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Auf der Suche nach Innovation

06. Oktober 2016 Pascal Simon Lesedauer 4 Minuten

Innovationen brauchen gute Ideen. Was wie eine Binsenweisheit klingt, stellt viele Unternehmen vor eine echte Herausforderung. Während Großkonzerne versuchen, sich Kreativität in Form von Start-ups einzukaufen, setzen Mittelständler auf das Potenzial ihrer Mitarbeiter. Eine Gegenüberstellung.

„Das haben wir doch schon immer so gemacht!“ – dieser Satz steht sinnbildlich für einen angestaubten und ganz im Alltagstrott verfangenen Arbeitsethos. Viele der altehrwürdigen Konzerne kämpfen mit diesem Problem. Strikte Reglements und komplexe Strukturen sind für die effiziente Verwaltung eines Global Player zwar unverzichtbar. Der resultierende Konformitätsdruck erstickt jedoch jegliche Kreativität meist schon im Keim. 

Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung entwickelt sich dieser Mangel an  Innovationskultur für viele Konzerne zu einem echten Problem. Neidisch fällt der Blick auf junge, agile Start-ups, die mit Engagement und Risikobereitschaft neue Ideen voranbringen. Was liegt also näher, als sich für – aus Sicht eines Großkonzerns – relativ kleines Geld Beteiligungen an besonders vielversprechenden Jungunternehmen zu sichern? 

Konzerne als Geburtshelfer

Tatsächlich verfolgen immer mehr Konzerne genau diese Strategie. Besonderes Engagement zeigt beispielsweise die Deutsche Telekom, die in Berlin den Inkubator „hub:raum“ betreibt. Mit einem Gesamtbudget von 450 Millionen Euro dient hub:raum als „Brutkasten“ für Jungunternehmer. Der Deal: Im Austausch gegen bis zu 15 Prozent der Unternehmensanteile erhalten Gründer eine Förderung von bis zu 300.000 Euro, ein Büro im hub:raum-Gebäude sowie Zugang zum Partnernetzwerk des Inkubators inklusive einer Mentoren-Betreuung.

Neben der Telekom warten auch andere Branchengrößen mit ganz ähnlichen Angeboten auf. Bei Axel Springer gibt es für fünf Prozent Unternehmensanteile 25.000 Euro und ein dreimonatiges Coaching-Programm. Ähnlich läuft es bei ProSiebenSat1. Auch die Finanzbranche lässt sich nicht zweimal bitten: mit Allianz und Commerzbank strecken auch hier große Namen ihre Fühler nach kreativen Start-ups aus. 

Um sich den Gründergeist direkt ins Haus zu holen, veranstalten zahlreiche große Unternehmen zudem sogenannte Hackathons. Diese Events richten sich explizit an junge Uni-Absolventen und Professionals. Innerhalb von 24 Stunden feilen die Teilnehmer in kleinen Teams an einer Geschäftsidee oder einem Prototypen, die abschließend von einer Jury begutachtet werden. Dem Siegerteam winkt dabei nicht selten eine weitreichende Förderung des Projekts. Besonders umtriebig zeigt sich hier Daimler. Die Schwaben haben in diesem Jahr bereits in Stuttgart, China, Bangalore und im Silicon Valley Hackathons veranstaltet. 

Daimler-Hackaton in Stuttgart: DigitalLife Campus

„Ideen? Haben wir selbst!“

Während die Branchengrößen versuchen, fehlenden Innovationsgeist durch finanzielle Muskelkraft aufzufangen, geht der Mittelstand einen anderen Weg. An die Stelle großzügiger Risikokapitalbudgets und aufwendig inszenierter Kreativ-Events treten Kooperationsprojekte mit Kunden und Lieferanten. Besonders wichtig ist jedoch das kreative Potenzial der eigenen Mitarbeiter. 

Was auf den ersten Blick recht unspektakulär erscheint, erweist sich bei genauerer Betrachtung als eine der größten Stärken mittelständischer Unternehmen. Schließlich sind bei Unternehmen mittlerer Größe flache Hierarchien der Regelfall. Spontane Einfälle können so auch schon mal „auf dem kurzen Dienstweg“ abteilungsübergreifend diskutiert werden. Keine zusätzlichen Meetings, keine Telefonkonferenz mit den Kollegen in Übersee. Auch die viel beschworene „Open Door Policy“ ist vielerorts kein leeres Buzzword aus der Managementliteratur, sondern fester Bestandteil der Unternehmenskultur. 

In welchem Ausmaß Unternehmen von der Kreativität ihrer Mitarbeiter profitieren können, zeigt auch die aktuelle TOP 100-Studie von Prof. Dr. Nikolaus Franke von der Wirtschaftsuniversität Wien: Der wissenschaftliche Leiter des TOP 100-Projekts fand heraus, dass die Top-Innovatoren allein durch Realisierung von Mitarbeitervorschlägen bereits ein Umsatzplus von 3,7 Prozent erreichen konnten. 

Das kreative Potenzial der Belegschaft optimal nutzen

Innovative Mittelständler setzen auf interdisziplinäre Teams und auf die Kreativität ihrer Mitarbeiter (© kantver/fotolia.com)

Ein gut organisiertes Vorschlagwesen mit einem direkten Draht zur Geschäftsleitung legt bei vielen Top-Innovatoren den Grundstein für die Entwicklung neuer Ideen. Darüber hinaus greift beispielsweise das Softwarehaus Insiders Technologies auf spezielle Kreativitätstechniken zurück. So verfolgt man hier den Ansatz des „Design Thinking“, der die Bedeutung interdisziplinärer Teams betont und den Innovationsprozess als kundenorientierten „Trial and Error“-Prozess versteht. 

Die MS Ultraschall Technologie aus Spaichingen geht sogar noch einen Schritt weiter: Der Maschinenbauer verfügt über ein eigenes Technikum, in dem Mitarbeiter selbst an ihren Ideen für neue Produkte oder Produktverbesserungen basteln können. Dank dieses kreativen Freiraums handeln die Angestellten quasi als Unternehmer im Unternehmen. Das wirkt sich nicht nur positiv auf Zufriedenheit und Motivation aus, sondern schlug sich für den Betrieb in der Vergangenheit auch in barer Münze nieder. 

Diese Beispiele zeigen, wie kleine und mittlere Unternehmen dank flacher Hierarchien und einer konsequenten Einbindung der Mitarbeiter ihren finanziellen Nachteil gegenüber großen Konzernen zumindest teilweise wettmachen können. Denn wer permanent seine Innovationskultur stärkt, muss diese nicht mühsam nachträglich in die Unternehmens-DNA importieren.

Autor

Pascal Simon ist Redaktionsleiter des TOP 100-Blogs und Junior PR-Berater bei compamedia

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