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Blick in eine düstere (?) Zukunft

27. Januar 2016 Sven Kamerar Lesedauer 4 Minuten

Bald sollen sie da sein: selbstfahrende, programmierbare Autos, die ihre Insassen vor der Kneipe absetzen und sie nach drei Stunden von selbst wieder einsammeln. Wir stellen diese und andere Technologie-Prognosen vor. Das Buzzword lautet: Künstliche Intelligenz.

Welche Technologien stehen unmittelbar vor dem Durchbruch, welche lassen auf sich warten? Und welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen bewirkt ihre Verbreitung? Nachfolgend stellen wir Ihnen eine Reihe von Beiträgen vor, die nach Antworten auf diese Fragen suchen.

In der Washington Post präsentierte der Wissenschaftler und Autor Vivek Wadhwa vor kurzem „sechs Technologien, die 2016 prägen werden“ („These 6 technologies will define 2016“): Künstliche Intelligenz, Robotik, selbstfahrende Autos, Virtuelle Realität/Holodecks, das „Internet der Dinge“ und die (private) Weltraumfahrt.

Für Wadhwa ist es besonders das Zusammenspiel zweier oder mehrerer dieser Technologien, die „erstaunliche Sachen ermöglichen werden“. Aber er warnt: „Wundervolle Dinge werden möglich, aber mit ihnen werden wir der Menschheit auch neue Probleme bereiten.“

Folgt der Mensch dem Pferd?

Welche Probleme das sein könnten, darüber veröffentlichte der Technologie-Journalist Charles Arthur einen bemerkenswerten Beitrag im englischen Guardian: „Artificial intelligence: ‘Homo sapiens will be split into a handful of gods and the rest of us'“.

Sein ernüchterndes Fazit: Die Verbindung von Künstlicher Intelligenz, Robotik und dem „Internet der Dinge“ werde Millionen von Arbeitsplätzen vernichten. Der Mensch werde aus der Produktion und Verwaltung verschwinden wie einst das gute alte Pferd aus dem amerikanischen Militär. Da helfe es auch nichts, dass wir im Gegensatz zu Pferden lernfähige Wesen seien: Gegen die rasant wachsende Intelligenz von Maschinen kämen wir nicht mehr an.

Neben der drohenden Massenarbeitslosigkeit, die auch eine Studie des „Weltwirtschaftsforums“ heraufziehen sieht, warnt Arthur vor allem vor einer gefährlichen Verschiebung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Machtbalance. Er zitiert den englischen Autor Calum Chace: „Es wird Menschen geben, denen KI gehört, und deshalb alles andere auch. Die Menschheit wird sich also teilen in eine Handvoll ‚Götter' und den Rest von uns.“

Das Ungeheuer von Loch Ness der Technikbranche

Für eine nochmals völlig neue „Gefechtslage“ könnte der Durchbruch einer Technologie sorgen, die seit vielen Jahren durch die Tech-Gazetten schwirrt: der sagenumwobene Quantenrechner. Das t3n-Magazin vermeldete in dieser Angelegenheit mit Bezug auf den Google-Research-Blog Anfang des Jahres Erstaunliches: Google und die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hätten bei der gemeinsamen Entwicklung eines Quantenrechners den Durchbruch erzielt. Der funktionsfähige Computer rechne „100 Millionen Mal schneller als jeder PC" und schaffe damit in wenigen Sekunden das, wofür ein normaler Rechner 10.000 Jahre benötige.

Solche Erfolgsmeldungen geistern seit vielen Jahren ebenso häufig durch die Medien wie allsommerlich das Ungeheuer von Loch Ness. Sollten Google und die Nasa aber tatsächlich das von vielen Wissenschaftlern Bezweifelte geschafft haben, mag man sich kaum ausmalen, was diese Technologie in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz zu leisten in der Lage wäre. 

Der letzte Pionier aus der Garage?

Im Vergleich dazu fast schon bodenständig, jedenfalls ohne Quantenrechner und gigantische finanzielle Ressourcen, geht es in einer engen, mit Technik vollgestopften Garage in San Francisco zu: Dort präsentiert der 26-jährige George Hotz dem Nachrichtendienst Bloomberg ein von ihm gebautes selbstfahrenes Auto. Basis ist ein Honda Acura. Die gesamte Elektronik des Selbstfahrens entwickelte Hotz selbst.

Er, der aus seiner Garage heraus Tesla und Google herausfordern will, ist kein Unbekannter: Als 17-jähriger gelang es ihm unter dem Alias „geohot“, Apples iPhone zu hacken. Später knackte er auch die PlayStation3 von Sony. Sein Auskommen bestritt Hotz, der es bei keinem Arbeitgeber länger als ein paar Wochen aushielt, mit dem Gewinn zahlreicher Robotik- und IT-Wettbewerbe.

Der sehr lange, aber lesenswerte Beitrag von Bloomberg beschreibt facettenreich das bisherige Leben und Wirken eines IT-Wunderkinds und Einzelgängers. Zugleich erfährt der Leser viel über die Technologie und Zukunft selbstfahrender Autos. Ob es Hotz gelingen wird, als vielleicht letzter Pionier aus der Garage die großen Player zu überholen?

Ganz gleich, wer nun im Rennen der „Robocars“ die Nase vorn haben wird: Für den eingangs zitierten Vivek Wadhwa steht eines fest: Schon in den kommenden ein, zwei Jahren wird es Fahrzeuge geben, die uns zu einem - gerne auch per Smartphone - einprogrammierten Ziel fahren und dort völlig selbstständig nach einer gewünschten Zeit auch wieder abholen werden. Das wäre bei allen zitierten Gefahren und Risiken Künstlicher Intelligenz doch mal ein äußerst positiver Nutzen.

Alle Übersetzungen aus dem Englischen stammen vom Autor des vorliegenden Beitrages.

Autor

Sven Kamerar ist der Leiter der Unternehmenskommunikation bei compamedia.

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