn dieses Maß bei Ihren Mitarbeitern allerdings überschritten wird und es mehr benötigt als eine Feinjustierung, dann kann ich Ihnen nur mein persönliches Vorgehen in solchen Fällen ans Herz legen: Beenden Sie das Arbeitsverhältnis. Ja, im Ernst: Kündigen Sie dem Ego. Hart, aber nötig. Denn die wertvollsten Mitstreiter sind immer die, die ihre Größe in den Dienst des Mannschaftsziels stellen.

Eine Boje treibt im offenen Meer
Manche Mitarbeiter machen’s wie diese Boje und lassen sich durch den Arbeitstag treiben. (©Oleksandr Delyk/fotolia.com)

Auffällig unauffällig

Der Gegenpart zum Egoisten ist der Mitschwimmer. Er ist vorrangig damit beschäftigt, sich selbst über Wasser zu halten. Darüber hinaus hat er weder die Energie noch den Weitblick, um sich wirkungsvoll in die Gemeinschaft einzubringen. Darum tragen Mitschwimmer nichts Nennenswertes zum gemeinsamen Fortschritt bei. Sie erwirtschaften in einem Unternehmen im besten Fall ihre eigenen Kosten, einen Gewinn erzielen sie nicht. Außerdem sind Sie dauerhaft auf den Push von außen angewiesen, um sich fortzubewegen. Solange ein zukunftsträchtiges Projekt von energiereichen Protagonisten vorangetrieben wird, werden die Mitschwimmer von deren Schwung mitgespült. Doch sobald das Projekt endet und die Energie von außen versiegt, versinken sie wieder im Alltagstrott.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Das bedeutet aber nicht, dass Mitschwimmer per se schlecht sind. Auch sie haben ihre Qualitäten: Sie sorgen für Stabilität. Sie benehmen sich wie ein Tanker, der lange Zeit unbeirrt von äußeren Einflüssen in die gleiche Richtung weiterfährt.

Gewusst wann

Und Mitschwimmer sind wichtig, denn kein Mensch kann überall Treiber sein – das übersteigt das Energiepotenzial selbst der kraftvollsten Individuen. Es ist auch nicht notwendig, in allen Bereichen seines Lebens voranzuschwimmen. Jeder kann und darf auch mal Mitschwimmer sein.

Entscheidend ist, dass jeder – egal ob Ego oder Mitschwimmer – weiß, welche Themen für ihn wesentlich sind: Bei diesen gehen sie dann entsprechend in die Gestaltung. Bei den übrigen Themen lassen sie anderen den Vortritt. Also mal Ego, mal Mitschwimmer.

Es geht im Endeffekt um den richtigen Einsatz dieser Charaktere. Wenn das gelingt, wenn Menschen ihre Energie in ein funktionierendes System einbringen, geschieht etwas Wunderbares: Ihre gemeinsame Leistung übersteigt die Summe ihrer Einzelleistungen deutlich. Etwas Außergewöhnliches wird möglich.

Über den Autor:

Der Industriedesigner und Speaker Jürgen R. Schmid lebt für individuelle und unkonventionelle Lösungen - nicht erst seit er den Mini- Akkuschrauber erfunden hat. Seine Firma Design Tech ist ein international führendes Unternehmen für zielorientiertes Maschinendesign. Im Mai ist Schmids aktuelles Buch "Standard ist tödlich" erschienen. Mehr dazu erfahren Sie auf der Homepage des Autors.

 

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Jürgen R. Schmid

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