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Die Top-Innovatoren zu Gast bei Porsche Leipzig

Bienen, Boliden und Best-Practice

26. April 2018 Sven Kamerar Lesedauer 5 Minuten

Als Deutschland vor 70 Jahren noch in Trümmern lag, baute Ferry Porsche seinen ersten Sportwagen. Eine verrückte Idee. Und der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Bei ihrem Besuch des Porsche-Werks Leipzig spürten TOP 100-Unternehmer diesem Mythos nach – und wurden Gott sei Dank nicht von einer Porsche-Biene gestochen.

Am Ende einer abwechslungsreichen TOP 100-Expedition hatte wohl jeder Teilnehmer einen persönlichen Favoriten, was den Unterhaltungswert betrifft: Für die einen war es das spektakuläre Fahr- und Sicherheitstraining mit bis zu 450 PS starken Porsche-Boliden, für die anderen die Überwindung einer 80-prozentigen Steigung mit Geländewagen, und wiederum für andere war es das abendliche Gespräch mit dem Porsche-Motorsportchef Dr. Frank-Steffen Walliser und dem Le Mans-Gewinner Marc Lieb. Nicht zu vergessen: die beiden sehr informativen und unterhaltsamen Stadtführungen, bei denen eine wundervolle Bootsfahrt für kontemplative Entspanntheit sorgte.

Eines war aber jedem klar: Porsche und Leipzig passen perfekt zusammen. Schließlich verfügt die Stadt über eine sehr weit zurückreichende Tradition als Kaufmannsstadt und Innovationsstandort. So revolutionierte dort Johann Gottlob Immanuel Breitkopf den Notendruck, Joseph Meyer erfand das gleichnamige Lexikon, die erste Gartenkolonie wurde nach dem Arzt und Hochschullehrer Moritz Schreber benannt und der Kaufmann und Politiker Karl Heine prägte eine moderne Stadtentwicklung.

Als 1989 die Mauer fiel, war von diesem großen Erbe jedoch nichts mehr übrig: Die Verbrechen der Nationalsozialisten an der eigenen Bevölkerung, der Zweite Weltkrieg und der gescheiterte Aufbau des Sozialismus hatten jeglichen unternehmerischen Keim erstickt. 

Leipziger Skyline
Hier tut sich was: Seit Jahren schon zieht Leipzig Unternehmer, Gründer und Kreative an. Kaum eine deutsche Stadt wächst derzeit so rasant wie die sächsische Metropole. (© Jörg Bluhm)

Orgel made by Porsche

Von dem Niedergang ist heute nichts mehr zu spüren. „Die blühenden Landschaften sind tatsächlich da“, bemerkte der Stadtführer. Und fürwahr: Leipzig ist eine moderne, junge, lebendige Stadt. Und Porsche gehört zu den vielen Unternehmen, die der Region Aufschwung verleihen. Übrigens auch im kulturellen Sinne: Wer hätte gedacht, dass in der berühmten Sankt-Nikolai-Kirche eine Orgel mit einem von Porsche designten Spieltisch aus Ebenholz und gebürstetem Edelstahl steht? Sie hat, Kuriosum am Rande, als einzige Orgel der Welt ihr Bedienfeld auf der linken statt auf der rechten Seite. Warum wohl…? Die Antwort findet sich hier.

Porsche selbst hat jedenfalls auch einen imposanten Aufschwung in Leipzig vollzogen: 2002, als die Stuttgarter ihren neuen Standort in Betrieb nahmen, handelte es sich dort um ein mittelständisches Unternehmen: 260 Mitarbeiter bauten rund 70 Fahrzeuge am Tag. Heute montieren 4.200 Beschäftigte in der gleichen Zeit etwa 600 Sportwagen und SUV.

Fachpersonal gefragt

Die Anforderungen an die Mitarbeiter sind hoch: Wer in der Produktion arbeiten möchte, muss über entsprechende Berufserfahrung oder eine Ausbildung verfügen. Wenn nicht, werden er oder sie anderthalb Jahre angelernt, bevor sie Hand an einen Porsche legen dürfen.

Ein zweigliedriges Honorarsystem regt alle Beschäftigten auch zur Innovationsarbeit an: Jeder Mitarbeiter kann sowohl Vorschläge zur Verbesserung seines eigenen Aufgabengebietes bzw. Arbeitsplatzes einreichen als auch zur Optimierung anderer Produktionsbereiche.

Porsche steht vor einer 80%-igen Steigung
Erfordert Mut und Achtsamkeit: Die Fahrt über 80 Prozent Steigung. Hier erlebten die Top-Innovatoren, was moderne Technik leisten kann. (© Jörg Bluhm)

Schnell und achtsam über Strecke und Steigungen

Und wie fühlt sich nun der Mythos Porsche in der Praxis an? Das „erfuhren“ die TOP 100-Teilnehmer bei einem Fahr- und Sicherheitstraining. Dies diente nicht nur der reinen Freude, sondern entfaltete auch einen praktischen Nutzen: mit der Verbesserung der eigenen Fähigkeiten in bremsligen, pardon: brenzligen Situationen. Die Instruktoren achteten dabei streng, aber freundlich auf absolute Disziplin. Schließlich ist der Umgang mit Fahrzeugen dieses Kalibers kein Pappenstiel.

Es ging jedoch nicht nur auf die Rennstrecke und den Sicherheits-Parcours: Porsche führte die Teilnehmer auch auf eine sechs Kilometer lange Geländestrecke mit 15 Sonderprüfungen. Die größte Gefahr dabei: einen der vielen Hasen oder anderen Wald- und Wiesenbewohner zu überfahren, die auf dem 132 Hektar großen hauseigenen Natur-Areal ihre Heimat gefunden haben. Achtsamkeit war also allein deshalb schon geboten.

Bienenstock
Sind auch bei Porsche nur maximal 29 km/h schnell: Die Bienen, die auf dem Areal köstlichen Lindenblüten-Honig produzieren. (©Porsche AG)

Limitierte Produkte der besonderen Art

Und dann trauten die Top-Innovatoren ihren Augen nicht, als sie an einer Reihe Bienenstöcke vorbeifuhren. So lernten sie einen noch kleinen Geschäftszweig von Porsche Leipzig kennen: die Erzeugung von Lindenblüten-Honig. 400 Kilogramm erntete und vermarktete der Sportwagenbauer allein im vergangenen Jahr. 2018 wird der Ertrag sogar mehr als doppelt so hoch sein, weil Porsche just in diesen Tagen 25 weitere Völker von „Turbienchen“ ansiedelte.

Wer ein Glas haben möchte, sollte sich aber beeilen. Denn die limitierte Lindenblüten-Delikatesse dürfte ähnlich begehrt und schnell vergriffen sein wie seinerzeit der Porsche 918 Spyder - ein knapp 900 PS starkes, hybridgetriebenes Hypercar. Die Gesamtverantwortung für die Entwicklung des Prototyps zur Serienreife trug ab 2010 der heutige Motorsportchef Dr. Frank-Steffen Walliser.

Steffen Walliser und Marc Lieb
Anschaulich, hintergründig und unterhaltsam: Porsche-Motorsportchef Dr. Frank-Steffen Walliser und der Le Mans-Gewinner Marc Lieb berichteten von ihrer Innovationsarbeit. (© Jörg Bluhm)

Wenn die Qualität stimmt, ist der Preis egal

Beim Abendessen berichtete das TOP 100-Jurymitglied unterhaltsam und anschaulich von den Höhen und Tiefen der Innovationsarbeit. Der Rennfahrer und Entwicklungsingenieur Marc Lieb schilderte zugleich das Geschehen aus Sicht eines Profifahrers, etwa, wie er bei der ersten scharfen Testfahrt mit dem 918 auf der Nordschleife eine nicht für möglich gehaltene Rundenzeit von unter sieben Minuten erreichte.

Walliser, dem zugleich auch die Ansprache von potenziellen Kunden des Supersportwagens oblag, lieferte Aufschlüsse über Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren im Luxussegment. Wichtigste Erkenntnis: „Wenn das Produkt von der Technologie, dem Design und dem Erlebnis her absolut stimmig ist, dann spielt der Preis in diesem Segment keine Rolle. Dann geht es um pure Emotion.“ Ergo sollten sich Anbieter im Luxus- und Premiumsegment, egal welcher Branche, die meisten Gedanken über die Eigenschaften ihrer Produkte machen, weniger über den Preis.

Wohl dem, der das von sich sagen kann!

Autor

Sven Kamerar ist der Leiter der Unternehmenskommunikation bei compamedia. Unter @SKamerar twittert er über alle Themen rund um TOP 100.

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