Blicken Sie in die Zukunft oder dümpeln Sie vor sich hin?

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Blicken Sie in die Zukunft oder dümpeln Sie vor sich hin?

20. Oktober 2016 Silja Spreyer Lesedauer 4 Minuten

„Wer eine Vision hat, der sollte zum Arzt gehen“, soll Altkanzler Helmut Schmidt einst gesagt haben. Erfolgreiche Unternehmer kann er damit nicht gemeint haben – denn die würden ohne eine klare Vision ihre Innovationskraft verlieren. 

Paul Allen (l.) und Bill Gates (r.) in den Anfangsjahren von Microsoft: Der Bart sitzt, die Vision ist stimmig – was kann schon schief gehen? (CC)

„Ein Computer auf jedem Schreibtisch und in jedem Zuhause“, davon träumte Microsoft im Jahr 1975. Das Unternehmen war gerade gegründet worden. Ein IBM-Computer mit 16 Kilobyte RAM kostete um die 9.000 Dollar und das World Wide Web war noch fast zwei Jahrzehnte entfernt. In der Retrospektive klingt dieser Satz somit beinahe irrwitzig. Wer hätte schon ahnen können, dass sich die digitale Welt derart entwickelt?

Man kann davon ausgehen, dass auch Microsoft keine Glaskugel hatte, die dem Unternehmen die Zukunft vorhersagte. Was Microsoft hatte, war jedoch eine klare Zukunftsvision, nach der die Unternehmenstätigkeiten ausgerichtet wurden. Offenbar war es der entscheidende Faktor für den bahnbrechenden Erfolg des Konzerns. 

Eine klare Unternehmensvision ist ein Muss, kein Luxus.

Auch wenn Sie gar nicht anstreben, jemals so groß wie Microsoft zu werden, sollten Sie eine eigene Zukunftsvision ihres Unternehmens stricken. Denn: Eine gute Vision ist der Kompass, der Ihnen eine Richtung (nicht aber das Ziel!) vorgibt. Sie ist, neben einer guten Geschäftsidee, das wichtigste Kapital einer erfolgreichen Unternehmung. 

Eine Vision funktioniert nach dem psychologischen Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung: Erwartungen beeinflussen das Verhalten von Menschen. Wenn wir im Herbst glauben, dass wir uns ohnehin erkälten werden, dann ist der nächste Schnupfen meist nicht weit entfernt. Im positiven Sinne wirkt auch eine Vision selbsterfüllend: Sie motiviert und erlaubt die Identifikation mit der Sache. 

Eine gute Vision setzt keine Grenzen, sie gibt Raum für Kreativität und ist zeitlos – deshalb haben KPIs oder dergleichen nichts in der Vision zu suchen. „Wer eine Vision hat, kann Geduld haben, Fehler machen, Umwege in Kauf nehmen und Abweichungen korrigieren, weil er die Richtung kennt, in die er gehen will“, schreibt der Wirtschaftswissenschaftler Frank Hecker in einem seiner Bücher zum Thema Unternehmensvision. 

Drei Beispiele für gute Unternehmensvisionen ...

„Das Beste oder nichts“ (Daimler)

Dieser Leitspruch stammt vom Gründer Gottlieb Daimler höchstpersönlich und strotzt nur so vor Selbstbewusstsein. Warum sich mit etwas Geringerem zufrieden geben als mit dem Besten?  Daimler kann es sich erlauben, schließlich haben sie das Automobil erfunden und setzten mit ihren Innovationen immer neue Maßstäbe. 

„To make people happy“ (Disney)

Fantastisch – oder? Kurz, aussagekräftig und stimmig. Die Disney-Welt ist bunt und fröhlich, die Filme meist seichtes Popcorn-Kino, die Freizeitparks eine einzige heile Welt. Und schon Walt Disney wusste um die Macht der Vision: „If you can dream it, you can do it“, soll er einst gesagt haben. 

„Stell Dir eine Welt vor, in der jeder einzelne Mensch freien Anteil an der Gesamtheit des Wissens hat.“ (Wikipedia)

Solange es Diktaturen gibt und nicht jeder Mensch Zugang zum freien Internet hat, bleibt diese Vision ein Traum. Aber: Wikipedia ist auf einem guten Weg. Die freiwilligen Autoren haben mehr als 39 Millionen Artikel in fast 300 Sprachen verfasst. Es besteht kein Zweifel, dass die Vision irgendwann zur Wirklichkeit wird. 

... und zwei Breispiele für sehr schlechte Visionen

Da fehlen einem die Worte: 

  • „We will destroy Yamaha“ (Honda 1970)
  • „Crush Adidas“ (Nike 1960)

Drei Schritte zur Unternehmensvision

Verlassen Sie festgetretene Wege und beginnen Sie, auch unkonventionelle Ideen zuzulassen – am besten klappt das im Team (© Grasko / fotolia.com)

1) Die besten Ideen entstehen im Team

Trommeln Sie Ihre kreativsten Mitarbeiter zusammen und erarbeiten Sie sich Ihre Vision gemeinsam im Team. Dabei gilt: Jede Idee wird zunächst akzeptiert, egal wie verrückt sie klingen mag. Schauen Sie über den Tellerrand. Treten Sie einen Schritt zurück und betrachten Sie das große Ganze. Vorurteile und „das geht doch nicht“ sind hier fehl am Platz – frei nach dem Motto: „Kreativität fängt da an, wo der Verstand aufhört, das Denken zu behindern“ 

2) Beantworten Sie drei Fragen

  • Welches Problem der Menschheit wollen wir in der Zukunft lösen?
  • Welchen Beitrag leisten wir zur Lösung des Problems? 
  • Wie grenzen wir uns von unseren Wettbewerbern ab?

3) Knackige und klare Formulierungen statt langes „BlaBla“

Gute Visionen sollten mutig und leidenschaftlich und stets positiv formuliert werden, damit tatsächlich auch ein Ruck durchs Unternehmen geht. Verzichten Sie auf allzu viel „Geschwafel“ und stumpfe Plattitüden, die auch auf jedes andere Unternehmen zutreffen könnten. 

Fassen Sie sich kurz, denn Ihre Vision muss leicht verständlich und kommunizierbar sein. 

Bedenken Sie immer: Ihre Vision ist der Fixstern, an dem sich Ihr gesamtes Unternehmen orientieren sollte. Sie hilft Ihnen, Ihren Weg zu halten und nie zu sehr davon abzuweichen. 

Es ist daher wichtig, dass Ihre Vision begeistert und von allen Unternehmensmitgliedern verinnerlicht wird. Das heißt auch: Wenn Sie nicht selbst von Ihrer Vision überzeugt sind, dann können Sie Ihre Vision auch gleich wieder in den Papierkorb werfen. 

Autor

Silja Spreyer ist Leiterin Digitales bei compamedia.

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